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Cayman liest > Sibylle Berg >“GRM - Brainfuck” >Ein sehr brutaler, verstörender, überfordernder, aber auch guter Roman
Erster Akt in der Zukunft
In jener Zukunft, in der wir uns hier gerade jetzt befinden, da bleiben keine Wünsche offen: Leise Elektroautos summen autonom gesteuert durch die supersauberen, randbegrünten Straßen, schick gekleidete Menschen laufen gesittet und respektvoll voreinander über Gehwege, Gebäude und Häuser sind entweder komplettverglast oder aber verchromt (Denn in der Zukunft ist zwar nicht alles, aber doch einiges verchromt), große Werbetafeln bieten den Bewohner:;_Innen:Persons innovative Produkte an, welche exakt auf jeden einzelnen Kund;:_Innen:Person zugeschnitten werden vor der Bestellung und alles was an Energie benötigt wird, ist selbstverständlich irgendwie „GRÜN“ und „NACHHALTIG“…
Die Menschen, ja sie alle haben gesetzlich vorgeschrieben, standartisierte Gedanken-, Gesundheitswert-, Zufriedenheits- UND Intelligenzerweiter- UND Überwachsungschips in Gehirn und Restkörper. Alles freiwillig und mit großer Begeisterung, denn seit dem diese „Technologie“ eingeführt wurde, haben sich Kriminalität, Todesfälle, Unfälle und Krankheitsfälle um 99% reduziert. Und übrigens: In den mittlerweile abgeschafften „Sozialen Medien“ werden keine Hasspostings mehr verbreitet, wie denn auch? Bestaunen kann man diese jedoch in speziellen Museen, nachdem man dort per Gedankenchip der „Sensibility-Contraction“ zugestimmt hat, weil die dort erhaltenen Postings von ungefickten Incels, gestörten Impfgegnern, wutentbrannten Nazis, WELT- und BILD-Redakteuren, radikalen Klimaschützern und Leugnern, Trumpanhängern und und und ausgesprochen verstörend sein können…
Gestritten wird nicht mehr, sollten Unstimmigkeiten auftreten, so gibt es selbstverständlich für alles die passende KI, welche durch ihre unvorstellbar-hohe Rechenleistung und versorgt durch grüne Solarenergie, immer die perfekte Lösung für alle und alles erarbeitet. Die „Politik“ an sich existiert schon lange nicht mehr, „Politiker“ werden als Avatare und Wachsfiguren in speziellen Museen und Ausstellungen oder im allgegenwärtigen SUPERVERSE für die Nachwelt konserviert, mehr als Mahnung, als als Ausstellungsobjekte…
Sprich, in dieser Zukunft, da ist alles perfekt! Kriege, Krankheiten, Armut, Neid, Hasskommentare, Verbrechen, Drogen oder allgemein Dinge die irgendwie „schlecht“ sind, gibt es nicht mehr, weil spezialisierte KI`s einfach ALLES nicht nur anpassen, sondern auch immer und vollkommen fehlerfrei kontrollieren, immer weiter verbessern und individuell zuschneiden…
In einem der vielen vollverchromten Hochhäuser, in einem jener „Zeitreiselabore“, da wartet derweil ein perfekt gekleideter, glücklich dreinschauender, glatzköpfiger Mann darauf, dass Cayman und der Kameramann in ihrer Zeitreisekapsel erscheinen… Die KI hat auch hier wie immer perfekte Arbeit geleistet und so erscheint, unter dichtem Nebel und grellem Licht die besagte Zeitreiskapsel auf die Millisekunde genau, an der exakt vorberechneten Stelle…
Als der Nebel sich schnell wieder gelegt hat und unsere beiden Reisenden aussteigen, die geschmackvoll-minimalistische Innenarchitektur des großen Raumes, sowie das schicke Outfit des Mannes bewundern, hebt dieser die Hand genderneutral zum Gruße und sagt: „Willkommen in der Zukunft, meine lieben Reise;:_Innen:Persons! Ich bin euer persönlicher Informations;:_Person! Egal was ihr wissen wollt, die Antwort;:_En sind bereits vorgefertigt und präsentationsbereit“…
Während Cayman sich noch am Kopf kratzt darüber, wie perfekt hier alles ist, fragt der Kameramann: „Also echt jetzt? Kein Scheiß? Keine Kriege, kein Socialmedia, kein Trump, kein Putin, kein Wendler, keine Achse des Guten, COMPACT, keine AfD oder oder oder? Menschen werden hier über zweihundert Jahre alt und alle leben genau das Leben, welches perfekt zu ihnen passt?!“…
Der Mann antwortet zufrieden: „Ja, in der Tat, das ist so! Also sagt mir, meine Freund;:_Inn_Persons, was ist euer Begehren? Weshalb seid ihr hier?“…
Auf die Frage, werden Cayman und der Kameramann sehr ernst und Cayman fragt, in staatsmännischem Tonfall: „Wir sind auf diese weite und kostspielige Reise aufgebrochen, weil wir in unserer chaotischen, unbarmherzigen Zeit eine der wohl allergrößten Krisen zu lösen versuchen! Und wir erhoffen uns hier, in dieser perfekten Zukunft, weit weit weg von unserer Gegenwart Hilfe! Mann aus der Zukunft!“…
Der Glatzkopf nickt und fragt: „Und wie lautet die große Frage, deren Antwort über das Wohlergehen von euch Vergangenheitsbewohn;:_Inn:Persons maßgeblich beiträgt?“…
Daraufhin antwortet der Kameramann entschlossen: „Wir hoffen, dass es hier, in dieser Zeit nun ENDLICH XBOX- und PLAYSTATIONS legal und ohne Skalpersales zu kaufen gibt“…
Der Glatzkopf holt Luft, lächelt väterlich und sagt: „Also nun, das tut mir leid, aber Videospiele wurden schon vor langer Zeit verboten, Spielekonsolen ebenfalls, weil diese die Menschen nachgewiesenermaßen davon abgehalten haben, dreiundzwanzig Stunden am Tag produktiv und arbeitsam zu sein. Und außerdem… Nach dem großen, weltumfassenden „BATTLEFIELD 12“-Skandal mit Bürgerkriegen und tausenden Toten und dem darauf resultierenden Niedergang der Videospielindustrie, wollte ohnehin kaum noch jemand sich mit diesem primitiven und gewalttätigen Medium beschäftigen. Die Fragmente dessen, sie sind heute im „International Triggermuseum“ in Neo York und in New Tokyo zu bestaunen. Vorausgesetzt natürlich, Ihre Triggerresistenz ist als hoch genug eingestuft“.
