Samstag, 22. Januar 2022

 

 

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Cayman liest > Sibylle Berg >“GRM - Brainfuck” >Ein sehr brutaler, verstörender, überfordernder, aber auch guter Roman

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Erster Akt in der Zukunft


In jener Zukunft, in der wir uns hier gerade jetzt befinden, da bleiben keine Wünsche offen: Leise Elektroautos summen autonom gesteuert durch die supersauberen, randbegrünten Straßen, schick gekleidete Menschen laufen gesittet und respektvoll voreinander über Gehwege, Gebäude und Häuser sind entweder komplettverglast oder aber verchromt (Denn in der Zukunft ist zwar nicht alles, aber doch einiges verchromt), große Werbetafeln bieten den Bewohner:;_Innen:Persons innovative Produkte an, welche exakt auf jeden einzelnen Kund;:_Innen:Person zugeschnitten werden vor der Bestellung und alles was an Energie benötigt wird, ist selbstverständlich irgendwie „GRÜN“ und „NACHHALTIG“…

Die Menschen, ja sie alle haben gesetzlich vorgeschrieben, standartisierte Gedanken-, Gesundheitswert-, Zufriedenheits- UND Intelligenzerweiter- UND Überwachsungschips in Gehirn und Restkörper. Alles freiwillig und mit großer Begeisterung, denn seit dem diese „Technologie“ eingeführt wurde, haben sich Kriminalität, Todesfälle, Unfälle und Krankheitsfälle um 99% reduziert. Und übrigens: In den mittlerweile abgeschafften „Sozialen Medien“ werden keine Hasspostings mehr verbreitet, wie denn auch? Bestaunen kann man diese jedoch in speziellen Museen, nachdem man dort per Gedankenchip der „Sensibility-Contraction“ zugestimmt hat, weil die dort erhaltenen Postings von ungefickten Incels, gestörten Impfgegnern, wutentbrannten Nazis, WELT- und BILD-Redakteuren, radikalen Klimaschützern und Leugnern, Trumpanhängern und und und ausgesprochen verstörend sein können…

Gestritten wird nicht mehr, sollten Unstimmigkeiten auftreten, so gibt es selbstverständlich für alles die passende KI, welche durch ihre unvorstellbar-hohe Rechenleistung und versorgt durch grüne Solarenergie, immer die perfekte Lösung für alle und alles erarbeitet. Die „Politik“ an sich existiert schon lange nicht mehr, „Politiker“ werden als Avatare und Wachsfiguren in speziellen Museen und Ausstellungen oder im allgegenwärtigen SUPERVERSE für die Nachwelt konserviert, mehr als Mahnung, als als Ausstellungsobjekte…

Sprich, in dieser Zukunft, da ist alles perfekt! Kriege, Krankheiten, Armut, Neid, Hasskommentare, Verbrechen, Drogen oder allgemein Dinge die irgendwie „schlecht“ sind, gibt es nicht mehr, weil spezialisierte KI`s einfach ALLES nicht nur anpassen, sondern auch immer und vollkommen fehlerfrei kontrollieren, immer weiter verbessern und individuell zuschneiden…

In einem der vielen vollverchromten Hochhäuser, in einem jener „Zeitreiselabore“, da wartet derweil ein perfekt gekleideter, glücklich dreinschauender, glatzköpfiger Mann darauf, dass Cayman und der Kameramann in ihrer Zeitreisekapsel erscheinen… Die KI hat auch hier wie immer perfekte Arbeit geleistet und so erscheint, unter dichtem Nebel und grellem Licht die besagte Zeitreiskapsel auf die Millisekunde genau, an der exakt vorberechneten Stelle…

Als der Nebel sich schnell wieder gelegt hat und unsere beiden Reisenden aussteigen, die geschmackvoll-minimalistische Innenarchitektur des großen Raumes, sowie das schicke Outfit des Mannes bewundern, hebt dieser die Hand genderneutral zum Gruße und sagt: „Willkommen in der Zukunft, meine lieben Reise;:_Innen:Persons! Ich bin euer persönlicher Informations;:_Person! Egal was ihr wissen wollt, die Antwort;:_En sind bereits vorgefertigt und präsentationsbereit“…

Während Cayman sich noch am Kopf kratzt darüber, wie perfekt hier alles ist, fragt der Kameramann: „Also echt jetzt? Kein Scheiß? Keine Kriege, kein Socialmedia, kein Trump, kein Putin, kein Wendler, keine Achse des Guten, COMPACT, keine AfD oder oder oder? Menschen werden hier über zweihundert Jahre alt und alle leben genau das Leben, welches perfekt zu ihnen passt?!“…

Der Mann antwortet zufrieden: „Ja, in der Tat, das ist so! Also sagt mir, meine Freund;:_Inn_Persons, was ist euer Begehren? Weshalb seid ihr hier?“…

Auf die Frage, werden Cayman und der Kameramann sehr ernst und Cayman fragt, in staatsmännischem Tonfall: „Wir sind auf diese weite und kostspielige Reise aufgebrochen, weil wir in unserer chaotischen, unbarmherzigen Zeit eine der wohl allergrößten Krisen zu lösen versuchen! Und wir erhoffen uns hier, in dieser perfekten Zukunft, weit weit weg von unserer Gegenwart Hilfe! Mann aus der Zukunft!“…

Der Glatzkopf nickt und fragt: „Und wie lautet die große Frage, deren Antwort über das Wohlergehen von euch Vergangenheitsbewohn;:_Inn:Persons maßgeblich beiträgt?“…


Daraufhin antwortet der Kameramann entschlossen: „Wir hoffen, dass es hier, in dieser Zeit nun ENDLICH XBOX- und PLAYSTATIONS legal und ohne Skalpersales zu kaufen gibt“…


Der Glatzkopf holt Luft, lächelt väterlich und sagt: „Also nun, das tut mir leid, aber Videospiele wurden schon vor langer Zeit verboten, Spielekonsolen ebenfalls, weil diese die Menschen nachgewiesenermaßen davon abgehalten haben, dreiundzwanzig Stunden am Tag produktiv und arbeitsam zu sein. Und außerdem… Nach dem großen, weltumfassenden „BATTLEFIELD 12“-Skandal mit Bürgerkriegen und tausenden Toten und dem darauf resultierenden Niedergang der Videospielindustrie, wollte ohnehin kaum noch jemand sich mit diesem primitiven und gewalttätigen Medium beschäftigen. Die Fragmente dessen, sie sind heute im „International Triggermuseum“ in Neo York und in New Tokyo zu bestaunen. Vorausgesetzt natürlich, Ihre Triggerresistenz ist als hoch genug eingestuft“.


Kurz halten Cayman und der Kameramann inne…


Dann legt Cayman sich wortlos auf den Fußboden, geht in die fötale Körperstellung und beginnt „DIE ZUUUUKUUUUNNNFT!!!“ zu rufen, immer und immer wieder…

Und während Cayman auf dem Boden liegt und weiterhin „DIE ZUUUUKUUUUNNNFT!!!“ ruft, kratzt sich der Kameramann am Kopf und fragt den Glatzkopf: „Aber Kaffee habt ihr noch?“.

Der Glatzkopf nickt und lächelt: „Mehr als dreihundert schadstofffreie Sorten!“…

Daraufhin freut sich der Kameramann und sagt: „Na das ist doch super! Dann gönnen wir uns doch einen!“…

Als der Glatzkopf auf Cayman zeigt, winkt der Kameramann locker ab: „Aaach was! Keine Sorge… Der beruhigt sich auch wieder. Iss ja nicht die erste, alternative Zukunft, die wir heute schon besucht haben“…


Dann schlendern die beiden aus dem Raum, derweil Cayman seinem seelischen Leid frönt…

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Cayman liest


Dieses Mal:

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Sibylle Berg


„GRM Brainfuck“



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Frau Berg will unser Gehirn zerstören“



















DAS Sibylle Berg

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DEUTSCHLANDFUNK KULTUR fasst das Phänomen, wenn man es so nennen will, SIBYLLE BERG so zusammen:


ZITAT DLF-KULTUR:

„Sibylle Berg ist Schriftstellerin und Kunstfigur in einem. Sie schreibt Romane, hält aber keine der üblichen Lesungen ab, sondern verwandelt ihre Romanstoffe in Bühnenshows. Sie ist in den sozialen Medien präsent, als Persönlichkeit jedoch schwer zu fassen. Für ihre Fangemeinde ist Sibylle Berg ganz einfach Kult. Eine Autorin mit Popstarqualität und der Aura eines düsteren Orakels. Ihre Romane bilden die Welt in einem kaum zu vertiefenden Schwarz ab, sie bohren mit unerbittlicher Radikalität in den Wunden des Spätkapitalismus.“

Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/sibylle-berg-grm-brainfuck-eine-generalabrechnung-mit-der-100.html


Ja, SO KANN man das was diese Dame macht und ist oder auch nur vorgibt zu sein, eingrenzen. Jedoch sollte man zur Vollständigkeit halber ebenfalls wissen, ist Frau Berg auch eine richtig harte Feministin und Gendefanatiker*in…

Oh Moment! So altbacken und rückständig, also mit „*“-Stern gendert DAS Genderfan mittlerweile ja schon gar nicht mehr, weil selbst DAS zu patriarchalisch ist.


Denn EIN Frau… Ne, darf man ja auch nicht mehr… Einen Moment bitte… Nochmal…


DENN EIN PERSON BERG SCHREIBT ES TEXTE, KOLUMNEN UND ARTIKEL JETZT SO:

ZITATE SPIEGEL.DE:

-„Was wäre, wenn jedes einfach die anderen in Ruhe ließe? Dann könnten wir endlich alle glücklich sein. Ach, es wäre ein schönes Jahr 2022.“


-“Das klingt nach einem sehr kleinen, bescheidenden Wunsch, aber die Auswirkungen wären überwältigend. Jedes könnte glauben, was es will. Den Vorgarten gestalten, wie es will. Es müsste andere nicht belehren. Korrigieren, herumschreien. Mit den Armen fuchteln. Welche Ruhe in den Medien, wenn sich MitarbeiterInnen an die guten alten Werte wie Recherche zurückbesönnen und nicht mehr Agenturmeldungen mit klickbettelnden Headlines versehen, die sehr oft werten und verurteilen…“


-“Kaum eines hatte die Idee, dass ein weiblich gelesener Mensch erstens weder begattet werden will noch zweitens einen Einfluss auf seine Lebenszeit hat.“


Also tja… Keine Ahnung, ob DAS BERG einfach zu oft den Flachmann*Frau herausholt, tatsächlich inzwischen so dermaßen ideologisch verblendet ist, dass ES DIE eigenen Texte als SCHRIFTSTELLENDES so dermaßen verhunzt, weil ES ernsthaft denkt, dass sich dadurch irgendwas für Frauen und Queere, welche es ja laut dieser Schreibweise auch nicht mehr geben dürfte ändert, weil diese Art des Schreibens homosapische Lebewesen ja zu leblosen Gegenständen, vollkommen seelenlosen, identitätslosen Erscheinungen umfunktioniert… Aber wenn du als Schriftstellendes egal welchen Geschlechtes oder auch nicht, deine eigene Arbeit auf diese Art und Weise selber zerlegst, dann machst du IN MEINEN AUGEN etwas falsch. Sprache braucht auch Schönheit, Sprache braucht ein Stück weit auch, leider aber wahr, eine gewisse „Befangenheit“, auf der, mit der man überhaupt arbeiten kann. Und wenn man aber nun mit diesem komplett geschlechtslosen „ES, ETWAS, DAS“-Gendern der Sprache ALLES nimmst, was irgendwie ansatzweise noch „schön“ oder überhaupt noch lesbar ist, dann macht man aber definitiv etwas falsch. Zumindest spätestens dann, wenn diene Lesendes Probleme haben, überhaupt noch zu verstehen, WORÜBER du da schreibst und wen oder was du meinst, solltest du dich eventuell der traurigen Wahrheit stellen, dass du es vollkommen übertrieben hast und in einer Sackgasse gelandet bist… In diesem Fall mit deinem Wunsch, deine Texte zu 2500% vollkommen genderfrei zu halten.

