-------------------------------------------------------------------
Erster totlangweiliger Akt
Mit quietschenden Reifen macht der Ford Transit vom Kameramann vor der Praxis von Frau Dr. Berlinde Kirschbaum-Steinemann – Dipl. Psychologin und Triggerexpertin – halt...
Als der Kameramann ausgestiegen ist, läuft er schnell und schimpfend auf die Beifahrerseite, öffnet die Tür und holt einen an den Armen gefesselten, panisch wirkenden, ängstlich zusammenzuckenden Cayman heraus, lotst diesen zur Eingangstür und schiebt ihn, als dieser sich weigert, die Praxis zu betreten, mit ausgesprochenem Nachdruck hinein...
Die Sprechstundenhilfe weiß bereits, dass sie kommen und leitet sie gleich weiter in den Praxisraum von Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann, diese muss nur ganz kurz aufblicken, um zu sehen, was wieder mal das Problem ist: „So... So... So... Haben wir wieder mal jemanden kaputtgetriggert? Die üblichen Probleme?“
Der Kameramann parkt erst Cayman auf einen der beiden mit Kissen bedachten, hypermodernen Plastikschalenstühle und setzt sich dann selber: „Ja also... Also datt... Ich kann mir das gar nicht so richtig erklären Frau Doktor! Aber der Gute ist total außer sich! Schon seit Tagen! Also ich...“
In dem Augenblick, da bekommt Cayman wieder eine Triggerattacke, weil einer der Kugelschreiber im Stifteglas auf dem Schreibtisch ein altes Werbegeschenk von der CDU ist – Erneut erfasst Cayman eine vollkommen chaotische Mischung aus Wut, Panik, Ärger, Angst und dem Drang, das ganze auf Social Media mit Hasspostings zu übersehen, aber auch der Angst, dann selber gehasst zu werden, was ihn wiederum noch wütender macht, was ihm wiederum noch mehr Angst macht...
Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann aber, die grinst nur breit: „Ahjajajajajaaaa! Jaja, ich seh schon, da hat einer seine guten Vorsätze aber auch nicht lange durchgehalten, was? Ach, na dann wollen wir doch mal sehen“.
Dem zappelnden Cayman, der vom Kameramann auf seinem Stuhl festgehalten werden muss, zeigt sie eine Ansammlung von Fotos auf ihrem Tablett: Angela Merkel, Jens Spahn, Friedrich Merz, eine Landschaft mit Bergen und einem See in der Mitte, die Farbe Rot, eine graue Betonmauer mit blauem Himmel darüber, Mark Zuckerberg, das Coronavirus in 3D, ein Schwarzweißportrait von Julian Reichelt...
Als Cayman immer wilder und panischer und wütender und zappeliger wird, da nickt Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann nur und setzt sich wieder an ihren schneeweißen Schreibtisch: „Ach naja, also da habe ich aber schon weitaus schlimmere Fälle diese Woche erlebt, aber keine Sorge, das haben wir gleich“
Sie kramt in der Schublade und holt „Serotonin“ von Michel Houllenbeckquququ oder wie der sich schreibt heraus und sagt: „Na dann machen Sie mal seine Arme los, Herr Kameramann, den stellen wir ganz simpel und einfach ruhig“
Der Kameramann löst den Knoten des Seils und meint misstrauisch: „Na wenn Sie das so sagen“
Sofort darauf, wirft sie Cayman das Buch zu, der blickt kurz verwundert, dann aber sagt die Ärztin: „Nur zu, fangen Sie an zu lesen... Na los“
Immer noch misstrauisch, aber gehorsamst, wenn auch mit Mühe, tut Cayman, wie ihm befohlen wurde...
Erst, da wirkt er, als wäre auf einen Schlag alle überflüssige Energie aus ihm herausgewichen...
Dann, kommt es einem vor, als würde er immer müder werden...
Sofort darauf, gibt Cayman ein energieloses „öööhhh...“ von sich...
Seine Gesichtszüge entgleiten zu einem totmüden Ausdruck...
Dann kippt er mit dem Buch in den Händen nach vorne über, landet wie ein nasser Sack auf dem Boden und schläft.