Kurz halten Cayman und der Kameramann inne…
Dann legt Cayman sich wortlos auf den Fußboden, geht in die fötale Körperstellung und beginnt „DIE ZUUUUKUUUUNNNFT!!!“ zu rufen, immer und immer wieder…
Und während Cayman auf dem Boden liegt und weiterhin „DIE ZUUUUKUUUUNNNFT!!!“ ruft, kratzt sich der Kameramann am Kopf und fragt den Glatzkopf: „Aber Kaffee habt ihr noch?“.
Der Glatzkopf nickt und lächelt: „Mehr als dreihundert schadstofffreie Sorten!“…
Daraufhin freut sich der Kameramann und sagt: „Na das ist doch super! Dann gönnen wir uns doch einen!“…
Als der Glatzkopf auf Cayman zeigt, winkt der Kameramann locker ab: „Aaach was! Keine Sorge… Der beruhigt sich auch wieder. Iss ja nicht die erste, alternative Zukunft, die wir heute schon besucht haben“…
Dann schlendern die beiden aus dem Raum, derweil Cayman seinem seelischen Leid frönt…
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Cayman liest
Dieses Mal:

Sibylle Berg
„GRM Brainfuck“
„Frau Berg will unser Gehirn zerstören“
DAS Sibylle Berg

DEUTSCHLANDFUNK KULTUR fasst das Phänomen, wenn man es so nennen will, SIBYLLE BERG so zusammen:
ZITAT DLF-KULTUR:
„Sibylle Berg ist Schriftstellerin und Kunstfigur in einem. Sie schreibt Romane, hält aber keine der üblichen Lesungen ab, sondern verwandelt ihre Romanstoffe in Bühnenshows. Sie ist in den sozialen Medien präsent, als Persönlichkeit jedoch schwer zu fassen. Für ihre Fangemeinde ist Sibylle Berg ganz einfach Kult. Eine Autorin mit Popstarqualität und der Aura eines düsteren Orakels. Ihre Romane bilden die Welt in einem kaum zu vertiefenden Schwarz ab, sie bohren mit unerbittlicher Radikalität in den Wunden des Spätkapitalismus.“
Ja, SO KANN man das was diese Dame macht und ist oder auch nur vorgibt zu sein, eingrenzen. Jedoch sollte man zur Vollständigkeit halber ebenfalls wissen, ist Frau Berg auch eine richtig harte Feministin und Gendefanatiker*in…
Oh Moment! So altbacken und rückständig, also mit „*“-Stern gendert DAS Genderfan mittlerweile ja schon gar nicht mehr, weil selbst DAS zu patriarchalisch ist.
Denn EIN Frau… Ne, darf man ja auch nicht mehr… Einen Moment bitte… Nochmal…
DENN EIN PERSON BERG SCHREIBT ES TEXTE, KOLUMNEN UND ARTIKEL JETZT SO:
ZITATE SPIEGEL.DE:
-„Was wäre, wenn jedes einfach die anderen in Ruhe ließe? Dann könnten wir endlich alle glücklich sein. Ach, es wäre ein schönes Jahr 2022.“
-“Das klingt nach einem sehr kleinen, bescheidenden Wunsch, aber die Auswirkungen wären überwältigend. Jedes könnte glauben, was es will. Den Vorgarten gestalten, wie es will. Es müsste andere nicht belehren. Korrigieren, herumschreien. Mit den Armen fuchteln. Welche Ruhe in den Medien, wenn sich MitarbeiterInnen an die guten alten Werte wie Recherche zurückbesönnen und nicht mehr Agenturmeldungen mit klickbettelnden Headlines versehen, die sehr oft werten und verurteilen…“
-“Kaum eines hatte die Idee, dass ein weiblich gelesener Mensch erstens weder begattet werden will noch zweitens einen Einfluss auf seine Lebenszeit hat.“
Also tja… Keine Ahnung, ob DAS BERG einfach zu oft den Flachmann*Frau herausholt, tatsächlich inzwischen so dermaßen ideologisch verblendet ist, dass ES DIE eigenen Texte als SCHRIFTSTELLENDES so dermaßen verhunzt, weil ES ernsthaft denkt, dass sich dadurch irgendwas für Frauen und Queere, welche es ja laut dieser Schreibweise auch nicht mehr geben dürfte ändert, weil diese Art des Schreibens homosapische Lebewesen ja zu leblosen Gegenständen, vollkommen seelenlosen, identitätslosen Erscheinungen umfunktioniert… Aber wenn du als Schriftstellendes egal welchen Geschlechtes oder auch nicht, deine eigene Arbeit auf diese Art und Weise selber zerlegst, dann machst du IN MEINEN AUGEN etwas falsch. Sprache braucht auch Schönheit, Sprache braucht ein Stück weit auch, leider aber wahr, eine gewisse „Befangenheit“, auf der, mit der man überhaupt arbeiten kann. Und wenn man aber nun mit diesem komplett geschlechtslosen „ES, ETWAS, DAS“-Gendern der Sprache ALLES nimmst, was irgendwie ansatzweise noch „schön“ oder überhaupt noch lesbar ist, dann macht man aber definitiv etwas falsch. Zumindest spätestens dann, wenn diene Lesendes Probleme haben, überhaupt noch zu verstehen, WORÜBER du da schreibst und wen oder was du meinst, solltest du dich eventuell der traurigen Wahrheit stellen, dass du es vollkommen übertrieben hast und in einer Sackgasse gelandet bist… In diesem Fall mit deinem Wunsch, deine Texte zu 2500% vollkommen genderfrei zu halten.