Aber vielleicht ist die Dame auch einfach nur, was ihre Kolumnen auf Spiegel.de angeht, stinkend faul. Denn „antipatriarchalische“ Texte kann man ja auch wunderbar auf diverse Weisen verfassen, ohne die Grammatik und Verständlichkeit an die Wand zu fahren. Man muss aber dann über jeden der eigenen Sätze fünfmal nachdenken und das macht Arbeit und das sind die Einwegkolumnen auf Spiegel dann vielleicht auch einfach nicht wert. Wer weiß das schon so genau?


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Denn immerhin dachte ich im ersten Moment, sie schreibt in diesem hier verlinkten Text sehr ungekonnt über kleine Kinder oder Aliens – Tatsächlich aber über Erwachsene, über uns alle. Aber da dies so kaputtgegendert wurde, geht die bloße Verständlichkeit vollkommen flöten.

 

ZITAT SPIEGEL.DE:

-„Was wäre, wenn jedes einfach die anderen in Ruhe ließe? Dann könnten wir endlich alle glücklich sein. Ach, es wäre ein schönes Jahr 2022.“.

Androgyne Schreibweise hin oder her, wenn bestimmte Chraktere in Romanen aus bestimmten Gründen so reden, weil es thematisch oder einfach in den Kontext passt, dann akzeptiere auch ICH es, aber nicht in normalen, journalistischen und/oder Texten, in denen man Menschen etwas eindeutig und möglichst klar verständlich mitteilen will.

Aber gut, das ist halt DAS SIBYLLE BERG – Wie es mal jemand, wohl als halbe Beleidigung gemeint, ausdrückte: „Sibylle Berg ist der Michel Houllebecq unter den linken Autoren!“.

Stimme ich sogar zu, auch wenn ich den guten Michel im Gegensatz zu Frau Berg überhaupt nicht leiden kann… Rein ideologisch jedoch, was die eigene Vermarktung betrifft, das provozieren bestimmter Zielgruppen in der Öffentlichkeit und leider auch ein bisschen in der politischen Dickköpfigkeit, sind sich die beiden auf eine ganz bestimmte Art, recht ähnlich. Obwohl… Frau Berg würde sicher niemals auf die Idee kommen, aus einem Museum die Jacke einer berühmten Persönlichkeit zu klauen, wie es der verärgerte Franzose schon 2019 getan haben soll…

Neinnein, Frau Berg ist dann doch um einiges “zivilisierter” und auch menschenfreundlicher… Viel menschenfreundlicher.

Rein ideologisch jedoch… Hmm…

So verwundert es natürlich, wenn man dem zustimmt, auch nicht, dass in den neuen Büchern von Frau Berg selbstverständlich gegendert wird. Immerhin, also zumindest in „GRM“ nur die gut und flüssig lesbare „Binnen-I-Variante“, die man beim intensiven Lesen in der Tat kaum mitbekommt - Also von mir aus, dann gender halt als AUTORPERSON*, solange MICH als ENDVERBRAUCHENDES* dies nicht im Lesefluss stört. Dass Frau Berg überhaupt Binnen-I-gendert, ist mir auch erst irgendwo bei Seite 250 dieses Buches das erste mal aufgefallen, also wurde es handwerklich bestens verbaut, und gibt MIR keinen Grund, dem Buch deshalb gestalterisch Punktabzüge zu geben. Zumal DAS SIBYLLE BERG ja eine ohnehin sehr politische Autorin ist, es zudem an sich sehr gut ins Setting der Story passt UND man von jemandem wie ihr dies sogar regelrecht erwartet. Politisch motivierte Literatur kann meinetwegen gendern, so wie viel lustig ist, das ist nicht das grundsätzliche Problem.

Zum Problem wird es dann, wenn reine Unterhaltungsliteratur zum Politikum wird, weil sich die jeweiligen Autoren entweder gezwungen fühlen, das jetzt machen zu MÜSSEN… Entweder weil der Verlag dies unbedingt so will oder aber, weil die schreibenden Autoren sich unbedingt zur Erhörung der Verkaufszahlen ans Gendern dranhängen, weil man heutzutage ja jedem Trend hinterherrennen muss (Ohne selber wirklich daran zu glauben) und nicht zu vergessen, jene Autorenschaft, die reine Unterhaltung schreibt, die aus irgendeiner fehlgeleiteten Überzeugung gendern, obwohl es gar nicht in ihre Werke passt und dort auch gar nichts zu suchen haben sollte. UND diese sollte man auch nicht vergessen: Autoren, die schlicht Angst davor haben, wenn sie nicht gendern, dass sie dann von den richtig harten Fans dessen mit Shitstorms überzogen werden oder als „Rechts“ gelten oder oder oder… Die Probleme in der Literaturbranche sind dort sehr vielfältig und zahlenmäßig aktuell sehr groß vorhanden. Wer jedoch glaubt, dass dort nun also eine, wie manche Rechte behaupten „DIKTATUR DER GENDERFANS“ herrscht, irrt jedoch ebenfalls. Denn auch in der Literaturbranche tobt, wie auf Asocial Media oder in den Kommentarspalten von Spiegel und Co ein bisweilen hartnäckiger Grabenkampf. Derweil nicht selten ausgerechnet jene in die Schussbahnen beider Seiten geraden, die zwar selber gendern, aber jedoch auch der Meinung sind, dass alle anderen um sie herum doch einfach machen können, was sie wollen, weil Vielfältigkeit ist doch super!


-NEIN!!!11 schimpft die eine Seite: „IHR TYPEN SEID DOCH ALLES LINKSVERSIFFTE LANDESVERRÄTER!!!“.


-Nein1!!!! pöbelt die andere Seite: „WIR GENDERVORREITER_*INNEN MÜSSEN DIE WELT ÜBERZEUGEN! DIE LEUTE BEKEHREN UND DEN DUMMEN PÖBEL DURCH KONSEQUENTES ANWENDEN AN DEN RAND DRÄNGEN! ABER DANN GEFÄLLIGST MIT DEM UNTERSTRICH!!!“.


- Nein!!!!!!!!!!!!!!!! schreien die anderen: „Ihr Typen die sagen jeder könne alles machen dürfen, seid erstens Scharlatane und zweitens Schuld, dass unsere schöne Sprache zerstört wird!“.


Da ist EIN SIBYLLE BERG, mit ES Buch, welches „nur“ Binnen-I- gendert und dies sehr gut verbaut, ja schon regelrecht „Kleinbürgerlich“.


Oder um dieses Problem vereinfacht zusammenzufassen:

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Quelle: Perlentaucher.de

Aber dass ES BERG gendert, ist in diesem Buch aber auch gar nicht das große Problem, es ist an sich überhaupt kein Problem… Neinnein! Das, was diesem Buch sehr große Probleme bereitet, wie ich finde, ist eine ganz andere Sache.


Machen wir mal lieber weiter mit dem Roman.

 

 

 

 

 

 

 

 

Willkommen am Rande der Gesellschaft

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Don, Karen, Hannah und Peter leben am Anfang des Buches noch in, na sagen wir mal… „So halbwegs intakten Familien“. Immerhin, sie haben Eltern, sie haben teilweise auch Geschwister, sie haben ein Dach über dem Kopf. Die Eltern sind entweder berufstätig, so halbwegs oder es kommt Geld vom Staat rein und irgendwie kommt man dann schon um die Runden.

Anfangs, da „existieren“ sie alle in Rochedale, einem Loch irgendwo in England, in dem es außer Armut, Gewalt, Vandalismus, Drogen und GRIME, der namensgebenden Musikrichtung (Des Buches) nichts gibt. Man wartet auf gar nichts mehr, man hat auch nie auf etwas gewartet, weil alle, die dort leben, existieren, herumkrebsen, kiffen, fixen, saufen, rauchen, sich prügeln, klauen, herumlungern, langsam verschimmeln, ganz genau wissen, dass sich niemand für sie interessiert, sie nur stören und die Politik sie am liebsten Vorgestern, als heute einfach im Hochofen verbrennen würde. Dann könnte man dieses ganze arme Gesindel zumindest einmal in dessen lotteriger Existenzzeit zu etwas Produktiven gebrauchen. Aber so einfach ist das natürlich nicht und so wachsen also auch Don, Peter, Kran und Hannah zwischen, Sperrmüll, Gewalt, GRIME, Elend und Hoffnungslosigkeit dass jemand irgendwas besser werden KÖNNTE, auf.

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Grime: Regelmäßig tauchen neue “Stars” auf, verglühen wieder, kommen manchmal zurück, nur wenige bleiben, der Rest geht unter.


Die Vier, zu Beginn noch nicht, aber später Freunde… Sie haben allesamt etwas „freakiges“ an sich, das sie im Grunde noch weiter an den Rande der Gesellschaft buxiert. Peter ist Autist, Don irgendwie ein Mädchen, aber irgendwie auch nicht, sondern eher Trans, Hannah hat überliebevolle Eltern, was ihr ein überbordendes Ego beschert hat und Karen ist extrem intelligent, aber deshalb auch sehr neben der Spur, weil ihr Gehirn 24/7 wie ein überdrehter Quantencomputer arbeitet.

Derweil macht der neoliberalistische, rechtspopulistische Endzeitkapitalismus keine Pause: Menschen werden ausgebeutet, bezahlbarer Wohnraum wird von Investoren gefressen oder durch Prestige-Bauprojekte diverser Politiker, Investoren, Geschäftsleute, wasauchimmer entfernt, weil Teslafahrer und Penthousebesitzer einfach die bessere Wählerschicht sind. Die Armen, die Ausgestoßenen, sie sind wütend, sie sind immer wütend, sie geben aber, weil es eben ja sonst nichts bringt, denen die Schuld, welche noch weiter unter ihnen stehen: Ausländer, noch ärmere Menschen, Behinderte, Politiker und Parteien, die nicht dem eigenen Weltbild entsprechen, meistens die Linken oder einfach der Gesellschaft. Dann wählen diese hasserfüllten, ausgestoßenen, outgesourceten Wegwerfmenschen nicht selten die Rechten, weil diese ebenfalls alles hassen (oder es immerhin vorgeben,) was auch ihre Wählerklientel hasst. Weil die Rechten immerhin noch mit der Unterschicht reden und deren Wünsche kennen oder es immerhin halbwegs glaubhaft vorgeben können und arme Menschen ja meistens eh nicht sonderlich gut, na nennen wir es mal… „Informiert“ sind, lieber in ihren Informationsblasen leben und ohnehin nur glauben, was sie glauben wollen. Und wenn dann die Rechten, die Rechtspopulisten davon sprechen, dass das Land wieder mehr „National“ werden muss, „Ausländer die Arbeitsplätze klauen“ weg müssen, damit das eigene „Volk“ das Land wieder zu „Alter Stärke“ führt, ja dann hauen die meisten Einwegmenschen in ihren Elendsvierteln auf den Tisch, brüllen „Genau!!!“, wählen die Rechten, werden von ihnen belogen und betrogen, wie von allen anderen Parteien, aber geben die Schuld daran, auch weiterhin lieber anderen… Also Ausländern, noch Ärmeren, Behinderten, Frauen, Linken, allem halt, welches von den Rechten zum Feindbild taugt.

- Sie wissen schon, dieser endlose Kreislauf, das Übliche eben.


Dies ist die Welt, in der die Vier Freunde aufwachsen, bis auch in das Leben von jedem von ihnen selber, die „Kapitalistische Endzeitgewalt“ zuschlägt. Die Mutter des einen wird erschossen, der Vater wird depressiv, landet in einem Selbstmordforum und nimmt sich das Leben. Die Mutter des anderen hat keinen Bock mehr auf ihre Brut, heiratet einen reichen Russen und lässt ihr Kind einfach sitzen. Die Familie eines anderen stirbt nach und nach aus, mal durch religiösen Fanatismus, mal durch Krankheit oder durch Feuer. Derweil eine andere der Heldenfiguren seine Familie aufgrund exzessiver Gewalt- und Sauforgien freiwillig zurücklässt.

Letzten Endes, da sitzen die Vier, jeder aus anderen Gründen, mittellos auf der Straße.