Der Kameramann schaut Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann fassungslos an...
Die aber grinst nur und meint: „Der Schinken ist so unvorstellbar langweilig, nichtssagend und öde... DER SCHLÄFERT WIRKLICH JEDEN EIN... Geil oder?“
Der Kameramann, der den laut schnarchenden Cayman auf dem Boden beobachtet, lehnt sich geflasht zurück und meint: „Geile Sache Also datt muss man ja mal echt sagen!“.
—————————————————————————
Cayman liest
Dieses Mal:
Michel Houellebecq
„Serotonin“
„Die Schlaftablette“
It`s all about Marketing! Der Rest ist eigentlich vollkommen egal...
Michel Houellebecq besteht zu 50% aus Provokation seinerseits und zu 50% aus langweilig geschriebenen, aber immerhin inhaltlich sehr punktgenauen Romanen, die meistens, eigentlich immer, über den „Verfall der französischen“ aber auch der gesamten, europäischen Gesellschaft (BZW des „Abendlandes) handeln. Seine Bücher sind handwerklich an sich vollkommen solide, handlungsdramturgisch gerne mal absolut vergessenswert, aber thematisch immerhin sehr zeitgeistlich und aufgrund der Zeitlosigkeit dieser, immerhin sehr lange haltbar. „SEROTONIN“ ist von 2011 und es liest sich, als sei es erst gestern geschrieben worden, also passt.
Von der reinen Unterhaltungsqualität seiner Romane her, müsste, dürfte, sollte dieser Mann eigentlich irgendwo in den Verkaufscharts ziemlich weit unten herumtroudeln, jedoch weiß Houellebecq wirklich ausgesprochen gut, was als Autor, als Schreibarbeiter in der Literaturindustrie wirklich zählt. Und weil er das weiß, hat er eben genau dieses Handwerk mehr als perfektioniert:
DIE INSZENIERUNG SEINER SELBST – UND DAMIT DANN AUCH SEINER BÜCHER.
Denn wer als Autor auch nur halbwegs Erfolg haben will, der muss eigentlich quasi ununterbrochen als Schauspieler seiner selbst, als lebende Selbstvermarktungsmaschine durch die Welt schreiten, provozieren, auffallen, sich selber im Rampenlicht wälzen wie ein Wildschwein im Dreck, am besten gleich noch selber, eigenmächtig natürlich noch mehr Scheinwerfer aufstellen.
Ich durfte mal in einem Artikel, den ich dann leider in abgespeicherter Form verbaselt habe... Gut gemacht!... Lesen, dass es inzwischen Verlage gibt, welche sich kaum noch dafür interessieren, WAS du als Autor/Autorin überhaupt schreibst – ALLES WAS ZÄHLT, ist, dass du auf Social Media möglichst bereits in Eigenregie so viele Follower wie möglich angesammelt hast und auf Selfies, die du auch regelmäßig postest, möglichst gut aussiehst. Jener im Artikel dafür kritisierter Verlag hatte seine Mindestgrenze bei 5000 Followern auf Twitter angesetzt. Wer dieses Mindestkriterium nicht erfüllt, würde schon bereits beim allerersten Vorauswahlverfahren nicht weiter mit Aufmerksamkeit bedacht. Denn wichtig ist nicht das Buch an sich, sondern die Hackfresse dahinter, wie diese sich vermarkten lässt, oder sich noch viel viel besser: SELBER VERMARKTET. Egomanen, Selbstdarstellungsmaschinen wie Frank Schätzing beispielsweise, oder Social-Media-Profis wie Sebastian Fitzek wissen dies und haben dieses seit jeher lebenswichtige Handwerk eines jeden Schreibenden, der oder die davon leben will, für sich perfektioniert. Dein Roman kann noch so gut geschrieben sein, noch so genial sein, es ist egal, wenn weder dein Verlag, noch du selber die Teile an die Leute bringen können. Das Gesicht dahinter ist die entscheidende Quelle des Verkaufserfolges, nicht immer, das ist auch klar, es gibt auch immer wieder Ausnahmen, doch diese bestätigen meistens auch nichts anderes, als die Regel.