Aber vielleicht ist die Dame auch einfach nur, was ihre Kolumnen auf Spiegel.de angeht, stinkend faul. Denn „antipatriarchalische“ Texte kann man ja auch wunderbar auf diverse Weisen verfassen, ohne die Grammatik und Verständlichkeit an die Wand zu fahren. Man muss aber dann über jeden der eigenen Sätze fünfmal nachdenken und das macht Arbeit und das sind die Einwegkolumnen auf Spiegel dann vielleicht auch einfach nicht wert. Wer weiß das schon so genau?

Denn immerhin dachte ich im ersten Moment, sie schreibt in diesem hier verlinkten Text sehr ungekonnt über kleine Kinder oder Aliens – Tatsächlich aber über Erwachsene, über uns alle. Aber da dies so kaputtgegendert wurde, geht die bloße Verständlichkeit vollkommen flöten.
ZITAT SPIEGEL.DE:
-„Was wäre, wenn jedes einfach die anderen in Ruhe ließe? Dann könnten wir endlich alle glücklich sein. Ach, es wäre ein schönes Jahr 2022.“.
Androgyne Schreibweise hin oder her, wenn bestimmte Chraktere in Romanen aus bestimmten Gründen so reden, weil es thematisch oder einfach in den Kontext passt, dann akzeptiere auch ICH es, aber nicht in normalen, journalistischen und/oder Texten, in denen man Menschen etwas eindeutig und möglichst klar verständlich mitteilen will.
Aber gut, das ist halt DAS SIBYLLE BERG – Wie es mal jemand, wohl als halbe Beleidigung gemeint, ausdrückte: „Sibylle Berg ist der Michel Houllebecq unter den linken Autoren!“.
Stimme ich sogar zu, auch wenn ich den guten Michel im Gegensatz zu Frau Berg überhaupt nicht leiden kann… Rein ideologisch jedoch, was die eigene Vermarktung betrifft, das provozieren bestimmter Zielgruppen in der Öffentlichkeit und leider auch ein bisschen in der politischen Dickköpfigkeit, sind sich die beiden auf eine ganz bestimmte Art, recht ähnlich. Obwohl… Frau Berg würde sicher niemals auf die Idee kommen, aus einem Museum die Jacke einer berühmten Persönlichkeit zu klauen, wie es der verärgerte Franzose schon 2019 getan haben soll…
Neinnein, Frau Berg ist dann doch um einiges “zivilisierter” und auch menschenfreundlicher… Viel menschenfreundlicher.
Rein ideologisch jedoch… Hmm…
So verwundert es natürlich, wenn man dem zustimmt, auch nicht, dass in den neuen Büchern von Frau Berg selbstverständlich gegendert wird. Immerhin, also zumindest in „GRM“ nur die gut und flüssig lesbare „Binnen-I-Variante“, die man beim intensiven Lesen in der Tat kaum mitbekommt - Also von mir aus, dann gender halt als AUTORPERSON*, solange MICH als ENDVERBRAUCHENDES* dies nicht im Lesefluss stört. Dass Frau Berg überhaupt Binnen-I-gendert, ist mir auch erst irgendwo bei Seite 250 dieses Buches das erste mal aufgefallen, also wurde es handwerklich bestens verbaut, und gibt MIR keinen Grund, dem Buch deshalb gestalterisch Punktabzüge zu geben. Zumal DAS SIBYLLE BERG ja eine ohnehin sehr politische Autorin ist, es zudem an sich sehr gut ins Setting der Story passt UND man von jemandem wie ihr dies sogar regelrecht erwartet. Politisch motivierte Literatur kann meinetwegen gendern, so wie viel lustig ist, das ist nicht das grundsätzliche Problem.
Zum Problem wird es dann, wenn reine Unterhaltungsliteratur zum Politikum wird, weil sich die jeweiligen Autoren entweder gezwungen fühlen, das jetzt machen zu MÜSSEN… Entweder weil der Verlag dies unbedingt so will oder aber, weil die schreibenden Autoren sich unbedingt zur Erhörung der Verkaufszahlen ans Gendern dranhängen, weil man heutzutage ja jedem Trend hinterherrennen muss (Ohne selber wirklich daran zu glauben) und nicht zu vergessen, jene Autorenschaft, die reine Unterhaltung schreibt, die aus irgendeiner fehlgeleiteten Überzeugung gendern, obwohl es gar nicht in ihre Werke passt und dort auch gar nichts zu suchen haben sollte. UND diese sollte man auch nicht vergessen: Autoren, die schlicht Angst davor haben, wenn sie nicht gendern, dass sie dann von den richtig harten Fans dessen mit Shitstorms überzogen werden oder als „Rechts“ gelten oder oder oder… Die Probleme in der Literaturbranche sind dort sehr vielfältig und zahlenmäßig aktuell sehr groß vorhanden. Wer jedoch glaubt, dass dort nun also eine, wie manche Rechte behaupten „DIKTATUR DER GENDERFANS“ herrscht, irrt jedoch ebenfalls. Denn auch in der Literaturbranche tobt, wie auf Asocial Media oder in den Kommentarspalten von Spiegel und Co ein bisweilen hartnäckiger Grabenkampf. Derweil nicht selten ausgerechnet jene in die Schussbahnen beider Seiten geraden, die zwar selber gendern, aber jedoch auch der Meinung sind, dass alle anderen um sie herum doch einfach machen können, was sie wollen, weil Vielfältigkeit ist doch super!