Und weil das Leben, die Welt, die Menschen, einfach alles nichts als Gewalt, Sexsucht, Gnadenlosigkeit und Verachtung übrig hat, für sich, für andere und überhaupt, erleben Don, Hannah, Peter, Karen, jeder für sich, seine ganz eigene Hölle, aus Gewalt, sexueller Ausbeutung, Vergewaltigung, Drogen, Entführung und seelischem Missbrauch. Also nein, dieses Buch, dieser Roman ist in der Tat NICHTS FÜR SCHWACHE NERVEN UND IMMER WIEDER, SEHR OFT SOGAR, NUR SEHR SCHWER ERTRÄGLICH.

Aber damit bei all dem „Sozialhorror“ keine Eintönigkeit aufkommt, bevölkern noch sehr viele weitere Nebenfiguren diesen Roman, welche alle nicht nur pflichtgemäß mit einem kurzen „Bewertungsbogen“ vorgestellt werden, sondern auch gleich noch auf ihre kapitalistische Nutzbarkeit ausgeleuchtet werden:


Peters Mutter

Intelligenz: Geht so

Sexualität: Asexuell

Hobbys: Danielle-Steel-Hörbücher

Verwertbarkeit für die Märkte: Unterdurchschnittlich

Fitnesslevel: Schlecht, verkapselte TBC



Der Russe

Intelligenz: Ausgezeichnet

Aggressionspotential: Hoch

Ethnie: Weiß

Kreditwürdigkeit: Geht so

Nettovermögen: Nur noch 8 Mio.



Der Bodycam-Mann

Ethnie: Weiß

Politische Orientierung: Querulant

Sexuelle Orientierung: Asexuell

Freunde: Na ja



Roger

Gesundheitszustand: Bluthochdruck, Wasserphobie

Konsumverhalten: Nicht relevant

Sexualität: Keine

Politische Beeinflussbarkeit: Sehr empfänglich



oder auch



Jon

Charakter: Extrovertiert, leicht zu beeinflussen

Hobbys: Weint oft, um sich dabei zu beobachten

Krankheitsbild: Übersteigerter Narzissmus

Kaufinteressen: Weißbrot


Auch sie bekommen ihre berühmten Fünf Minuten, bevor sie meistens ebenfalls ein mal mehr, mal weniger grausiges Schicksal ereilt, weil die Welt sie nicht mehr braucht, weil sie selber nichts besser sind, als all die anderen Arschlöcher da draußen, weil der Kapitalismus sie nicht braucht, weil niemand sie braucht oder jemals nach ihnen gefragt hat und es auch niemals tun wird.

Manche von ihnen kommen ums Leben, manche verelenden einfach, ein paar werden aber auch ermordet, denn Karen, Peter, Don und Hannah haben mit ein paar von ihnen noch persönliche Rechnungen zu begleichen und finden mit der Zeit, spätestens, als sie in London stranden und auf andere Straßenkinder treffen, Verbündete. Derweil uns Sibylle Berg mit keinem noch so widerlichen, schlimmen, verstörenden Detail verschont und uns nebenbei regelrecht mit Fachwissen unter anderem über: Rechtspopulismus, künstliche KI`s, den Spätkapitalismus, diverse verrückte und kaputte Trends im und aus dem Internet, Robotik, der Finanzwelt und und und und zu Tode bombt. Jede Buchseite ist eine Panzerfaust der demotivierenden, sozialhorroristischen, menschenverachtenden und seelisch auf Dauer vollkommen überfordernden Unterhaltungskunst. Wer mehr als dreißig Seiten am Stück aushält, ohne vorher entweder vollkommen depressiv geworden zu sein, oder aufgrund des ununterbrochenen Inputs an Informationen geistig zusammenzubrechen, kann sich stolz auf die Schulter Klopfen.

Da alles sind jene Punkte, welche dieses Buch, diesen Roman so großartig machen und eben auch dazu führen, dass man gar nicht mitbekommt, dass Binnen-I gegendert wird. Weil das schiere Tempo und die Masse an Input, welcher einem um die Augen gehauen wird, einfach viel zu hoch ist, um noch auf irgendwelche Details zu achten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die “wunderschöne”, nationalistische, kapitalistische, ausländerfreie, rundumkontrollierte Gesellschaft von morgen

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Derweil Karen, Don, Peter und Hannah und die anderen Straßenkinder sich ihr kleines Refugium errichtet haben, verändert sich die Welt immer weiter, immer schneller, immer mehr und so gut wie gar nicht ins Positive. Es wird den Leuten als „Positiv“ und gut verkauft, aber ach! Der dumpfen Masse da draußen kann man EINFACH ALLES andrehen, was man will, man muss es nur gut vermarkten. Sogar die Todesstrafe KÖNNTE man wieder einführen, würde nur die Marketingkampange stimmen und die entsprechenden Politiker die passenden Worte wählen. Die Leute sind strohdumm, der Großteil zumindest. Versprich ihnen, dass sie, von was auch immer man einführen und verfestigen will, eigene Vorteile haben und sie rennen dir wie die ausgehungerten Tauben hinterher. Manipulation war noch nie so einfach, wie in den Zeiten der sogenannten „Sozialen Medien“, denn einfältige Vollidioten, die man hinsteuern kann wo auch immer man will, waren noch nie so einfach zu steuern.

Und der ganze Rest der Bevölkerung war noch nie so gleichgültig und mit dem abarbeiten von Überstunden, Onlineshopping, Seriengucken und dem Festhängen in der eigenen Interessenbubble beschäftigt wie heute.

Der Brexit, das Paradebeispiel von Manipulation und Lügen, von Hass und Hetze, von Machtspielen selbstverliebter, nationalistischen Elitearschlöchern, dummen, einfältigen Menschen auf der einen und vollkommen gleichgültigen Leuten (Die JETZT bereuen damals nicht zur Wahl gegangen zu sein, um DAGEGEN zu stimmen, weil sie damals dachten „Wen interessiert das schon?“) auf der anderen Seite… Spiegelt dies perfekt wider.


Im England von „GRM“ ist der Brexit aber schon bald nur noch eine bloße Erinnerung an etwas, das man hätte einfach nur viel besser vermarkten müssen. Denn die nationalistischen Eliten, allen voran Thome und sein Vater, ein altgedienter, weltverblendeter Rechtspopulist, wollen IHR GROßBRITANIEN wieder zurückholen auf die große Bühne, es wieder „GREAT AGAIN MACHEN“. Also Thomes Vater will das. Thome selber will lieber reicher, verwöhnter, beschränkter Sohn sein, der seiner heimlichen, aber unterdrückten Homosexualität, sowie diversen, nicht legalen, diabolisch-grausamen Spielchen über das Internet und in der echten Welt frönt.

Das Volk ist stumpf, das Volk ist dumm, das Volk kauft gerne nutzlosen Schrott, der aber ausgezeichnet vermarktet wurde, die Armen sind zwar ekelhaft, aber für Hasskampangen mehr als gut zu Gebrauchen, als Abschreckung sowieso und als Feindbilder dito, die fortschreitende Digitalisierung macht alles nur noch einfacher und Globalisierung, obwohl alles mit allem vernetzt ist, gehört abgeschafft (Naja zumindest auf dem Papier). Irgendwie passt das alles zwar nicht zusammen, aber who cares?! Rechtspopulismus kümmert sich nicht um Widersprüche oder Menschenrechte, oder soziale Verantwortung oder Umweltschutz oder das Klima oder Frauen oder Menschen (Frauen und Menschen werden bei vielen Rechten UND Linken ja ohnehin unterschieden) oder oder oder.

So plant Thomes Vater also seinen großen Coup, zusammen mit anderen, gesichtslosen, rechten Gestalten, deren Lebenstraum es ist, das „gute, alte Kolonial-England“ wieder zu errichten, weil „damals“ noch alles gut war, auch wenn keiner dieser Gestalten so genau sagen kann, warum eigentlich. Vermutlich einfach, weil es noch keine Ausländer im Land gab (Das ist zwar nicht wahr, aber wen kümmert das?) (Ja, eben… Niemanden!).

Grundpfeiler dieses Planes ist es, ein „Bedingungsloses Grundeinkommen“ einzuführen, natürlich nur für alle, die sich einen Chip, welcher sie runumüberwacht einpflanzen lassen. Danach aber… PROMISSING! Braucht ihr euch um nichts mehr Sorgen zu machen! Also außer um die eigenen Sozialpunkte! Deren Gewinn und Abzug durch bestimmte Verhaltensweisen natürlich von „Denen da Oben“ vorgegeben werden.

Und Typen wie „MI5-Piet“, sitzen an ihren Rechnern, an ihren Bildschirmwänden und lachen sich tot. Wie auch über die sehr kläglichen Versuche von „Den Hackern“, Freunden von Don, Peter, Hannah und Karen, welche glauben, sie könnten mit ihrem sehr begrenzten Wissen und Können etwas bewirken, das Internet lahmlegen, für Chaos sorgen… DIE LEUTE AUFWECKEN! - „MI5-Piet“, Mitarbeiter im Geheimdienst, kann darüber nur beherzt prusten und ihnen irgendwann einen deftigen Denkzettel verpassen.


Don, Karen, Peter und Hannah derweil, sie streifen durch das sich immer mehr in eine „Wohlfühldiktatur“ für alle, die sich perfekt angepasst haben und keine Fragen stellen verändernde-London, werden älter, verändern sich selber, (vor allem Don) und können über all den Wahnsinn um sich herum nur staunen.

Wie auch ich als Leser, weil ich bis heute nicht verstanden habe, wie mein Gehirn diese UNMENGEN an Informationen, Fachbegriffen, Fachwissen, Sozialhorror, Nebenfiguren, grausamen Humor und noch ganz anderen Kram, für den es vermutlich nicht einmal Namen gibt… Also ALL DAS ÜBERHAUPT VERARBEITEN KONNTE.

Dieses Buch zu lesen, fühlt sich an, wie einen Marathon durch alle SAW-Filme zu laufen und dabei jedes der Folterinstrumente selber einmal durchzuprobieren, derweil einem der Sawmörder höchstpersönlich alle jemals gedruckten Ausgaben des Brockhaus in aller Seelenruhe vorliest.

Dieses Buch will dich nicht unterhalten – Es will dich zerstören – Es will dein fucking Gehirn einschmelzen



Aber genau da liegt dann auch die größte, gestalterische Schwäche dieses Romans…








FAZIT

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Ein MEISTERWERK – Aber auch WAY TOO MUCH

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ZITAT DLF-KULTUR:

„Mehr als 600 Seiten umfasst ihr neuer Roman mit dem Titel „GRM – Brainfuck“, abgeleitet von Grime, dem rohen Musikstil in der Nachfolge des Punk. Es sind 600 Seiten einer Litanei, die einer Generalabrechnung mit der Gegenwart gleichkommt. Der Roman spielt in England, zunächst im wirtschaftlich abgedrifteten Rochdale, dann in London. Er umfasst rund zwei Jahrzehnte und führt über das Jahr 2019 hinaus, in eine Zeit, als „der Brexit nur noch Erinnerung war“. „


ZITAT DLF-KULTUR:

„Die apokalyptische Wucht, die dem Roman innewohnt, hält sich die Waage mit seiner emphatischen Barmherzigkeit. „GRM“ ist Attacke und Fürbitte in einem, so monströs wie zärtlich. Ein verschreckender Findling der Gegenwartsliteratur, an dem man nicht vorbeikommt. Und ein Roman, den man nicht ohne Erschütterung aus der Hand legt.“


Nun ist dieses „große Problem“ an diesem MONSTERROMAN, dass Frau Berg sich offensichtlich von vornherein vorgenommen hatte, ihre Leserschaft geistig, seelisch, emotional, wie auch in Sachen „Informationsverarbeitung“ so dermaßen zu überfordern, dass am Ende nur noch die Allerstärksten diese natürliche Selektion halbwegs heile überstanden haben werden. Denn neben den vier Hauptfiguren, den Hauptschurken, den Semi-Hauptfiguren, den Nebenfiguren, all den Schauplätzen, Informatikfachwissen, mal erfunden, mal real, sehr viel Science-Fiction die aber kaum noch von der Realität unterscheidbar ist, Popkultur, Pornografie-“Fachwissen“ und noch seeehhr viel mehr, lässt Sibylle Berg niemals Luft zum atmen, um mal zu verschnaufen. Wer dieses Buch liest, wird sich sehr schnell wie Charly Chaplin am Fließband fühlen, wird nicht mehr, kaum noch, gar nicht mehr hinterherkommen mit allendem, was die Autorin einem da um die Ohren haut, ohne Pause, ohne Unterlass, ohne Gnade, weil Gnade ist nur ein Wort, eine Metapher, im Endzeitkapitalismus ohnehin ein Straftatbestand, welchen keiner mehr, außer diesen paar noch vorhandenen Gutmenschen und LinksträumerInnen und ein paar Spinnern, auf die aber ja sowieso niemand mehr hört, jemals gehört hat.