Ein Trend, der sich mittlerweile, so scheint es, mehr und mehr verschlimmert:
Doch die schnöde Wahrheit ist, dass es im Grunde schon immer war. Und nicht nur beim Schreiben, in eigentlich ALLES BEREICHEN der MARKTWIRTSCHAFT. Es werden nur immer wieder neue Arten dessen erfunden. Wirklich anders ist nur, dass es alles immer weniger kosten darf und diejenigen, welche den Kram am Ende produzieren, mehr und mehr die Angeschissenen sind. Was allerdings natürlich auch an der schier endlosen Fülle an Angeboten und nachrückenden Bewerbern liegt:
https://www.54books.de/erstmal-losbauen-bitte/
https://www.54books.de/es-zaehlt-nur-die-qualitaet-ueber-ein-fadenscheiniges-argument/#more-8902
Und um nun darüber wieder zu Michel Houellebecq zu kommen: GANZ GENAU eben diese Sache mit dem „Das Gesicht dahinter zählt, der Rest ist eigentlich egal“, ja die hat der giftige Franzose, der auch problemlos den Widersacher in einem James-Bond-Film oder im Batman-Remake den Pinguin spielen könnte, durchschaut und für sich selber perfektioniert. HOUELLEBECQ IST EINE EINZIGE, LEBENDE MARKETINGKAMPANGE AUF ZWEI BEINEN, EINE EIN-MANN-SHOW 24/7 LIVE ON STAGE - Was seine Bücher dann am Ende sind, kann egal sein, die Leute werden es aufgrund der vorangegangenen Show schon kaufen wie blöd:
Jüngstes Beispiel sein neuer, sehr seichter Roman (Habe ich bestellt, werde ich lesen) „VERNICHTUNG“.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/michel-houellebecq-vernichten-rezension-buchkritik-100.html
Oder, um es anders auszudrücken:
ZITAT DLF-KULTUR:
„Frank Meyer: Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq ist ein politischer Idiot, ein Rechter, ein Reaktionär, ein Frauenverächter, ein Islamophober, ein öder Schriftsteller – das sagen die einen, die Houellebecq-Hasser. Es gibt wenige Gegenwartsautoren, die so starke Hassattacken auslösen können. Es gibt aber auch sehr viele, die Houellebecq begeistert lesen, die seine Bücher sehr schätzen.“
ZITAT DLF-KULTUR:
„Meyer: Wenn wir mal jetzt einen der Vorwürfe rausgreifen, quasi wahllos, Houellebecq sei ein Frauenverächter – was sagen Sie denn dazu?
Encke: Er hat natürlich immer mit dieser Rolle gespielt, auch als, auf Französisch würde man sagen: dragueur, also Frauen angemacht, auch die ihn interviewt haben. Es gibt so ein legendäres Interview, das war eigentlich eine Art Porträt, das die Journalistin Emily Eaken mal im Jahr 2000 über ihn geschrieben hat, wo sie ihn in Irland besucht hat und ihn völlig besoffen antraf und er dann auch gesagt hat, wollen Sie nicht in meinem erotischen Film mitspielen, und die hat das sehr ausgeweitet.