-NEIN!!!11 schimpft die eine Seite: „IHR TYPEN SEID DOCH ALLES LINKSVERSIFFTE LANDESVERRÄTER!!!“.
-Nein1!!!! pöbelt die andere Seite: „WIR GENDERVORREITER_*INNEN MÜSSEN DIE WELT ÜBERZEUGEN! DIE LEUTE BEKEHREN UND DEN DUMMEN PÖBEL DURCH KONSEQUENTES ANWENDEN AN DEN RAND DRÄNGEN! ABER DANN GEFÄLLIGST MIT DEM UNTERSTRICH!!!“.
- Nein!!!!!!!!!!!!!!!! schreien die anderen: „Ihr Typen die sagen jeder könne alles machen dürfen, seid erstens Scharlatane und zweitens Schuld, dass unsere schöne Sprache zerstört wird!“.
Da ist EIN SIBYLLE BERG, mit ES Buch, welches „nur“ Binnen-I- gendert und dies sehr gut verbaut, ja schon regelrecht „Kleinbürgerlich“.
Oder um dieses Problem vereinfacht zusammenzufassen:

Quelle: Perlentaucher.de
Aber dass ES BERG gendert, ist in diesem Buch aber auch gar nicht das große Problem, es ist an sich überhaupt kein Problem… Neinnein! Das, was diesem Buch sehr große Probleme bereitet, wie ich finde, ist eine ganz andere Sache.
Machen wir mal lieber weiter mit dem Roman.
Willkommen am Rande der Gesellschaft

Don, Karen, Hannah und Peter leben am Anfang des Buches noch in, na sagen wir mal… „So halbwegs intakten Familien“. Immerhin, sie haben Eltern, sie haben teilweise auch Geschwister, sie haben ein Dach über dem Kopf. Die Eltern sind entweder berufstätig, so halbwegs oder es kommt Geld vom Staat rein und irgendwie kommt man dann schon um die Runden.
Anfangs, da „existieren“ sie alle in Rochedale, einem Loch irgendwo in England, in dem es außer Armut, Gewalt, Vandalismus, Drogen und GRIME, der namensgebenden Musikrichtung (Des Buches) nichts gibt. Man wartet auf gar nichts mehr, man hat auch nie auf etwas gewartet, weil alle, die dort leben, existieren, herumkrebsen, kiffen, fixen, saufen, rauchen, sich prügeln, klauen, herumlungern, langsam verschimmeln, ganz genau wissen, dass sich niemand für sie interessiert, sie nur stören und die Politik sie am liebsten Vorgestern, als heute einfach im Hochofen verbrennen würde. Dann könnte man dieses ganze arme Gesindel zumindest einmal in dessen lotteriger Existenzzeit zu etwas Produktiven gebrauchen. Aber so einfach ist das natürlich nicht und so wachsen also auch Don, Peter, Kran und Hannah zwischen, Sperrmüll, Gewalt, GRIME, Elend und Hoffnungslosigkeit dass jemand irgendwas besser werden KÖNNTE, auf.

Grime: Regelmäßig tauchen neue “Stars” auf, verglühen wieder, kommen manchmal zurück, nur wenige bleiben, der Rest geht unter.
Die Vier, zu Beginn noch nicht, aber später Freunde… Sie haben allesamt etwas „freakiges“ an sich, das sie im Grunde noch weiter an den Rande der Gesellschaft buxiert. Peter ist Autist, Don irgendwie ein Mädchen, aber irgendwie auch nicht, sondern eher Trans, Hannah hat überliebevolle Eltern, was ihr ein überbordendes Ego beschert hat und Karen ist extrem intelligent, aber deshalb auch sehr neben der Spur, weil ihr Gehirn 24/7 wie ein überdrehter Quantencomputer arbeitet.
Derweil macht der neoliberalistische, rechtspopulistische Endzeitkapitalismus keine Pause: Menschen werden ausgebeutet, bezahlbarer Wohnraum wird von Investoren gefressen oder durch Prestige-Bauprojekte diverser Politiker, Investoren, Geschäftsleute, wasauchimmer entfernt, weil Teslafahrer und Penthousebesitzer einfach die bessere Wählerschicht sind. Die Armen, die Ausgestoßenen, sie sind wütend, sie sind immer wütend, sie geben aber, weil es eben ja sonst nichts bringt, denen die Schuld, welche noch weiter unter ihnen stehen: Ausländer, noch ärmere Menschen, Behinderte, Politiker und Parteien, die nicht dem eigenen Weltbild entsprechen, meistens die Linken oder einfach der Gesellschaft. Dann wählen diese hasserfüllten, ausgestoßenen, outgesourceten Wegwerfmenschen nicht selten die Rechten, weil diese ebenfalls alles hassen (oder es immerhin vorgeben,) was auch ihre Wählerklientel hasst. Weil die Rechten immerhin noch mit der Unterschicht reden und deren Wünsche kennen oder es immerhin halbwegs glaubhaft vorgeben können und arme Menschen ja meistens eh nicht sonderlich gut, na nennen wir es mal… „Informiert“ sind, lieber in ihren Informationsblasen leben und ohnehin nur glauben, was sie glauben wollen. Und wenn dann die Rechten, die Rechtspopulisten davon sprechen, dass das Land wieder mehr „National“ werden muss, „Ausländer die Arbeitsplätze klauen“ weg müssen, damit das eigene „Volk“ das Land wieder zu „Alter Stärke“ führt, ja dann hauen die meisten Einwegmenschen in ihren Elendsvierteln auf den Tisch, brüllen „Genau!!!“, wählen die Rechten, werden von ihnen belogen und betrogen, wie von allen anderen Parteien, aber geben die Schuld daran, auch weiterhin lieber anderen… Also Ausländern, noch Ärmeren, Behinderten, Frauen, Linken, allem halt, welches von den Rechten zum Feindbild taugt.