Äh… Häh? Was? Wo? Wer? Weshalb? Um was ging es in dem Buch gleich nochmal? Und wer hat meine Stereoanlage geklaut?! Und wo ist meine Hose?! Und wer hat meinen Kühlschrank geplündert?


WAS IST HIER, WÄHREND ICH GELESEN HABE GOTTVERFICKTNOCHMAL PASSIERT?!


Sibylle Berg und ihr Buch wollen dich nicht überfordern, sie wollen dich zerstören, sie wollen dich am Boden liegen sehen, wie dein Gehirn als blutige, schwarze, verkohlte Masse aus allen Gesichtsöffnungen läuft. Und falls doch noch ein gewisser Prozentgrad an Wahrscheinlichkeit besteht, dass man diese schieren Unmengen an vollkommen schnodderig und gleichgültig aufgetischten Informationen, Story, Figuren, Sozialhorror und und und überleben KÖNNTE, ja dann legt sie einfach noch ein paar Tonnen an Kram mehr drauf!

Was dann auch irgendwo der Grund war, weshalb ICH das Buch, als ich es halb fertig gelesen hatte, beiseite gelegt und erst ein halbes Jahr später wieder angefasst habe, weil es einfach „Gereicht hat“.

Da in diesem Buch Überforderung das Programm, das Ziel ist und man gar nicht zum Luftholen kommen soll, so finde ich, wird dieser Findling von Roman irgendwann „redundant“, also alles wiederholt sich, man wird unaufmerksam, sucht regelrecht nach der Hauptstory, den Hauptfiguren und wird doch immer und immer wieder vom Wulst an „Alles anderem“ überrollt. Die brutalen, harten, gnadenlosen Darstellungen, Schilderungen und Thematiken geben dann noch den Rest dazu. Und so haben wir dann ein Buch, das zwar unfassbar informativ ist, sehr nahe an der Realität, unglaublich spannend… ect. Aber eben auch harte Arbeit ist, sehr harte Arbeit.

 

Dass Frau Berg sehr nahe an der Realität geschrieben hat, ist kaum von der Hand zu weisen, wie gerade erst wieder erwiesen:


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https://www.heise.de/news/China-genehmigt-keine-neuen-Videospiele-14-000-Firmen-stellen-Betrieb-ein-6318275.html


Wenn das das Ziel war, dann Herzlichen Glückwunsch! Es ist mehr als gelungen!


Aber nur leider finde ich, macht es das Buch natürlich irgendwo auch unattraktiv, nimmt es dem Buch dieses „Ich will das unbedingt zu Ende lesen, weil ich wissen will…“ und verursacht stattdessen ein „Okay! Das reicht mir! Ich habe genug! Ab damit in die hinterste Ecke vom Bücherregal!“.

Dazu kommt, dass man nebenbei erwähnt ja auch noch sehr deprimiert wird, zuweil den Glauben an die Menschheit verliert, wie auch alle Lebenshoffnung, weil vieles, was dort beschrieben wird, was dort passiert nachweislich alles andere als Fiktion oder immerhin sehr denkbar ist.

Somit ist „GRM“ also in der Tat ein sehr gutes, sehr einforderndes, jedoch auch sehr deprimierendes, negatives Buch, welches seine aufgeladene, aber vollkommen gleichgültig hochgezüchtete negative Energie beim Lesen auf jeder einzelnen Seite verteilt, wie ein Rasensprenger das ausgestoßene Wasser.


Und das kann sehr sehr anstrengend sein und dem Buch, wie ich finde, leider auch sehr viel nehmen.


Was jedoch Ansichtssache ist und in der Gesamtbewertung auch keine Punktabzüge einbringt.



Man sollte es bloß, als eine Art „Triggerwarnung“ einmal ausführlich erwähnt haben.




Es sei denn natürlich, man hat das „Brainfuck“ im Buchtitel irgendwie… übersehen.


Denn das „Brainfuck“, ja das steht da nicht umsonst.




Und einen Nachfolger, ja den gibt es auch schon:

image






Na das kann ja heiter werden.







Ich habe fertig und ich bin auch fertig.




Vielen Dank.




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Sibylle Berg

„GRM-Brainfuck“


Buch gebunden

Kiepenhauer & Witsch


Ersterscheinung 2019

Preis: Gebundenes Buch: 25,00€ - Taschenbuch 14,00€


PERSÖNLICHE NOTE: 1+++

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Letzter Akt in einer anderen Zukunft

 

Cayman und der Kameramann haben inzwischen mit ihrer Zeitmaschine, Zeit-und-Dimensionsmaschine, egal… Mit diesem Teil mit dem sie unterwegs sind, eine neue, laut den Metadaten halbwegs vielversprechende Realität, Zeit, wasauchimmer angesteuert und erscheinen sodann mitten auf einer mehrspurigen Straße mitten in der Innenstadt von… Öhm… Egal!

Als die beiden aussteigen, da begrüßt sie das wütende Gesicht des offenbar hier und jetzt herrschenden Diktators, welcher auf den Plakaten und Werbebildschirmen aber lieber „DER BESCHÜTZER“ genannt wird und mit ausgestrecktem Zeigefinger klarmacht, dass, laut Slogan: „KONSUM IST LEBEN! ARBEIT IST LEBEN! GEHORSAM IST SICHERHEIT!“…

Die autonom fahrenden Elektroautos stören sich nicht an der Zeitreise-Dingsbummskapsel mitten auf der Straße und fahren einfach drumherum. Höflich, auf die Sicherheit der Insassen und der Passanten bedacht.

Cayman und der Kameramann stehen, als sie beide ausgestiegen sind vor einer sehr langen Schlange von gleichgekleideten, gleichfrisierten, sehr müde und leicht verwahrlost-aussehenden Menschen…

Manche von ihnen haben Zelte neben sich stehen, weiter hinten in der Schlange schlafen auch gerade welche in ebendiesen, ein Kerl mit geschätztem Sechs-Tagebart kocht sich vor seinem Zelt derweil eine Suppe auf einem Campinggrill…

Die gleichaussehenden Menschen glotzen Cayman und den Kameramann an und umgekehrt…

Dann fragt Cayman: „Verzeihung, aber wir kommen von sehr weit her, weil wir auf der Suche sind! Nach kaufbaren Xbox-Spielekonsolen. Gibt es hier soetwas? Oder ist in dieser Welt das Zocken, wie in China verboten worden?“…

Zwei vollkommen gleichaussehende Männer sehen sich an, grinsen müde… Dann sagt der eine mit matter Stimme: „Nein, das Gaming wurde nicht verboten. Lootboxen sind sogar eine Form der Entlohnung. Aber was denkt ihr beiden denn wohl, für was wir hier anstehen?! Seit nun mehr als sechs verdammten Tagen!“…

Der zweite Mann antwortet: „Gestern Nacht sind zwei erfroren, da konnten wir zwei Plätze aufrücken!“…

Ein dritter Mann hinter den beiden anderen fügt noch hinzu: „Und nicht zu vergessen vorgestern, als das eine Taxi nen KI-Fehler hatte und drei weitere Leute umgefahren hat!“…

Da sagt der zweite Mann: „Wir kommen hier recht schnell voran. Nen Kumpel von uns, der wartet da wo er wohnt, schon seit vierzehn Tagen an immer noch derselben Stelle“…


Gerade als Cayman wieder zusammenbrechen will…


Da erscheint eine zweite Zeit-Raum-Whatever-Kapsel auf der Straße…

Aus dieser steigt Maurice Weber von der Gamestar aus…

Da ruft der Kameramann, mit einer abweisenden Handbewegung begleitet ihm zu: „Vergiss es! Hier sind alleine gestern Nacht oder so zwei Leute erfroren beim Warten! Das wird hier nichts! Egal ob PeEss oder Icksboxxe!“...

Daraufhin läuft Maurice rot an, stemmt die Hände an die Hüften, schaut sich erbost um und gibt, als ein autonomes Taxi an ihm vorbeifahren will, diesem einen Tritt in den vorderen Kotflügel…

Dann stampft er zurück zu seiner Kapsel, steigt ein, schlägt laut die Klappe zu und ist sodann wieder verschwunden…


Der Kameramann kratzt sich derweil am Kopf und meint zu Cayman: „Tja, also dann doch wie der Bob-Marley-Typ von den Gamingclerks es meinte? Bei Scalpern kaufen?“…

Cayman verdreht die Augen im Kopf und stöhnt: „Najagut… Geht ja nicht anders“…

Daraufhin springen auch die beiden wieder in ihre Kapsel und sind sodann ebenfalls wieder verschwunden…


Der zweite der angesprochenen Männer meint: „Ich finde sie hätten uns wenigsten fragen können, ob…“

Sofort bekommt er einen Stromschlag von seinem seit Geburt eingepflanzten Gedankenkontrollchip und liegt zappelnd am Boden, bis er schließlich Schaum vor dem Mund bekommt und scheinbar tot ist…

Der Hintermann und alle anderen rücken daraufhin einen auf und sagen im Chor: „Gott segne unseren großen Beschützer! Gott schütze unsere große, allwissende Regierung!“…

Was ihnen auf einen Schlag 30-Socialpoints, 5 Social-Lootboxen und 5% Rabatt auf seinen nächsten Einkauf einbringt.




Denken Sie mal darüber nach.




Ende



Sonntag, 16. Januar 2022

 

 
 
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Cayman liest> Michel Houellebecq> "Serotonin"> Ein seeehr langweiliger Roman

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Erster totlangweiliger Akt

 

Mit quietschenden Reifen macht der Ford Transit vom Kameramann vor der Praxis von Frau Dr. Berlinde Kirschbaum-Steinemann – Dipl. Psychologin und Triggerexpertin – halt...


Als der Kameramann ausgestiegen ist, läuft er schnell und schimpfend auf die Beifahrerseite, öffnet die Tür und holt einen an den Armen gefesselten, panisch wirkenden, ängstlich zusammenzuckenden Cayman heraus, lotst diesen zur Eingangstür und schiebt ihn, als dieser sich weigert, die Praxis zu betreten, mit ausgesprochenem Nachdruck hinein...

Die Sprechstundenhilfe weiß bereits, dass sie kommen und leitet sie gleich weiter in den Praxisraum von Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann, diese muss nur ganz kurz aufblicken, um zu sehen, was wieder mal das Problem ist: „So... So... So... Haben wir wieder mal jemanden kaputtgetriggert? Die üblichen Probleme?“

Der Kameramann parkt erst Cayman auf einen der beiden mit Kissen bedachten, hypermodernen Plastikschalenstühle und setzt sich dann selber: „Ja also... Also datt... Ich kann mir das gar nicht so richtig erklären Frau Doktor! Aber der Gute ist total außer sich! Schon seit Tagen! Also ich...“

In dem Augenblick, da bekommt Cayman wieder eine Triggerattacke, weil einer der Kugelschreiber im Stifteglas auf dem Schreibtisch ein altes Werbegeschenk von der CDU ist – Erneut erfasst Cayman eine vollkommen chaotische Mischung aus Wut, Panik, Ärger, Angst und dem Drang, das ganze auf Social Media mit Hasspostings zu übersehen, aber auch der Angst, dann selber gehasst zu werden, was ihn wiederum noch wütender macht, was ihm wiederum noch mehr Angst macht...

Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann aber, die grinst nur breit: „Ahjajajajajaaaa! Jaja, ich seh schon, da hat einer seine guten Vorsätze aber auch nicht lange durchgehalten, was? Ach, na dann wollen wir doch mal sehen“.