Ich glaube, sie hat damit auch so ein bisschen dieses öffentliche Bild sehr geprägt, und er hat immer alle Gelegenheiten genutzt, damit zu spielen. Ich glaube aber, aus seinen Büchern lässt sich das nicht herauslesen, und an die Bücher muss man sich am Ende halten. Er spielt dieses Spiel der Kunstfigur Houellebecq. Ich habe ihn selber auch nicht als Frauenverächter kennengelernt, sondern als …“
Und da man Menschen mit politischen Themen IMMER wunderbar auf die Palme bringen kann, auf egal welche Art und Weise, hat der gute Michel natürlich freie Bahn und kann sich den Luxus erlauben, aus seinem Broterwerb ein einziges Schauspiel, eine für ihn vermutlich einzige Comedyshow zu machen, die Menschen zum Narren zu halten und sich hinter tausend oder mehr Masken zu verstecken. Denn Menschen lieben Geheimnisse, Dinge die gerade so sichtbar im Nebel liegen, die Fragen aufwerfen, die gleichzeitig genau deswegen aber aus dem Raster fallen. Wenn Autohersteller mit minimalem Aufwand ein bestimmtes, neues Modell, das bald rauskommt interessant machen wollen, dann lassen sie ihre Prototypen in der Öffentlichkeit spazieren fahren, jedoch verstecken, verunstalten sie diese dann unter schwarzweißem Plastik, Klebefolie, Styropor. Das Ergebnis sind dann sogenannte „Erlkönige“, also obskure, sehr auffällige Gefährte, deren Aussehen man nur erahnen kann, und die gerade deswegen überhaupt erst Aufmerksamkeit erregen, weil sie sich von allen anderen Fahrzeugen auf den Straßen massivst absetzen. Es gibt Fotografen, welche nur mit dem Jagen solcher Autos ihren Lebensunterhalt verdienen und ihre Fotos teilweise handeln, wie mancher Promi seine NFTS. Und etwas anderes als das, macht der werte Herr Houellebecq an sich auch nicht: Er „ERLKÖNIGT“.
Zwar wird ihm immer wieder nachgesagt – Und er selber bestärkt dies auch allermeistens– ein Rechter zu sein (Er schreibt beispielsweise in seiner überteuert (24 EURO FÜR ALTE ZEITUNGSARTIKEL!) verkauften „Essaysammlung“ (Die an sich nur aus altem Kram besteht, den er für Zeitungen und Zeitschriften verfasst hat) „EIN BISSCHEN SCHLECHTER“, dass: ZITAT „Präsident Trump erscheint mir als einer der besten Präsidenten, die Amerika je hatte“), doch lässt er auch immer mal wieder die Rechten in einem ebenfalls nicht immer sonderlich guten Licht stehen - Meinen zumindest bestimmte Kritiker oder Autoren, wie jene Dame, welche ein Buch über ihn geschrieben hat:
ZITAT DLF-KULTUR:
„Meyer: Man kann ja wahrscheinlich schon so argumentieren, dass man sagt, Houellebecq zieht hier ein Argument der Rechten groß, der Islam übernimmt die Macht hier bei uns, übernimmt die Macht in Frankreich. Er wurde ja deswegen auch als Reaktionär angegriffen. Es hieß in einer Kritik in Frankreich, jetzt seien die Argumente der extrem Rechten in die hohe Literatur eingedrungen. Das sehen Sie anders?
Encke: Man muss diesen Roman daraufhin dann aber noch mal lesen, weil das wurde jetzt so oft gesagt, dass sich das alle gemerkt haben. Die Rechten spielen in diesem Roman selber eine große Rolle und sehr zweifelhafte Rolle, nämlich die Bewegung der Identitären. Mit denen fängt es eigentlich an. Die sind auch Wendehälse und mischen sich unter die islamischen Führer dann irgendwann und nehmen sehr große Schlüsselpositionen ein. Worum es eigentlich geht ist um so eine Idee der Kollaboration.“
Jedoch kann man dabei aber auch problemlos behaupten, dass jene, welche dies behaupten, dass Houellebecq „gar kein Rechter“ wäre und „Die Rechten ebenfalls nicht immer in einem guten Licht dastehen lässt“, selber entweder dem rechten Spektrum angehören oder aber, wie man es dieser Dame hier vorwerfen könnte, die Realität aus diversen Gründen einfach nicht sehen zu wollen (Oder von Houellebecq mindestens beeinflusst worden zu sein, denn der gute Mann hat es nicht gerne, wenn die Leute ungefragt über ihn schreiben:)
ZITAT DLF-KULTUR:
„Houellebecqs Feindin Nummer eins
Nicht zum ersten Mal schüchtert Michel Houellebecq Journalisten auf diese Weise ein. Er misstraut ihnen, und sollten sie unaufgefordert über ihn schreiben wollen, setzt er alles daran, um das zu verhindern, weiß Denis Demonpion, Journalist beim Magazin „Le Nouvel Observateur“, der 2005 eine von Houellebecq nicht autorisierte Biographie veröffentlichte: „Houellebecq schickte mir zunächst seinen Verleger, der verlangte, dass sein Autor alles kontrollieren und sogar Fußnoten setzen darf, um zu sagen: ‚Das ist okay, das nicht.‘ Anschließend schickte er mir einen seiner engen Schriftstellerfreunde, der mich am Telefon verhörte. Und dann versuchte seine Frau, mir Informationen zu entlocken. Er selbst drohte schließlich damit, alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit mein Buch untergeht. Er gab vor, gerade an seiner Autobiographie zu schreiben, die meine Biographie in den Schatten stellen würde.““
Wie viel also die beschwichtigenden Aussagen von Frau Encke wert sind, kann jeder für sich selber ausmalen.