- Sie wissen schon, dieser endlose Kreislauf, das Übliche eben.
Dies ist die Welt, in der die Vier Freunde aufwachsen, bis auch in das Leben von jedem von ihnen selber, die „Kapitalistische Endzeitgewalt“ zuschlägt. Die Mutter des einen wird erschossen, der Vater wird depressiv, landet in einem Selbstmordforum und nimmt sich das Leben. Die Mutter des anderen hat keinen Bock mehr auf ihre Brut, heiratet einen reichen Russen und lässt ihr Kind einfach sitzen. Die Familie eines anderen stirbt nach und nach aus, mal durch religiösen Fanatismus, mal durch Krankheit oder durch Feuer. Derweil eine andere der Heldenfiguren seine Familie aufgrund exzessiver Gewalt- und Sauforgien freiwillig zurücklässt.
Letzten Endes, da sitzen die Vier, jeder aus anderen Gründen, mittellos auf der Straße.
Und weil das Leben, die Welt, die Menschen, einfach alles nichts als Gewalt, Sexsucht, Gnadenlosigkeit und Verachtung übrig hat, für sich, für andere und überhaupt, erleben Don, Hannah, Peter, Karen, jeder für sich, seine ganz eigene Hölle, aus Gewalt, sexueller Ausbeutung, Vergewaltigung, Drogen, Entführung und seelischem Missbrauch. Also nein, dieses Buch, dieser Roman ist in der Tat NICHTS FÜR SCHWACHE NERVEN UND IMMER WIEDER, SEHR OFT SOGAR, NUR SEHR SCHWER ERTRÄGLICH.
Aber damit bei all dem „Sozialhorror“ keine Eintönigkeit aufkommt, bevölkern noch sehr viele weitere Nebenfiguren diesen Roman, welche alle nicht nur pflichtgemäß mit einem kurzen „Bewertungsbogen“ vorgestellt werden, sondern auch gleich noch auf ihre kapitalistische Nutzbarkeit ausgeleuchtet werden:
Peters Mutter
Intelligenz: Geht so
Sexualität: Asexuell
Hobbys: Danielle-Steel-Hörbücher
Verwertbarkeit für die Märkte: Unterdurchschnittlich
Fitnesslevel: Schlecht, verkapselte TBC
Der Russe
Intelligenz: Ausgezeichnet
Aggressionspotential: Hoch
Ethnie: Weiß
Kreditwürdigkeit: Geht so
Nettovermögen: Nur noch 8 Mio.
Der Bodycam-Mann
Ethnie: Weiß
Politische Orientierung: Querulant
Sexuelle Orientierung: Asexuell
Freunde: Na ja
Roger
Gesundheitszustand: Bluthochdruck, Wasserphobie
Konsumverhalten: Nicht relevant
Sexualität: Keine
Politische Beeinflussbarkeit: Sehr empfänglich
oder auch
Jon
Charakter: Extrovertiert, leicht zu beeinflussen
Hobbys: Weint oft, um sich dabei zu beobachten
Krankheitsbild: Übersteigerter Narzissmus
Kaufinteressen: Weißbrot
Auch sie bekommen ihre berühmten Fünf Minuten, bevor sie meistens ebenfalls ein mal mehr, mal weniger grausiges Schicksal ereilt, weil die Welt sie nicht mehr braucht, weil sie selber nichts besser sind, als all die anderen Arschlöcher da draußen, weil der Kapitalismus sie nicht braucht, weil niemand sie braucht oder jemals nach ihnen gefragt hat und es auch niemals tun wird.
Manche von ihnen kommen ums Leben, manche verelenden einfach, ein paar werden aber auch ermordet, denn Karen, Peter, Don und Hannah haben mit ein paar von ihnen noch persönliche Rechnungen zu begleichen und finden mit der Zeit, spätestens, als sie in London stranden und auf andere Straßenkinder treffen, Verbündete. Derweil uns Sibylle Berg mit keinem noch so widerlichen, schlimmen, verstörenden Detail verschont und uns nebenbei regelrecht mit Fachwissen unter anderem über: Rechtspopulismus, künstliche KI`s, den Spätkapitalismus, diverse verrückte und kaputte Trends im und aus dem Internet, Robotik, der Finanzwelt und und und und zu Tode bombt. Jede Buchseite ist eine Panzerfaust der demotivierenden, sozialhorroristischen, menschenverachtenden und seelisch auf Dauer vollkommen überfordernden Unterhaltungskunst. Wer mehr als dreißig Seiten am Stück aushält, ohne vorher entweder vollkommen depressiv geworden zu sein, oder aufgrund des ununterbrochenen Inputs an Informationen geistig zusammenzubrechen, kann sich stolz auf die Schulter Klopfen.
Da alles sind jene Punkte, welche dieses Buch, diesen Roman so großartig machen und eben auch dazu führen, dass man gar nicht mitbekommt, dass Binnen-I gegendert wird. Weil das schiere Tempo und die Masse an Input, welcher einem um die Augen gehauen wird, einfach viel zu hoch ist, um noch auf irgendwelche Details zu achten.
Die “wunderschöne”, nationalistische, kapitalistische, ausländerfreie, rundumkontrollierte Gesellschaft von morgen

Derweil Karen, Don, Peter und Hannah und die anderen Straßenkinder sich ihr kleines Refugium errichtet haben, verändert sich die Welt immer weiter, immer schneller, immer mehr und so gut wie gar nicht ins Positive. Es wird den Leuten als „Positiv“ und gut verkauft, aber ach! Der dumpfen Masse da draußen kann man EINFACH ALLES andrehen, was man will, man muss es nur gut vermarkten. Sogar die Todesstrafe KÖNNTE man wieder einführen, würde nur die Marketingkampange stimmen und die entsprechenden Politiker die passenden Worte wählen. Die Leute sind strohdumm, der Großteil zumindest. Versprich ihnen, dass sie, von was auch immer man einführen und verfestigen will, eigene Vorteile haben und sie rennen dir wie die ausgehungerten Tauben hinterher. Manipulation war noch nie so einfach, wie in den Zeiten der sogenannten „Sozialen Medien“, denn einfältige Vollidioten, die man hinsteuern kann wo auch immer man will, waren noch nie so einfach zu steuern.