Dem zappelnden Cayman, der vom Kameramann auf seinem Stuhl festgehalten werden muss, zeigt sie eine Ansammlung von Fotos auf ihrem Tablett: Angela Merkel, Jens Spahn, Friedrich Merz, eine Landschaft mit Bergen und einem See in der Mitte, die Farbe Rot, eine graue Betonmauer mit blauem Himmel darüber, Mark Zuckerberg, das Coronavirus in 3D, ein Schwarzweißportrait von Julian Reichelt...

Als Cayman immer wilder und panischer und wütender und zappeliger wird, da nickt Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann nur und setzt sich wieder an ihren schneeweißen Schreibtisch: „Ach naja, also da habe ich aber schon weitaus schlimmere Fälle diese Woche erlebt, aber keine Sorge, das haben wir gleich“

Sie kramt in der Schublade und holt „Serotonin“ von Michel Houllenbeckquququ oder wie der sich schreibt heraus und sagt: „Na dann machen Sie mal seine Arme los, Herr Kameramann, den stellen wir ganz simpel und einfach ruhig“

Der Kameramann löst den Knoten des Seils und meint misstrauisch: „Na wenn Sie das so sagen“

Sofort darauf, wirft sie Cayman das Buch zu, der blickt kurz verwundert, dann aber sagt die Ärztin: „Nur zu, fangen Sie an zu lesen... Na los“

Immer noch misstrauisch, aber gehorsamst, wenn auch mit Mühe, tut Cayman, wie ihm befohlen wurde...


Erst, da wirkt er, als wäre auf einen Schlag alle überflüssige Energie aus ihm herausgewichen...

Dann, kommt es einem vor, als würde er immer müder werden...

Sofort darauf, gibt Cayman ein energieloses „öööhhh...“ von sich...

Seine Gesichtszüge entgleiten zu einem totmüden Ausdruck...

Dann kippt er mit dem Buch in den Händen nach vorne über, landet wie ein nasser Sack auf dem Boden und schläft.

 

Der Kameramann schaut Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann fassungslos an...

Die aber grinst nur und meint: „Der Schinken ist so unvorstellbar langweilig, nichtssagend und öde... DER SCHLÄFERT WIRKLICH JEDEN EIN... Geil oder?“

Der Kameramann, der den laut schnarchenden Cayman auf dem Boden beobachtet, lehnt sich geflasht zurück und meint: „Geile Sache Also datt muss man ja mal echt sagen!“.

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Cayman liest


Dieses Mal:


 

Michel Houellebecq


„Serotonin“















„Die Schlaftablette“
















It`s all about Marketing! Der Rest ist eigentlich vollkommen egal...



Michel Houellebecq besteht zu 50% aus Provokation seinerseits und zu 50% aus langweilig geschriebenen, aber immerhin inhaltlich sehr punktgenauen Romanen, die meistens, eigentlich immer, über den „Verfall der französischen“ aber auch der gesamten, europäischen Gesellschaft (BZW des „Abendlandes) handeln. Seine Bücher sind handwerklich an sich vollkommen solide, handlungsdramturgisch gerne mal absolut vergessenswert, aber thematisch immerhin sehr zeitgeistlich und aufgrund der Zeitlosigkeit dieser, immerhin sehr lange haltbar. „SEROTONIN“ ist von 2011 und es liest sich, als sei es erst gestern geschrieben worden, also passt.

Von der reinen Unterhaltungsqualität seiner Romane her, müsste, dürfte, sollte dieser Mann eigentlich irgendwo in den Verkaufscharts ziemlich weit unten herumtroudeln, jedoch weiß Houellebecq wirklich ausgesprochen gut, was als Autor, als Schreibarbeiter in der Literaturindustrie wirklich zählt. Und weil er das weiß, hat er eben genau dieses Handwerk mehr als perfektioniert:


DIE INSZENIERUNG SEINER SELBST – UND DAMIT DANN AUCH SEINER BÜCHER.


Denn wer als Autor auch nur halbwegs Erfolg haben will, der muss eigentlich quasi ununterbrochen als Schauspieler seiner selbst, als lebende Selbstvermarktungsmaschine durch die Welt schreiten, provozieren, auffallen, sich selber im Rampenlicht wälzen wie ein Wildschwein im Dreck, am besten gleich noch selber, eigenmächtig natürlich noch mehr Scheinwerfer aufstellen.

Ich durfte mal in einem Artikel, den ich dann leider in abgespeicherter Form verbaselt habe... Gut gemacht!... Lesen, dass es inzwischen Verlage gibt, welche sich kaum noch dafür interessieren, WAS du als Autor/Autorin überhaupt schreibst – ALLES WAS ZÄHLT, ist, dass du auf Social Media möglichst bereits in Eigenregie so viele Follower wie möglich angesammelt hast und auf Selfies, die du auch regelmäßig postest, möglichst gut aussiehst. Jener im Artikel dafür kritisierter Verlag hatte seine Mindestgrenze bei 5000 Followern auf Twitter angesetzt. Wer dieses Mindestkriterium nicht erfüllt, würde schon bereits beim allerersten Vorauswahlverfahren nicht weiter mit Aufmerksamkeit bedacht. Denn wichtig ist nicht das Buch an sich, sondern die Hackfresse dahinter, wie diese sich vermarkten lässt, oder sich noch viel viel besser: SELBER VERMARKTET. Egomanen, Selbstdarstellungsmaschinen wie Frank Schätzing beispielsweise, oder Social-Media-Profis wie Sebastian Fitzek wissen dies und haben dieses seit jeher lebenswichtige Handwerk eines jeden Schreibenden, der oder die davon leben will, für sich perfektioniert. Dein Roman kann noch so gut geschrieben sein, noch so genial sein, es ist egal, wenn weder dein Verlag, noch du selber die Teile an die Leute bringen können. Das Gesicht dahinter ist die entscheidende Quelle des Verkaufserfolges, nicht immer, das ist auch klar, es gibt auch immer wieder Ausnahmen, doch diese bestätigen meistens auch nichts anderes, als die Regel.


Ein Trend, der sich mittlerweile, so scheint es, mehr und mehr verschlimmert:




Doch die schnöde Wahrheit ist, dass es im Grunde schon immer war. Und nicht nur beim Schreiben, in eigentlich ALLES BEREICHEN der MARKTWIRTSCHAFT. Es werden nur immer wieder neue Arten dessen erfunden. Wirklich anders ist nur, dass es alles immer weniger kosten darf und diejenigen, welche den Kram am Ende produzieren, mehr und mehr die Angeschissenen sind. Was allerdings natürlich auch an der schier endlosen Fülle an Angeboten und nachrückenden Bewerbern liegt:

https://www.54books.de/erstmal-losbauen-bitte/

https://www.54books.de/es-zaehlt-nur-die-qualitaet-ueber-ein-fadenscheiniges-argument/#more-8902


Und um nun darüber wieder zu Michel Houellebecq zu kommen: GANZ GENAU eben diese Sache mit dem „Das Gesicht dahinter zählt, der Rest ist eigentlich egal“, ja die hat der giftige Franzose, der auch problemlos den Widersacher in einem James-Bond-Film oder im Batman-Remake den Pinguin spielen könnte, durchschaut und für sich selber perfektioniert. HOUELLEBECQ IST EINE EINZIGE, LEBENDE MARKETINGKAMPANGE AUF ZWEI BEINEN, EINE EIN-MANN-SHOW 24/7 LIVE ON STAGE - Was seine Bücher dann am Ende sind, kann egal sein, die Leute werden es aufgrund der vorangegangenen Show schon kaufen wie blöd:

Jüngstes Beispiel sein neuer, sehr seichter Roman (Habe ich bestellt, werde ich lesen) „VERNICHTUNG“.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/michel-houellebecq-vernichten-rezension-buchkritik-100.html


Oder, um es anders auszudrücken:

ZITAT DLF-KULTUR:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-kunstfigur-michel-houellebecq-man-kann-ihn-nur-aus-der-100.html

Frank Meyer: Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq ist ein politischer Idiot, ein Rechter, ein Reaktionär, ein Frauenverächter, ein Islamophober, ein öder Schriftsteller – das sagen die einen, die Houellebecq-Hasser. Es gibt wenige Gegenwartsautoren, die so starke Hassattacken auslösen können. Es gibt aber auch sehr viele, die Houellebecq begeistert lesen, die seine Bücher sehr schätzen.“


ZITAT DLF-KULTUR:

„Meyer: Wenn wir mal jetzt einen der Vorwürfe rausgreifen, quasi wahllos, Houellebecq sei ein Frauenverächter – was sagen Sie denn dazu?

Encke: Er hat natürlich immer mit dieser Rolle gespielt, auch als, auf Französisch würde man sagen: dragueur, also Frauen angemacht, auch die ihn interviewt haben. Es gibt so ein legendäres Interview, das war eigentlich eine Art Porträt, das die Journalistin Emily Eaken mal im Jahr 2000 über ihn geschrieben hat, wo sie ihn in Irland besucht hat und ihn völlig besoffen antraf und er dann auch gesagt hat, wollen Sie nicht in meinem erotischen Film mitspielen, und die hat das sehr ausgeweitet.

Ich glaube, sie hat damit auch so ein bisschen dieses öffentliche Bild sehr geprägt, und er hat immer alle Gelegenheiten genutzt, damit zu spielen. Ich glaube aber, aus seinen Büchern lässt sich das nicht herauslesen, und an die Bücher muss man sich am Ende halten. Er spielt dieses Spiel der Kunstfigur Houellebecq. Ich habe ihn selber auch nicht als Frauenverächter kennengelernt, sondern als …“


Und da man Menschen mit politischen Themen IMMER wunderbar auf die Palme bringen kann, auf egal welche Art und Weise, hat der gute Michel natürlich freie Bahn und kann sich den Luxus erlauben, aus seinem Broterwerb ein einziges Schauspiel, eine für ihn vermutlich einzige Comedyshow zu machen, die Menschen zum Narren zu halten und sich hinter tausend oder mehr Masken zu verstecken. Denn Menschen lieben Geheimnisse, Dinge die gerade so sichtbar im Nebel liegen, die Fragen aufwerfen, die gleichzeitig genau deswegen aber aus dem Raster fallen. Wenn Autohersteller mit minimalem Aufwand ein bestimmtes, neues Modell, das bald rauskommt interessant machen wollen, dann lassen sie ihre Prototypen in der Öffentlichkeit spazieren fahren, jedoch verstecken, verunstalten sie diese dann unter schwarzweißem Plastik, Klebefolie, Styropor. Das Ergebnis sind dann sogenannte „Erlkönige“, also obskure, sehr auffällige Gefährte, deren Aussehen man nur erahnen kann, und die gerade deswegen überhaupt erst Aufmerksamkeit erregen, weil sie sich von allen anderen Fahrzeugen auf den Straßen massivst absetzen. Es gibt Fotografen, welche nur mit dem Jagen solcher Autos ihren Lebensunterhalt verdienen und ihre Fotos teilweise handeln, wie mancher Promi seine NFTS. Und etwas anderes als das, macht der werte Herr Houellebecq an sich auch nicht: Er „ERLKÖNIGT“.

Zwar wird ihm immer wieder nachgesagt – Und er selber bestärkt dies auch allermeistens– ein Rechter zu sein (Er schreibt beispielsweise in seiner überteuert (24 EURO FÜR ALTE ZEITUNGSARTIKEL!) verkauften „Essaysammlung“ (Die an sich nur aus altem Kram besteht, den er für Zeitungen und Zeitschriften verfasst hat) „EIN BISSCHEN SCHLECHTER“, dass: ZITAT „Präsident Trump erscheint mir als einer der besten Präsidenten, die Amerika je hatte“), doch lässt er auch immer mal wieder die Rechten in einem ebenfalls nicht immer sonderlich guten Licht stehen - Meinen zumindest bestimmte Kritiker oder Autoren, wie jene Dame, welche ein Buch über ihn geschrieben hat:

ZITAT DLF-KULTUR:

Meyer: Man kann ja wahrscheinlich schon so argumentieren, dass man sagt, Houellebecq zieht hier ein Argument der Rechten groß, der Islam übernimmt die Macht hier bei uns, übernimmt die Macht in Frankreich. Er wurde ja deswegen auch als Reaktionär angegriffen. Es hieß in einer Kritik in Frankreich, jetzt seien die Argumente der extrem Rechten in die hohe Literatur eingedrungen. Das sehen Sie anders?