Letzten Endes, da kann man sagen, Michel Houellebecq weiß wie man dafür sorgt, dass das von ihm hergestellte Produkt dann auch von den Ladentischen und den Versandhäusern in die Einkaufstaschen und Buchregale der potentiellen Kunden kommt. DER MANN VERSTEHT SEIN HANDWERK – Welches aber augenscheinlich eher weniger an seinen schriftstellerischen Qualitäten liegt, sondern eher an seiner genauen Beobachtungsgabe und seinem Spaß an der öffentlichen Provokation.
ZITAT DLF-KULTUR:
„„Mit Ihnen rede ich
nicht“, antwortete der Schriftsteller auf die Email von „Le
Monde“-Journalistin Ariane Chemin, als sie ihn für ihre
Sommerreihe „Die sechs Leben des Michel Houellebecq“ um ein
Gespräch bat. Er kannte sie nicht, und dass sich ein Autor der
Presse verweigert, ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Houellebecq
jedoch ging noch einen, für die Journalistin überraschenden Schritt
weiter, denn in Kopie setzte er von Bernard-Henri Lévy bis Michel
Onfray rund 30 führende Intellektuelle, denen er ebenfalls den Mund
verbieten wollte:
„Er hat sein
gesamtes Umfeld, also Verleger, Freunde, Wissenschaftler,
Schriftstellerkollegen, wichtige Medienvertreter und Philosophen dazu
aufgefordert, mich nicht zu treffen und auch nicht zu zögern, mich
zu verklagen, sollte ich etwas über sein Privatleben schreiben.“
Mit dem zu erwartenden Ergebnis:
ZITAT DLF-KULTUR:
„Houellebecq liebt das Spiel mit der Presse. Schauen Sie: Allein in diesem Sommer war er zwei Mal auf der Titelseite von ‚Le Monde‘, dazu kommen im Kulturteil sechs Doppelseiten und eine Serie im ‚Figaro Magazin‘ – er ist doch überall und ganz und gar nicht diskret, er ist kein Modiano!“
ZITAT DLF-KULTUR:
„Vielleicht ist der Streit mit „Le Monde“ eine Reaktion auf die vernichtende Kritik der Zeitung an seinem Roman „Unterwerfung“, in dem Houellebecq sich den Untergang der französischen Demokratie zu Gunsten eines islamischen Gottesstaates ausgemalt hatte. Houellebecqs Abrechnung mit Frankreichs linken Intellektuellen, von denen ihn viele lange Zeit niederschrieben oder ignorierten. Und so zelebriert und überwacht Michel Houellebecq seine Selbstinszenierung wie ein Superstar, zu dem er auch in seiner Heimat seit langem geworden ist.“
Quelle:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/frankreich-wie-michel-houellebecq-die-presse-gaengelt-100.html
Insofern: Die Presse und damit auch die Öffentlichkeit werden getriggert, er wird mit jeder Aktion bekannter und interessanter, womit er noch mehr Bücher verkauft.
Also: ALLES RICHTIG GEMACHT :P
Na und wenn das alles noch nicht reicht, dann klaut man halt einfach mal aus irgendeinem Museum eine Jacke – Denn der Phantasie, als verschnodderter Provo-Autor sind dabei ja schließlich überhaupt keine Grenzen gesetzt:
Sehr gute Ideen, tolles Konzept...