Und der ganze Rest der Bevölkerung war noch nie so gleichgültig und mit dem abarbeiten von Überstunden, Onlineshopping, Seriengucken und dem Festhängen in der eigenen Interessenbubble beschäftigt wie heute.
Der Brexit, das Paradebeispiel von Manipulation und Lügen, von Hass und Hetze, von Machtspielen selbstverliebter, nationalistischen Elitearschlöchern, dummen, einfältigen Menschen auf der einen und vollkommen gleichgültigen Leuten (Die JETZT bereuen damals nicht zur Wahl gegangen zu sein, um DAGEGEN zu stimmen, weil sie damals dachten „Wen interessiert das schon?“) auf der anderen Seite… Spiegelt dies perfekt wider.
Im England von „GRM“ ist der Brexit aber schon bald nur noch eine bloße Erinnerung an etwas, das man hätte einfach nur viel besser vermarkten müssen. Denn die nationalistischen Eliten, allen voran Thome und sein Vater, ein altgedienter, weltverblendeter Rechtspopulist, wollen IHR GROßBRITANIEN wieder zurückholen auf die große Bühne, es wieder „GREAT AGAIN MACHEN“. Also Thomes Vater will das. Thome selber will lieber reicher, verwöhnter, beschränkter Sohn sein, der seiner heimlichen, aber unterdrückten Homosexualität, sowie diversen, nicht legalen, diabolisch-grausamen Spielchen über das Internet und in der echten Welt frönt.
Das Volk ist stumpf, das Volk ist dumm, das Volk kauft gerne nutzlosen Schrott, der aber ausgezeichnet vermarktet wurde, die Armen sind zwar ekelhaft, aber für Hasskampangen mehr als gut zu Gebrauchen, als Abschreckung sowieso und als Feindbilder dito, die fortschreitende Digitalisierung macht alles nur noch einfacher und Globalisierung, obwohl alles mit allem vernetzt ist, gehört abgeschafft (Naja zumindest auf dem Papier). Irgendwie passt das alles zwar nicht zusammen, aber who cares?! Rechtspopulismus kümmert sich nicht um Widersprüche oder Menschenrechte, oder soziale Verantwortung oder Umweltschutz oder das Klima oder Frauen oder Menschen (Frauen und Menschen werden bei vielen Rechten UND Linken ja ohnehin unterschieden) oder oder oder.
So plant Thomes Vater also seinen großen Coup, zusammen mit anderen, gesichtslosen, rechten Gestalten, deren Lebenstraum es ist, das „gute, alte Kolonial-England“ wieder zu errichten, weil „damals“ noch alles gut war, auch wenn keiner dieser Gestalten so genau sagen kann, warum eigentlich. Vermutlich einfach, weil es noch keine Ausländer im Land gab (Das ist zwar nicht wahr, aber wen kümmert das?) (Ja, eben… Niemanden!).
Grundpfeiler dieses Planes ist es, ein „Bedingungsloses Grundeinkommen“ einzuführen, natürlich nur für alle, die sich einen Chip, welcher sie runumüberwacht einpflanzen lassen. Danach aber… PROMISSING! Braucht ihr euch um nichts mehr Sorgen zu machen! Also außer um die eigenen Sozialpunkte! Deren Gewinn und Abzug durch bestimmte Verhaltensweisen natürlich von „Denen da Oben“ vorgegeben werden.
Und Typen wie „MI5-Piet“, sitzen an ihren Rechnern, an ihren Bildschirmwänden und lachen sich tot. Wie auch über die sehr kläglichen Versuche von „Den Hackern“, Freunden von Don, Peter, Hannah und Karen, welche glauben, sie könnten mit ihrem sehr begrenzten Wissen und Können etwas bewirken, das Internet lahmlegen, für Chaos sorgen… DIE LEUTE AUFWECKEN! - „MI5-Piet“, Mitarbeiter im Geheimdienst, kann darüber nur beherzt prusten und ihnen irgendwann einen deftigen Denkzettel verpassen.
Don, Karen, Peter und Hannah derweil, sie streifen durch das sich immer mehr in eine „Wohlfühldiktatur“ für alle, die sich perfekt angepasst haben und keine Fragen stellen verändernde-London, werden älter, verändern sich selber, (vor allem Don) und können über all den Wahnsinn um sich herum nur staunen.
Wie auch ich als Leser, weil ich bis heute nicht verstanden habe, wie mein Gehirn diese UNMENGEN an Informationen, Fachbegriffen, Fachwissen, Sozialhorror, Nebenfiguren, grausamen Humor und noch ganz anderen Kram, für den es vermutlich nicht einmal Namen gibt… Also ALL DAS ÜBERHAUPT VERARBEITEN KONNTE.
Dieses Buch zu lesen, fühlt sich an, wie einen Marathon durch alle SAW-Filme zu laufen und dabei jedes der Folterinstrumente selber einmal durchzuprobieren, derweil einem der Sawmörder höchstpersönlich alle jemals gedruckten Ausgaben des Brockhaus in aller Seelenruhe vorliest.