Encke: Man muss diesen Roman daraufhin dann aber noch mal lesen, weil das wurde jetzt so oft gesagt, dass sich das alle gemerkt haben. Die Rechten spielen in diesem Roman selber eine große Rolle und sehr zweifelhafte Rolle, nämlich die Bewegung der Identitären. Mit denen fängt es eigentlich an. Die sind auch Wendehälse und mischen sich unter die islamischen Führer dann irgendwann und nehmen sehr große Schlüsselpositionen ein. Worum es eigentlich geht ist um so eine Idee der Kollaboration.“

Jedoch kann man dabei aber auch problemlos behaupten, dass jene, welche dies behaupten, dass Houellebecq „gar kein Rechter“ wäre und „Die Rechten ebenfalls nicht immer in einem guten Licht dastehen lässt“, selber entweder dem rechten Spektrum angehören oder aber, wie man es dieser Dame hier vorwerfen könnte, die Realität aus diversen Gründen einfach nicht sehen zu wollen (Oder von Houellebecq mindestens beeinflusst worden zu sein, denn der gute Mann hat es nicht gerne, wenn die Leute ungefragt über ihn schreiben:)


ZITAT DLF-KULTUR:

„Houellebecqs Feindin Nummer eins

Nicht zum ersten Mal schüchtert Michel Houellebecq Journalisten auf diese Weise ein. Er misstraut ihnen, und sollten sie unaufgefordert über ihn schreiben wollen, setzt er alles daran, um das zu verhindern, weiß Denis Demonpion, Journalist beim Magazin „Le Nouvel Observateur“, der 2005 eine von Houellebecq nicht autorisierte Biographie veröffentlichte: „Houellebecq schickte mir zunächst seinen Verleger, der verlangte, dass sein Autor alles kontrollieren und sogar Fußnoten setzen darf, um zu sagen: ‚Das ist okay, das nicht.‘ Anschließend schickte er mir einen seiner engen Schriftstellerfreunde, der mich am Telefon verhörte. Und dann versuchte seine Frau, mir Informationen zu entlocken. Er selbst drohte schließlich damit, alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit mein Buch untergeht. Er gab vor, gerade an seiner Autobiographie zu schreiben, die meine Biographie in den Schatten stellen würde.““


Wie viel also die beschwichtigenden Aussagen von Frau Encke wert sind, kann jeder für sich selber ausmalen.


Letzten Endes, da kann man sagen, Michel Houellebecq weiß wie man dafür sorgt, dass das von ihm hergestellte Produkt dann auch von den Ladentischen und den Versandhäusern in die Einkaufstaschen und Buchregale der potentiellen Kunden kommt. DER MANN VERSTEHT SEIN HANDWERK – Welches aber augenscheinlich eher weniger an seinen schriftstellerischen Qualitäten liegt, sondern eher an seiner genauen Beobachtungsgabe und seinem Spaß an der öffentlichen Provokation.

ZITAT DLF-KULTUR:

„„Mit Ihnen rede ich nicht“, antwortete der Schriftsteller auf die Email von „Le Monde“-Journalistin Ariane Chemin, als sie ihn für ihre Sommerreihe „Die sechs Leben des Michel Houellebecq“ um ein Gespräch bat. Er kannte sie nicht, und dass sich ein Autor der Presse verweigert, ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Houellebecq jedoch ging noch einen, für die Journalistin überraschenden Schritt weiter, denn in Kopie setzte er von Bernard-Henri Lévy bis Michel Onfray rund 30 führende Intellektuelle, denen er ebenfalls den Mund verbieten wollte:

„Er hat sein gesamtes Umfeld, also Verleger, Freunde, Wissenschaftler, Schriftstellerkollegen, wichtige Medienvertreter und Philosophen dazu aufgefordert, mich nicht zu treffen und auch nicht zu zögern, mich zu verklagen, sollte ich etwas über sein Privatleben schreiben.“


Mit dem zu erwartenden Ergebnis:

ZITAT DLF-KULTUR:

„Houellebecq liebt das Spiel mit der Presse. Schauen Sie: Allein in diesem Sommer war er zwei Mal auf der Titelseite von ‚Le Monde‘, dazu kommen im Kulturteil sechs Doppelseiten und eine Serie im ‚Figaro Magazin‘ – er ist doch überall und ganz und gar nicht diskret, er ist kein Modiano!“


ZITAT DLF-KULTUR:

„Vielleicht ist der Streit mit „Le Monde“ eine Reaktion auf die vernichtende Kritik der Zeitung an seinem Roman „Unterwerfung“, in dem Houellebecq sich den Untergang der französischen Demokratie zu Gunsten eines islamischen Gottesstaates ausgemalt hatte. Houellebecqs Abrechnung mit Frankreichs linken Intellektuellen, von denen ihn viele lange Zeit niederschrieben oder ignorierten. Und so zelebriert und überwacht Michel Houellebecq seine Selbstinszenierung wie ein Superstar, zu dem er auch in seiner Heimat seit langem geworden ist.“

Quelle:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/frankreich-wie-michel-houellebecq-die-presse-gaengelt-100.html

Insofern: Die Presse und damit auch die Öffentlichkeit werden getriggert, er wird mit jeder Aktion bekannter und interessanter, womit er noch mehr Bücher verkauft.


Also: ALLES RICHTIG GEMACHT :P


Na und wenn das alles noch nicht reicht, dann klaut man halt einfach mal aus irgendeinem Museum eine Jacke – Denn der Phantasie, als verschnodderter Provo-Autor sind dabei ja schließlich überhaupt keine Grenzen gesetzt:




(Und vielleicht ist diese Jacke bei ihm sogar besser aufgehoben, als dort, von wo er sie „angeblich“ geklaut hat) 
 








Sehr gute Ideen, tolles Konzept...


Abseits aber davon, dass der Autor dieses hier nun rezensierten Buches also ein rechter, kontrollsüchtiger, herrischer, unsympathischer, brutalistischer, vielleicht auch kleptomanischer Kotzbrocken ist... Betrachten wir das Buch einfach mal aus seiner reinen, handwerklichen Sicht und lassen Michel Houellebecq mal Michel Houellebecq sein.


SERTONIN kam 2011 heraus, also zu der Zeit, als mal wieder, wie sooft in Frankreich, brodelte, die Gelbwesten zwar noch nicht erfunden waren, aber das Buch mit seinen Darstellungen dem bereits sehr nahe kam. Houellebecq weiß vermutlich besser über sein Land und Europa Bescheid, als die meisten Politiker und Medienhäuser es jemals könnten.

 

Das Buch selber derweil, übergießt sich erst einmal mit Eigenlob, wie es eben üblich ist:

„In SEROTONIN rechnet die Hauptfigur ab: Mit der modernen Gesellschaft, der Wirtschaft, der Politik – Und mit sich selbst“ --- Heißt es auf der Rückseite des Taschenbuches.


Abgerundet wird das ganze mit drei Belobigungszitaten von den für einen rechten, rechtspopulistischen Autor typischen Fanklientel:


Denis „Ich werde doch wohl noch Blackfacing machen dürfen“ Scheck.


Mara Delius, Redakteurin/Kritikerin bei der Springer-Fakenewsschleuder WELT.


Und... Man siehe und staune: JULIA ENCKE – Zitat: „Die Sprache darf man nicht vergessen, ist das eigentliche Ereignis bei Michel Houellebecq“ - Hat sich die Schleimerei also ausgezahlt, durfte die Dame deshalb ein solch ausführliches Portrait über Michel Houellebecq schreiben.


Die Sache mit, dass „Die Sprache das eigentliche Ereignis bei Michel Houellebecq“ ist, darauf kommen wir später noch einmal zurück.


Aber kümmern wir uns erst einmal um die VIER GROßEN WERBEVERSPRECHEN DES BUCHES:

-Abrechnung des Helden mit der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Politik.

-Ein Held, der beschließt sein Leben zu beenden.

-Ein revolutionäres, neues Antidepressivum, welches scheinbar ja einen wichtigen Teil der Story einnimmt.

-Der Held resümiert über die Liebe und dies so ernst und leidenschaftlich, wie noch nie.


Wir haben also ein schonungsloses „Abrechnen“ mit so ziemlich allem, eine schonungslose und sehr genaue Gegenwartsanalyse, einen Helden, welcher den maximal-radikalen Schritt geht UND ein Medikament, welches so dargestellt wird, als wenn es DER DREH- UND ANGELPUNKT der Story ist, also neben dem „Abrechnen mit allem“ und dem „Leben beenden“.

Ach ja! Und nicht zu vergessen, weil es dann am Ende DAS ist, was den allermeisten noch im Gedächtnis geblieben ist:


SEX MIT TIEREN!


Der Klappentext des Taschenbuches, fasst das so zusammen:

„Als der 46-jährige Protagonist von SEROTONIN.... …. …. Bilanz zieht, beschließt er, sich aus dem Leben zu verabschieden – eine Entscheidung, an der auch das revolutionäre, neue Antidepressivum Captorix nicht zu ändern vermag, das ihm in erster Linie seine Libido kostet. Alles löst er auf: Beziehung, Arbeitsverhältnis, Wohnung. Wann hat diese Gegenwart begonnen? In der Erinnerung an die Frauen seines Lebens und im Zusammentreffen mit einem alten Studienfreund, der als Landwirt in einem globalisierten Frankreich ums Überleben kämpft, erkennt er, wann und wo er selbst sich verraten hat.

Noch nie hat Michel Houellebecq so ernsthaft und voller Emotion über die Liebe geschrieben. Zugleich schildert er in SEROTONIN den Kampf und den drohenden Untergang eines klassischen Wirtschaftszweigs in unserer Zeit der Weltmärkte und der gesichtslosen EU-Bürokratie“.

Nun wirken ein Charakter, der nichts mehr zu verlieren hat, sich also vor nichts mehr fürchten muss, der sein Leben beenden will, in dem er Schritt für Schritt einfach alles auflöst, was er hat... Diese Art der politischen Kritik... Das „ernsthafte“ und „emotionale“ Schreiben über die Liebe... Sowie dieses mysteriöse Antidepressivum Captorix einzeln, wie auch zusammen sehr sehr spannend. Erwartungen werden da geschürt, beispielsweise, dass die böse EU, die böse linksliberale Regierung in Frankreich doch ganz bestimmt diese neue Medikament dazu benutzen wird, um nach und nach den nicht funktionstüchtigen, depressiven Teil der Bevölkerung zuzudröhnen, damit diese wieder für die Weltwirtschaft arbeiten können, wieder funktionieren, weil was ist besser, als medikamentös eingestellte Zombies? Ganz genau! Glückliche, medikamentös eingestellte Zombies. Derweil dem Helden das alles egal sein kann, weil er seine Entscheidung ja längst getroffen hat, über die EU und den Rest der Welt herzieht, über seine vergangenen Liebesbeziehungen nachdenkt und einfach mal RADIKAL (Natürlich aus Sicht des Autors) sagt, was seiner Meinung nach ist. Zumal der Held in diesem Roman selber einer dieser „gesichtslosen“ EU-Beamten, also ein Insider ist. Und so einer MUSS doch was spannendes zu sagen haben, oder? ODER?!


Da war MIR im ersten Moment vollkommen egal, ob der Autor nun ein Rechter ist oder nicht, ich fand diese Grundideen allesamt in einem Roman vereint, einfach superspannend.


Leider aber schmeißt der gute Michel all das mehr oder weniger entweder komplett über Bord, vergisst es die meiste Zeit oder aber, was ca. 90% des Buches ausmacht: Der Held schwurbelt und schwurbelt und schwurbelt ... Und NICHTS RELEVANTES PASSIERT... 10, 20, 30, 40 Seiten lang... Dann passiert doch mal kurz etwas halbwegs interessantes... Und dann schwurbelt und schwurbelt und schwurbelt der Held wieder, ist erfüllt von einer schmerzzersetzten Form der Nostalgie und versinkt, wie das gesamte Buch, in Selbstmitleidigkeit, sehr sachlicher Sprache und Melancholie.