Abseits aber davon, dass der Autor dieses hier nun rezensierten Buches also ein rechter, kontrollsüchtiger, herrischer, unsympathischer, brutalistischer, vielleicht auch kleptomanischer Kotzbrocken ist... Betrachten wir das Buch einfach mal aus seiner reinen, handwerklichen Sicht und lassen Michel Houellebecq mal Michel Houellebecq sein.
SERTONIN kam 2011 heraus, also zu der Zeit, als mal wieder, wie sooft in Frankreich, brodelte, die Gelbwesten zwar noch nicht erfunden waren, aber das Buch mit seinen Darstellungen dem bereits sehr nahe kam. Houellebecq weiß vermutlich besser über sein Land und Europa Bescheid, als die meisten Politiker und Medienhäuser es jemals könnten.
Das Buch selber derweil, übergießt sich erst einmal mit Eigenlob, wie es eben üblich ist:
„In SEROTONIN rechnet die Hauptfigur ab: Mit der modernen Gesellschaft, der Wirtschaft, der Politik – Und mit sich selbst“ --- Heißt es auf der Rückseite des Taschenbuches.
Abgerundet wird das ganze mit drei Belobigungszitaten von den für einen rechten, rechtspopulistischen Autor typischen Fanklientel:
Denis „Ich werde doch wohl noch Blackfacing machen dürfen“ Scheck.
Mara Delius, Redakteurin/Kritikerin bei der Springer-Fakenewsschleuder WELT.
Und... Man siehe und staune: JULIA ENCKE – Zitat: „Die Sprache darf man nicht vergessen, ist das eigentliche Ereignis bei Michel Houellebecq“ - Hat sich die Schleimerei also ausgezahlt, durfte die Dame deshalb ein solch ausführliches Portrait über Michel Houellebecq schreiben.
Die Sache mit, dass „Die Sprache das eigentliche Ereignis bei Michel Houellebecq“ ist, darauf kommen wir später noch einmal zurück.
Aber kümmern wir uns erst einmal um die VIER GROßEN WERBEVERSPRECHEN DES BUCHES:
-Abrechnung des Helden mit der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Politik.
-Ein Held, der beschließt sein Leben zu beenden.
-Ein revolutionäres, neues Antidepressivum, welches scheinbar ja einen wichtigen Teil der Story einnimmt.
-Der Held resümiert über die Liebe und dies so ernst und leidenschaftlich, wie noch nie.
Wir haben also ein schonungsloses „Abrechnen“ mit so ziemlich allem, eine schonungslose und sehr genaue Gegenwartsanalyse, einen Helden, welcher den maximal-radikalen Schritt geht UND ein Medikament, welches so dargestellt wird, als wenn es DER DREH- UND ANGELPUNKT der Story ist, also neben dem „Abrechnen mit allem“ und dem „Leben beenden“.
Ach ja! Und nicht zu vergessen, weil es dann am Ende DAS ist, was den allermeisten noch im Gedächtnis geblieben ist:
SEX MIT TIEREN!
Der Klappentext des Taschenbuches, fasst das so zusammen:
„Als der 46-jährige Protagonist von SEROTONIN.... …. …. Bilanz zieht, beschließt er, sich aus dem Leben zu verabschieden – eine Entscheidung, an der auch das revolutionäre, neue Antidepressivum Captorix nicht zu ändern vermag, das ihm in erster Linie seine Libido kostet. Alles löst er auf: Beziehung, Arbeitsverhältnis, Wohnung. Wann hat diese Gegenwart begonnen? In der Erinnerung an die Frauen seines Lebens und im Zusammentreffen mit einem alten Studienfreund, der als Landwirt in einem globalisierten Frankreich ums Überleben kämpft, erkennt er, wann und wo er selbst sich verraten hat.
Noch nie hat Michel Houellebecq so ernsthaft und voller Emotion über die Liebe geschrieben. Zugleich schildert er in SEROTONIN den Kampf und den drohenden Untergang eines klassischen Wirtschaftszweigs in unserer Zeit der Weltmärkte und der gesichtslosen EU-Bürokratie“.