Dieses Buch will dich nicht unterhalten – Es will dich zerstören – Es will dein fucking Gehirn einschmelzen
Aber genau da liegt dann auch die größte, gestalterische Schwäche dieses Romans…
FAZIT

Ein MEISTERWERK – Aber auch WAY TOO MUCH

ZITAT DLF-KULTUR:
„Mehr als 600 Seiten umfasst ihr neuer Roman mit dem Titel „GRM – Brainfuck“, abgeleitet von Grime, dem rohen Musikstil in der Nachfolge des Punk. Es sind 600 Seiten einer Litanei, die einer Generalabrechnung mit der Gegenwart gleichkommt. Der Roman spielt in England, zunächst im wirtschaftlich abgedrifteten Rochdale, dann in London. Er umfasst rund zwei Jahrzehnte und führt über das Jahr 2019 hinaus, in eine Zeit, als „der Brexit nur noch Erinnerung war“. „
ZITAT DLF-KULTUR:
„Die apokalyptische Wucht, die dem Roman innewohnt, hält sich die Waage mit seiner emphatischen Barmherzigkeit. „GRM“ ist Attacke und Fürbitte in einem, so monströs wie zärtlich. Ein verschreckender Findling der Gegenwartsliteratur, an dem man nicht vorbeikommt. Und ein Roman, den man nicht ohne Erschütterung aus der Hand legt.“
Nun ist dieses „große Problem“ an diesem MONSTERROMAN, dass Frau Berg sich offensichtlich von vornherein vorgenommen hatte, ihre Leserschaft geistig, seelisch, emotional, wie auch in Sachen „Informationsverarbeitung“ so dermaßen zu überfordern, dass am Ende nur noch die Allerstärksten diese natürliche Selektion halbwegs heile überstanden haben werden. Denn neben den vier Hauptfiguren, den Hauptschurken, den Semi-Hauptfiguren, den Nebenfiguren, all den Schauplätzen, Informatikfachwissen, mal erfunden, mal real, sehr viel Science-Fiction die aber kaum noch von der Realität unterscheidbar ist, Popkultur, Pornografie-“Fachwissen“ und noch seeehhr viel mehr, lässt Sibylle Berg niemals Luft zum atmen, um mal zu verschnaufen. Wer dieses Buch liest, wird sich sehr schnell wie Charly Chaplin am Fließband fühlen, wird nicht mehr, kaum noch, gar nicht mehr hinterherkommen mit allendem, was die Autorin einem da um die Ohren haut, ohne Pause, ohne Unterlass, ohne Gnade, weil Gnade ist nur ein Wort, eine Metapher, im Endzeitkapitalismus ohnehin ein Straftatbestand, welchen keiner mehr, außer diesen paar noch vorhandenen Gutmenschen und LinksträumerInnen und ein paar Spinnern, auf die aber ja sowieso niemand mehr hört, jemals gehört hat.
Äh… Häh? Was? Wo? Wer? Weshalb? Um was ging es in dem Buch gleich nochmal? Und wer hat meine Stereoanlage geklaut?! Und wo ist meine Hose?! Und wer hat meinen Kühlschrank geplündert?
WAS IST HIER, WÄHREND ICH GELESEN HABE GOTTVERFICKTNOCHMAL PASSIERT?!
Sibylle Berg und ihr Buch wollen dich nicht überfordern, sie wollen dich zerstören, sie wollen dich am Boden liegen sehen, wie dein Gehirn als blutige, schwarze, verkohlte Masse aus allen Gesichtsöffnungen läuft. Und falls doch noch ein gewisser Prozentgrad an Wahrscheinlichkeit besteht, dass man diese schieren Unmengen an vollkommen schnodderig und gleichgültig aufgetischten Informationen, Story, Figuren, Sozialhorror und und und überleben KÖNNTE, ja dann legt sie einfach noch ein paar Tonnen an Kram mehr drauf!
Was dann auch irgendwo der Grund war, weshalb ICH das Buch, als ich es halb fertig gelesen hatte, beiseite gelegt und erst ein halbes Jahr später wieder angefasst habe, weil es einfach „Gereicht hat“.
Da in diesem Buch Überforderung das Programm, das Ziel ist und man gar nicht zum Luftholen kommen soll, so finde ich, wird dieser Findling von Roman irgendwann „redundant“, also alles wiederholt sich, man wird unaufmerksam, sucht regelrecht nach der Hauptstory, den Hauptfiguren und wird doch immer und immer wieder vom Wulst an „Alles anderem“ überrollt. Die brutalen, harten, gnadenlosen Darstellungen, Schilderungen und Thematiken geben dann noch den Rest dazu. Und so haben wir dann ein Buch, das zwar unfassbar informativ ist, sehr nahe an der Realität, unglaublich spannend… ect. Aber eben auch harte Arbeit ist, sehr harte Arbeit.
Dass Frau Berg sehr nahe an der Realität geschrieben hat, ist kaum von der Hand zu weisen, wie gerade erst wieder erwiesen:

Wenn das das Ziel war, dann Herzlichen Glückwunsch! Es ist mehr als gelungen!
Aber nur leider finde ich, macht es das Buch natürlich irgendwo auch unattraktiv, nimmt es dem Buch dieses „Ich will das unbedingt zu Ende lesen, weil ich wissen will…“ und verursacht stattdessen ein „Okay! Das reicht mir! Ich habe genug! Ab damit in die hinterste Ecke vom Bücherregal!“.
Dazu kommt, dass man nebenbei erwähnt ja auch noch sehr deprimiert wird, zuweil den Glauben an die Menschheit verliert, wie auch alle Lebenshoffnung, weil vieles, was dort beschrieben wird, was dort passiert nachweislich alles andere als Fiktion oder immerhin sehr denkbar ist.
Somit ist „GRM“ also in der Tat ein sehr gutes, sehr einforderndes, jedoch auch sehr deprimierendes, negatives Buch, welches seine aufgeladene, aber vollkommen gleichgültig hochgezüchtete negative Energie beim Lesen auf jeder einzelnen Seite verteilt, wie ein Rasensprenger das ausgestoßene Wasser.
Und das kann sehr sehr anstrengend sein und dem Buch, wie ich finde, leider auch sehr viel nehmen.