Ach ja: Und immer mal wieder, da fallen schweinische, perverse Sexbegriffe, es gibt noch viel schweinischere Sexpraktiken in möglichst mikroskopischer und detailgetreuer Beschreibung... Ach ja! Und eine Japanerin hat Geschlechtsverkehr mit einem Hund... Oder waren es sogar zwei? Ich kann die Stelle leider gerade nicht mehr finden, weil der Klebezettel scheinbar rausgefallen ist...

So sieht Profiarbeit als Kritiker aus, meine Damen und Herren diverser oder eindeutiger Geschlechter! Tadaaa!


Jedenfalls...


Insofern haben wir in diesem Buch wirklich ALLES VERSAMMELT, was Intellektuelle, vor allem Journalisten, die gerne schlau wirken wollen, wenn sie dann darüber schreiben, lieben und gerne sehen wollen: Politik, harter Sex, irgendwas mit Liebe und Beziehungen, einen tragischen Helden, Frankreich und ganz wichtig! ZITATE VON ANDEREN, BERÜHMTEN AUTOREN, PHILOSOPHEN UND DENKERN. Da kribbeln bei den lesenden Journalisten aller politischen Coleur, wie auch bei den allermeisten Möchtegern-Intellektuellen die Gehirnwindungen. Ein bisschen wie bei Weinverkostungen, wo die Teilnehmer dann in ausgesprochen schicker Kleidung, an einem passenden Ort zusammenstehen, den Wein kosten, möglichst laute, professionelle Verkostungsgeräusche von sich geben und dann um die Wette schwurbeln, ob der Wein nun mehr einen „hölzernen, diffus ins erdig-abflauenden“ oder mehr einen „lebhaften, aber gleichermaßen süßlich-schroffen“ Abgang hat.

ICH für meinen Teil konnte mir ja von Anfang an denken, dass dieses Buch so aufgebaut sein wird, weil die allermeisten Bücher dieser thematischen Machart eben so aufgebaut sind. Und eben diese erwähnten, „kulturell wertvollen“ Momente, Zitate und Beschäftigungen mit der ein- und anderen Schriftsteller- und/oder Philosophenpersönlichkeit gehören neben ein paar anderen Höhepunkten in der Tat noch zu den netten Momenten in diesem Buch.

Doch leider besteht dieser Roman am Ende jedoch, vor allem aus zwei Dingen:


Mutlosigkeit und gestalterischem Desinteresse








...aber wirklich vollkommen lieblos umgesetzt


Der Held des Romans ist 46 Jahre alt, er ist ein weißer, überpriviligierter Mann, der als Beamter im Landwirtschaftsministerium arbeitet, also beim „Feind“, er fährt einen Mercedes SUV, er hat keinerlei Geldsorgen, er hat eine Freundin (Nämlich die besagte Japanerin) und auch sonst ist eines seiner größten Alltagsprobleme, dass es immer weniger Hotels in Frankreich gibt, in denen man auf den Zimmern noch ungestört rauchen kann. Nebenbei, und das ist dann auch das große Problem und Auslöser der gesamten Romanhandlung: Der Held ist ebenfalls familiär bedingt mit einer massiven Schwermütigkeit belegt. Denn auch schon seine Eltern sind nicht auf natürliche Weise aus dem Leben geschieden. Deren Selbstmord ist im übrigen eine der wenigen Szenen, welche sich bei mir eingebrannt haben bei diesem Buch.

Obwohl dem Helden es also an rein gar nichts mangelt, empfindet er sein Leben jedoch als vollkommen sinnentleert und nicht mehr weiter verfolgbar – Drücken wir es mal so aus – Er hasst seine japanische Freundin, die in der Tat unausstehlich ist, er hasst seine Arbeit, welche nicht nur unglaublich langweilig ist, sondern auch immer mehr von ihm hinterfragt wird und auch sonst gibt ihm die Welt nichts mehr, was sie noch sonderlich lebenswert machen würde. Die Gesellschaft, die Politik, die EU, die Globalisierung vor allem, der Niedergang der guten alten Dinge, der guten alten Zeit, als Männer noch echte Männer waren beispielsweise, als noch gutgelaunte Landwirte REGIONAL die Bevölkerung mit guten Landwirtschaftsprodukten beliefert haben, die Milch NICHT ganz aus Spanien angekarrt wurde, derweil die inländischen Milchbauern kaum noch über die Ruden kommen... Ezetterra Pepe... All das und noch viel mehr, zerren am Lebenswillen des Helden.

Gleichzeitig ist es nicht sonderlich schwer, in diesem Themenaufbau den typischen Baukasten des Rechtspopulismus zu erkennen. Hat man alles schon tausendmal gesehen und tausendmal gehört oder gelesen. Im Fernsehen, im Radio, im Internet und nicht nur bei den Rechten, sondern auch bei Privatsendern und den öffentlich Rechtlichen. Dass Globalisierung und Gesellschaftsumbrüche, der Kapitalismus und die Digitalisierung nicht nur positive Folgen haben, das ist bekannt und auch richtig, diese zu benennen und zu kritisieren, wie auch deren verantwortliche Akteuere.

Aber sollte man in solchen Fällen nicht vergessen, vor allem bei so einem Autor wie Houellebecq, eventuell bestimmte Ziele dahinterstecken, politische Ziele - Denn speziell rechte Akteure die lesen solche Dinge sehr gerne, hauen dann wahlweise auf den Tisch, die Sofalehne oder aufs eigene Knie und rufen „Jawoll! SO ISSES! ENDLICH SAGT DAS MAL EINER!“ und fühlen sich bestätigt - ZIELGRUPPENORIENTIERUNG nennt sich der ganze Zauber – Und der gute Michel hat die Bedürfnisse seiner Klientel sehr sehr gut angepasst, damit sie garantiert auch das bekommen, was sie glücklich macht – Jedoch entschärft genug, damit auch der Rest der Bevölkerung, die vielleicht nicht unbedingt die größte „Heimatlandverbundenheit“ zutage tragen, angesprochen werden.

Nun gibt es aber ja, in dieser globalisierten Welt im Roman, in der der Held immer weniger klarkommt, in der immer weniger Menschen hinterherkommen, leiden und deshalb depressiv werden, immerhin ein Hilfsmittel, damit sie wieder funktionieren, zumindest bruttosozialproduktionstechnisch:


CAPTORIX


Es macht zwar impotent, aber glücklich!


Nun wäre eben dieses Medikament EINE SUPER GRUNDLAGE für die spannendsten Dinge, welche in diesem Roman passieren KÖNNTEN!

Doch Houellebecq verballert diese große Chance, die auf der Hand liegt, aber mal so richtig! Denn CAPTORIX wird überhaupt das erste mal in diesem Roman erst AUF SEITE 89 ERWÄHNT.

Danach vergisst Houellebecq seine dramaturgische Wunderwaffe gleich wieder... Erst lange Zeit später, bei Seite 149 fällt es dem Autor scheinbar wieder ein... „Huch! Da war ja was!“ und Captorix darf mal wieder kurz erwähnt werden.

Danach kommt das Zeugs noch ab und an mal nebenbei vor, aber wirklich etwas spannendes, macht Houellebecq nie damit. Und außer dem Helden scheint auch sonst niemand dieses „Revolutionäre neue Antidepressivum“ zu nehmen, jedenfalls hat es eigentlich keinerlei Grund, warum es überhaupt im Roman existiert. Captorix könnte auch einfach irgendein echtes Medikament sein und der Held von sich aus impotent geworden sein, es würde keinen Unterschied machen. Vermutlich war von Houellebecq mal geplant, dass Captorix eine wichtige Rolle im Roman spielt, aber dann passte das ganze nicht mit seiner Zielgruppenorientierung zusammen oder der Lektor oder der Verlag haben gemeckert und dann wurde das alte Konzept über den Haufen geworfen. ODER aber, Houellebecq hielt das ganze anfangs für DIE ROMANIDEE! Aber dann merkte er schnell, dass das alles so nichts werden wird und hat es deshalb verworfen. Captorix wirkt in all dem ganzen Geschehen, so extrem selten und unrelevant, wie es am Ende vorkommt, vollkommen deplatziert und wie ein einst für etwas Großes eingeplantes Asset, welches aber dann der schnöden Realität der zielgruppengerechten Anpassung geopfert wurde.


Oder um es kurz auszudrücken: Hier wurde eine gigantische Chance leichtfertig vertan.


Und nachdem wir also „Die schonungslose Abrechnung mit der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft“ schon tausendmal gesehen und gelesen haben und das „Revolutionären Antidepressivum“ im Nichts versandet.

Bleiben ja also immerhin noch Houellebecqs Ausführungen über DIE LIEBE („ernsthaft und voller Emotion“), sowie das Vorhaben des Helden, sich aus allem, was er hat, was ihn ausmacht und umgibt, zu verabschieden und sein Leben zu beenden, als spannende Storybauteile.

Und nun ja, sagen wir mal so... Der Held redet sehr viel über die Frauen an seine Seite, sehr sehr viel. Das meiste davon ist nett, immer mal wieder auch in der Tat lebensweise oder immerhin klug, sehr gerne, immer mal wieder sehr pervers und ansonsten aber durchgehend belanglos, wie der Großteil des Buches und der Ausführungen des Helden über so ziemlich alles. Man kann sich zugegebenermaßen in den Erinnerungen des Helden über seine Lebensbegleiterinnen verlieren, und hier und da sind deren Vergangenheit und Ansichten auch durchaus interessant... Doch letzten Endes zerläuft auch hier alles zu einer nicht enden wollenden, konturlosen Masse.

„Das ist in den Büchern von Haruki Murakami aber auch!“ - Würden manche jetzt sagen. Und sie hätten Recht, auch Murakami verwendet diese Standardbausteine: Männer und Frauen, perverse Sexpraktiken, möglichst ausführliche Beschreibungen dieser und sehr viel metaphorische, an sich aber nichtssagende Schwurbelpassagen, in denen jeder Mensch für sich seine ganz eigenen Ansichten und Deutungen hineinlegen und sich somit dann fühlen kann, als hätten SIE oder ER oder PERSON als einziges die wahren Absichten und Gedanken des Autors herausgefunden. Jedoch mit dem Unterschied, dass Murakami immerhin so halbwegs in der Lage ist, das ganze Drumherum, also die Rahmenhandlung spannend oder zumindest abwechslungsreich zu gestalten. Was hier, in SEROTONIN leider nicht der Fall ist.

Denn der Held, er reist umher, trifft irgendwelche Leute, meistens alte Lieben, alte Bekannte und deren Mitmenschen, stellt fest, dass die moderne Welt sich immer weiter von den Menschen entfremdet oder umgekehrt oder beides auf einmal, jammert über diverse Gebrechen und stellt noch mehr fest, dass die moderne Welt immer fremder und schneller und unerträglicher für ihre Bewohner wird und dass das alles an sich ja wirklich sehr sehr schlimm ist, aber was will man denn schon machen?

So ist HOMO FABER vom MAX FRISCH auch aufgebaut und bis heute liebstes Folterinstrument vieler Deutschlehrer in ganz Deutschland, sowie bestes Argument dafür, als Schüler danach nie wieder ein Buch in die Hand zu nehmen, WEIL LESEN UND LITERATUR ABSOLUT SCHEIßE SIND!

Warum also als werter Herr Houellebecq nicht daran anknüpfen und mit dem selben Baukastenprinzip einfach eine politisch etwas kritischere Variante zusammenklatschen?.

 

Doch halt! Ein bisschen mehr Action wird einem in „SEROTONIN“ dann doch geboten.


Denn immerhin... Moment, ich muss kurz in meine Notizen gucken... AB SEITE 247 geht endlich mal richtig die Action ab!