Was jedoch Ansichtssache ist und in der Gesamtbewertung auch keine Punktabzüge einbringt.
Man sollte es bloß, als eine Art „Triggerwarnung“ einmal ausführlich erwähnt haben.
Es sei denn natürlich, man hat das „Brainfuck“ im Buchtitel irgendwie… übersehen.
Denn das „Brainfuck“, ja das steht da nicht umsonst.
Und einen Nachfolger, ja den gibt es auch schon:

Na das kann ja heiter werden.
Ich habe fertig und ich bin auch fertig.
Vielen Dank.
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Sibylle Berg
„GRM-Brainfuck“
Buch gebunden
Kiepenhauer & Witsch
Ersterscheinung 2019
Preis: Gebundenes Buch: 25,00€ - Taschenbuch 14,00€
PERSÖNLICHE NOTE: 1+++
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Letzter Akt in einer anderen Zukunft
Cayman und der Kameramann haben inzwischen mit ihrer Zeitmaschine, Zeit-und-Dimensionsmaschine, egal… Mit diesem Teil mit dem sie unterwegs sind, eine neue, laut den Metadaten halbwegs vielversprechende Realität, Zeit, wasauchimmer angesteuert und erscheinen sodann mitten auf einer mehrspurigen Straße mitten in der Innenstadt von… Öhm… Egal!
Als die beiden aussteigen, da begrüßt sie das wütende Gesicht des offenbar hier und jetzt herrschenden Diktators, welcher auf den Plakaten und Werbebildschirmen aber lieber „DER BESCHÜTZER“ genannt wird und mit ausgestrecktem Zeigefinger klarmacht, dass, laut Slogan: „KONSUM IST LEBEN! ARBEIT IST LEBEN! GEHORSAM IST SICHERHEIT!“…
Die autonom fahrenden Elektroautos stören sich nicht an der Zeitreise-Dingsbummskapsel mitten auf der Straße und fahren einfach drumherum. Höflich, auf die Sicherheit der Insassen und der Passanten bedacht.
Cayman und der Kameramann stehen, als sie beide ausgestiegen sind vor einer sehr langen Schlange von gleichgekleideten, gleichfrisierten, sehr müde und leicht verwahrlost-aussehenden Menschen…
Manche von ihnen haben Zelte neben sich stehen, weiter hinten in der Schlange schlafen auch gerade welche in ebendiesen, ein Kerl mit geschätztem Sechs-Tagebart kocht sich vor seinem Zelt derweil eine Suppe auf einem Campinggrill…
Die gleichaussehenden Menschen glotzen Cayman und den Kameramann an und umgekehrt…
Dann fragt Cayman: „Verzeihung, aber wir kommen von sehr weit her, weil wir auf der Suche sind! Nach kaufbaren Xbox-Spielekonsolen. Gibt es hier soetwas? Oder ist in dieser Welt das Zocken, wie in China verboten worden?“…
Zwei vollkommen gleichaussehende Männer sehen sich an, grinsen müde… Dann sagt der eine mit matter Stimme: „Nein, das Gaming wurde nicht verboten. Lootboxen sind sogar eine Form der Entlohnung. Aber was denkt ihr beiden denn wohl, für was wir hier anstehen?! Seit nun mehr als sechs verdammten Tagen!“…
Der zweite Mann antwortet: „Gestern Nacht sind zwei erfroren, da konnten wir zwei Plätze aufrücken!“…
Ein dritter Mann hinter den beiden anderen fügt noch hinzu: „Und nicht zu vergessen vorgestern, als das eine Taxi nen KI-Fehler hatte und drei weitere Leute umgefahren hat!“…
Da sagt der zweite Mann: „Wir kommen hier recht schnell voran. Nen Kumpel von uns, der wartet da wo er wohnt, schon seit vierzehn Tagen an immer noch derselben Stelle“…
Gerade als Cayman wieder zusammenbrechen will…
Da erscheint eine zweite Zeit-Raum-Whatever-Kapsel auf der Straße…
Aus dieser steigt Maurice Weber von der Gamestar aus…
Da ruft der Kameramann, mit einer abweisenden Handbewegung begleitet ihm zu: „Vergiss es! Hier sind alleine gestern Nacht oder so zwei Leute erfroren beim Warten! Das wird hier nichts! Egal ob PeEss oder Icksboxxe!“...
Daraufhin läuft Maurice rot an, stemmt die Hände an die Hüften, schaut sich erbost um und gibt, als ein autonomes Taxi an ihm vorbeifahren will, diesem einen Tritt in den vorderen Kotflügel…
Dann stampft er zurück zu seiner Kapsel, steigt ein, schlägt laut die Klappe zu und ist sodann wieder verschwunden…
Der Kameramann kratzt sich derweil am Kopf und meint zu Cayman: „Tja, also dann doch wie der Bob-Marley-Typ von den Gamingclerks es meinte? Bei Scalpern kaufen?“…
Cayman verdreht die Augen im Kopf und stöhnt: „Najagut… Geht ja nicht anders“…
Daraufhin springen auch die beiden wieder in ihre Kapsel und sind sodann ebenfalls wieder verschwunden…
Der zweite der angesprochenen Männer meint: „Ich finde sie hätten uns wenigsten fragen können, ob…“
Sofort bekommt er einen Stromschlag von seinem seit Geburt eingepflanzten Gedankenkontrollchip und liegt zappelnd am Boden, bis er schließlich Schaum vor dem Mund bekommt und scheinbar tot ist…
Der Hintermann und alle anderen rücken daraufhin einen auf und sagen im Chor: „Gott segne unseren großen Beschützer! Gott schütze unsere große, allwissende Regierung!“…
Was ihnen auf einen Schlag 30-Socialpoints, 5 Social-Lootboxen und 5% Rabatt auf seinen nächsten Einkauf einbringt.
Denken Sie mal darüber nach.