Denn der ehemalige Studienfreund, also der Typ, der als Landwirt ums Überleben kämpft und einige andere ebenfalls wütende Landwirte haben die Schnauzen voll und vollführen ihren Aufstand, mit einer gewalttätigen Demo. Bei der sogar EIN RAKETENWERFER ZUM EINSATZ KOMMT! Aber auch nur, damit einer der Landwirte damit eines seiner eigenen, auf der Straße geparkten Fahrzeuge in die Luft jagen kann...


WATT?!


Also ich weiß ja, dass Franzosen gerne Fahrzeuge anzünden, das ist ja nichts neues... ABER EIN RAKETENWERFER?! - Also wenn schon, dann aber so überzogen, dass es komplett ins satirische Übergeht. Dachte sich Michel Houellebecq wohl, als ihm diese Passage aus dem Oberstübchen entsprang.

Weil das aber noch nicht reicht, setzt der psychisch kaputte Studienfreund dann noch einen drauf und pustet sich die Rübe weg. Das alles wird natürlich vor laufenden, sensationsgeilen Kameras vollführt, der Held ist sehr geschockt über all das, jedoch haben die Medien und die Öffentlichkeit das alles aber schon bald vergessen, die grausamen Bilder werden mehr oder weniger beschlagnahmt und die böse Globalisierung, wie auch der Held an sich, machen da weiter, wo sie zuletzt gestört wurden.


Sprich, der Roman geht in den belanglosen Dröhmelmodus zurück und denkt nicht einmal mehr daran, sich von dort wieder zu erheben.

Das passiert dann bis kurz vor Ende – Und erst die letzten beiden Seiten BZW. das Ende an sich entschädigen zumindest einigermaßen für all die erlittene Langeweile.


„SEROTONIN“ zu lesen wurde sehr schnell und blieb es auch – Zu harter Fleißarbeit und irgendwann dann – Beinahe unerträglich öde – Öder als es die Schullektüre von HOMO FABER jemals gewesen ist – Zumindest in meiner Erinnerung.








FAZIT


 

Die beste Einschlafhilfe, die ich jemals in Buchform hatte



Also JA: Ich war sehr gespannt auf dieses Buch von Michel Houellebecq, es war immerhin mein erstes von ihm und Rückseite, wie auch Klappentext versprechen ja nicht gerade wenig. Dass dies vermutlich zu einem nicht ungeringen Teil werbetechnische Übertreibung sein wird... Geschenkt! Doch bei Houellebecq, einem Typen, dessen Tagwerk es ist, zu provozieren, ist das, was DIESER Roman immerhin am Ende geworden ist, der reinste Hohn.


Mutloser, ideenloser und seelenloser als dieses Buch, war noch kein anderes Literaturwerk jemals in meinen Händen. Es dann doch durchzulesen war sehr sehr zähe Arbeit, da konnten dann auch die sehr perversen Bezeichnungen, Beschreibungen und Schilderungen des Helden im sexuellen Bereich nichts mehr daran ändern.

Immer mal wieder, da flammte dann aber doch mein Interesse auf, wenn auf einmal der „wahre Houellebecq“, der „Rechte Triggermeister“ durchflammte und mal auf den Ökos herumhackte, mal über Frauen herzog, mal schwulenfeindlich war, mal ausländerfeindliche Bemerkungen machte oder einfach der dann zugegeben halt doch sehr kluge Literat war, den man halt irgendwo dann doch erwartet. Aber leider blieb der gute Michel nie lange in diesem Buch auf der Bühne, sondern zog den dunkelgrauen Vorhang der exzessiven Langeweile sehr schnell wieder zu und lies stattdessen seinen uninteressanten, jöseligen Helden weiter seine nicht enden wollenden Monologe und Rückblenden halten. Wer also von Michel Houellebecq nicht getriggert, sondern eingeschläfert werden möchte, sollte zugreifen.

Das so sehr in den Mittelpunkt gerückte Medikament CAPTORIX ist nur eine ausgesprochen blasse Randerscheinung und wird für rein gar nichts eigentlich verwendet. Was wirklich sehr sehr schade ist, denn in den fähigen Händen eines so dermaßen wuterfüllten Rechtspopu-Autors wie Houellebecq, HÄTTE daraus DAS HAUPTELEMENT in diesem Roman werden können. Aber vermutlich wäre es dann zu sehr in Richtung „Satire“ gegangen und das hätte dann Arbeit gemacht oder irgendwie so.

Dieses Buch war und ist die beste Einschlafhilfe, die ich jemals in Händen gehalten habe und vielleicht auch halten werde, sollte nicht so irgendjemand mit seinem Buch wiederum diesen Zustand noch unterbieten.

Wenn dann endlich mal „Action“ oder immerhin etwas relevantes passiert, dann ist es eigentlich immer entweder viel zu überzogen oder wenig später auch schon wieder vorbei und es geht weiter mit den nächsten 10, 20, 30, 40, 50 Seiten Belanglosigkeit und pervertiertem Sexgedönse, das wohl auch nur drinne ist, weil die Zielgruppe dies sinngemäß so erwartet hat.


Dieses Buch ist wahrlich eine Enttäuschung für mich.


Im Sinne der reinen Unterhaltung, egal ob jetzt im in positiver oder in negativer Form, war „Munin oder das Chaos im Kopf“ von Monika Maron um Welten spannender und interessanter, wenn auch handwerklich sehr schlampig ausgeführt und in seinen rechtspopulistischen Botschaften, welche es einem vermitteln wollte, sehr plump und stellenweise sogar richtig peinlich - „Rechtspopucringe“ also.

Bei SEROTONIN ist es nun also genau andersherum: Handwerklich ist es an sich absolut perfekt, geradezu durchnormiert, exakt nach EU-Normierungsstandards, aber dafür so unterhaltsam und interessant, wie einer frisch gestrichenen Wand beim Trocknen in Echtzeit zuzusehen.

Qualitativ kann man Houellebecq zwar keine Vorwürfe machen, das nun wirklich nicht, gestalterisch und dramaturgisch aber schon – Denn das Buch besteht aus Mut- und Ideenlosigkeit, vertanen Chancen, ignorierten Möglichkeiten und Lustlosigkeit in Sachen Storytelling.

Denn so sehr wie Autor und seine Romanfigur auch auf die EU, die globalisierte, durchnormierte Welt und das Beamtentum schimpfen, so sehr fahren sie genau in eben dieser seelenlosen Schiene.

Wo wir final noch einmal zu Frau Encke kommen, welche auf der Rückseite des Buches ihrem geliebten Starautor ja attestiert, dass: „Die Sprache, das darf man nicht vergessen, ist das eigentliche Ereignis bei Michel Houellebecq“ - Wie sie darauf kommt, welche vielleicht illegalen Substanzen man schlucken muss, um dies denken zu können, ich wüsste es gerne. Denn der Held, er drückt sich den gesamten Roman über sehr gewählt, sehr emotionslos, geradezu DIN-Normiert aus. Es sei denn, er redet über weibliche Geschlechtsteile oder Sex. Was dann irgendwie auch nicht wirklich zusammenpasst, wenn ein Kerl, der eben noch wie ein eingeschläferter Finanzbeamter redet, dann auf einmal, aus dem Nichts mit den übelsten Sexausdrücken und -Bildern um sich wirft.

Wie die werte Frau Encke also darauf kommt... Tjoa... Ich weiß es nicht.

Aber vermutlich muss man nur verblendet BZW „verliebt“ genug in eine bestimmte Person sein oder einfach in deren Ideologie so dermaßen aufgehen, dass man über solche Probleme einfach mal hinwegsehen oder sie sogar gleich vollkommen anders auslegen kann, als sie tatsächlich sind.


Hoffen wir einfach mal, dass „VERNICHTUNG“ auf irgend eine Art besser ist, wobei ja alle Zeichen eher auf dem Gegenteil liegen. Jedoch ist selbst Houellebecq selber dieses mal immerhin ehrlich und wirbt geradezu damit, dass sein neustes Werk eher „leicht“ daherkommt.

Und hoffentlich kommt kein Deutschlehrer jemals auf die Idee, SEROTONIN seinen Schülern als Lektüre vorzulegen.

Immerhin aber, da existiert DIESER EINE SATZ in diesem Buch, welcher nicht nur sehr interessant ist, sondern auf eine unfreiwillige Art und Weise auch sehr weit seiner Zeit voraus war:

Denn auf Seite 90, da finden wir folgendes, sehr unterhaltsames Zitat:


„Ein Reptil empfindet keinerlei Bindung für andere Reptilien; Echsen vertrauen anderen Echsen nicht.“



Aber erzähl das mal dem Wendler, den Proud Boys oder Donald Trump oder all den anderen Kaputten da draußen.








Ich habe fertig.





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Michel Houellebecq

„Serotonin“


Taschenbuch

Dumont


Ersterscheinung 2011

Preis: 12,00€


PERSÖNLICHE NOTE: 5++

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Letzter, noch viiiiiel langweiligerer Akt


Der wie im Koma schlafende Cayman sitzt inzwischen halbwegs aufrecht auf dem modernistischen Sofa im Praxisraum von Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann, während der Kameramann die Trage fertig vorbereitet...


Dann heben sie Cayman, der von alldem nach mehr als zwanzig gelesenen Seiten von SEROTONIN nichts mehr mitbekommt in seinem Tiefschlaf, auf die Trage, fixieren ihn, halbwegs sicher mit Panzertape fest und schaffen ihn nach draußen und in den Laderaum des Ford Transits vom Kameramann...

Während Cayman, mit dem Buch in Händen selig und zufrieden schläft und vor sich hinsabbert, weil sich vor lauter unerträglicher Langeweile sämtliche Gesichtsmuskeln vollkommen entspannt haben, kratzt sich der Kameramann am Kopf und fragt: „Ja also... Das ist ja fast schon beunruhigend effektiv. Was ist denn, wenn der nun gar nicht mehr aufwacht?“

Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann aber beruhigt: „Neinnein mein Lieber... Der kommt schon wieder zu sich. Denn ein Houellebecq-Storytellingkoma dauert in der Regel nie länger als ein paar Stunden. Danach aber, sind die damit Behandelten aber noch tagelang ausgesprochen untriggerbar und gleichgültig, weil diese unverhältnismäßig hohe Langeweile die Gehirnwindungen so dermaßen betäubt“

Der Kameramann blickt zu Cayman und staunt: „Ein Meilenstein der psychologischen Behandlung also!“

Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann schüttelt belustigt den Kopf: „Wohl eher das Werk eines Autors, der auf Heißluftniveau hantiert. Große Klappe, hochgehyped aber nichts dahinter, wenn es dann darauf ankommt“

Darauf schließt der Kameramann bedächtig die beiden Hecktüren und nickt: „Dann fahre ich das komatöse Nervenbündel also jetzt nach Hause, lege ihn platzsparend irgendwo ab und jedes mal, wenn er wieder mal von egal was getriggert wurde, gebe ich ihm einfach dieses Buch zum lesen... Alles klar“

Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann hebt daraufhin mahnend den Zeigefinger: „Aber jedoch bitte NIEMALS auf die Idee kommen, aus dem Buch vorzulesen! Denn der letzte Patient von mir, der das getan hat, der leidet noch heute unter exzessiver Gleichgültigkeit und völligem Desinteresse an einfach allem“

Der Kameramann blickt kurz nachdenklich ins Leere und sagt dann: „Na also das ist ja...“


Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann sagt: „..wirklich vollkommen uninteressant. Ich weiß“


Daraufhin sagt der Kameramann: „Ja in der Tat. Aber jetzt müssen wir diesen Beitrag hier aber noch irgendwie einigermaßen sauber zum Ende bringen... Und mir fällt grad nichts passendes ein.“

Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann lächelt und antwortet: „Na dann improvisieren wir eben“

Kurz denkt der Kameramann nach und sagt dann: „Tja also... Wie wäre es mit diesem hier: Zwei Clowns essen einen Kannibalen, sagt der eine zu dem anderen... Also ich weiß echt nicht, was du hast! Der schmeckt doch gar nicht komisch!“.

Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann blickt den Kameramann an, nickt und sagt zufrieden: „Na also! Das reicht doch vollkommen aus“


Der Kameramann antwortet: „Ja, in der Tat. Und das ist nun wirklich bedauerlich“





DENKEN SIE MAL DARÜBER NACH.

 

 

 

 

 



ENDE