Nun wirken ein Charakter, der nichts mehr zu verlieren hat, sich also vor nichts mehr fürchten muss, der sein Leben beenden will, in dem er Schritt für Schritt einfach alles auflöst, was er hat... Diese Art der politischen Kritik... Das „ernsthafte“ und „emotionale“ Schreiben über die Liebe... Sowie dieses mysteriöse Antidepressivum Captorix einzeln, wie auch zusammen sehr sehr spannend. Erwartungen werden da geschürt, beispielsweise, dass die böse EU, die böse linksliberale Regierung in Frankreich doch ganz bestimmt diese neue Medikament dazu benutzen wird, um nach und nach den nicht funktionstüchtigen, depressiven Teil der Bevölkerung zuzudröhnen, damit diese wieder für die Weltwirtschaft arbeiten können, wieder funktionieren, weil was ist besser, als medikamentös eingestellte Zombies? Ganz genau! Glückliche, medikamentös eingestellte Zombies. Derweil dem Helden das alles egal sein kann, weil er seine Entscheidung ja längst getroffen hat, über die EU und den Rest der Welt herzieht, über seine vergangenen Liebesbeziehungen nachdenkt und einfach mal RADIKAL (Natürlich aus Sicht des Autors) sagt, was seiner Meinung nach ist. Zumal der Held in diesem Roman selber einer dieser „gesichtslosen“ EU-Beamten, also ein Insider ist. Und so einer MUSS doch was spannendes zu sagen haben, oder? ODER?!
Da war MIR im ersten Moment vollkommen egal, ob der Autor nun ein Rechter ist oder nicht, ich fand diese Grundideen allesamt in einem Roman vereint, einfach superspannend.
Leider aber schmeißt der gute Michel all das mehr oder weniger entweder komplett über Bord, vergisst es die meiste Zeit oder aber, was ca. 90% des Buches ausmacht: Der Held schwurbelt und schwurbelt und schwurbelt ... Und NICHTS RELEVANTES PASSIERT... 10, 20, 30, 40 Seiten lang... Dann passiert doch mal kurz etwas halbwegs interessantes... Und dann schwurbelt und schwurbelt und schwurbelt der Held wieder, ist erfüllt von einer schmerzzersetzten Form der Nostalgie und versinkt, wie das gesamte Buch, in Selbstmitleidigkeit, sehr sachlicher Sprache und Melancholie.
Ach ja: Und immer mal wieder, da fallen schweinische, perverse Sexbegriffe, es gibt noch viel schweinischere Sexpraktiken in möglichst mikroskopischer und detailgetreuer Beschreibung... Ach ja! Und eine Japanerin hat Geschlechtsverkehr mit einem Hund... Oder waren es sogar zwei? Ich kann die Stelle leider gerade nicht mehr finden, weil der Klebezettel scheinbar rausgefallen ist...
So sieht Profiarbeit als Kritiker aus, meine Damen und Herren diverser oder eindeutiger Geschlechter! Tadaaa!
Jedenfalls...
Insofern haben wir in diesem Buch wirklich ALLES VERSAMMELT, was Intellektuelle, vor allem Journalisten, die gerne schlau wirken wollen, wenn sie dann darüber schreiben, lieben und gerne sehen wollen: Politik, harter Sex, irgendwas mit Liebe und Beziehungen, einen tragischen Helden, Frankreich und ganz wichtig! ZITATE VON ANDEREN, BERÜHMTEN AUTOREN, PHILOSOPHEN UND DENKERN. Da kribbeln bei den lesenden Journalisten aller politischen Coleur, wie auch bei den allermeisten Möchtegern-Intellektuellen die Gehirnwindungen. Ein bisschen wie bei Weinverkostungen, wo die Teilnehmer dann in ausgesprochen schicker Kleidung, an einem passenden Ort zusammenstehen, den Wein kosten, möglichst laute, professionelle Verkostungsgeräusche von sich geben und dann um die Wette schwurbeln, ob der Wein nun mehr einen „hölzernen, diffus ins erdig-abflauenden“ oder mehr einen „lebhaften, aber gleichermaßen süßlich-schroffen“ Abgang hat.
ICH für meinen Teil konnte mir ja von Anfang an denken, dass dieses Buch so aufgebaut sein wird, weil die allermeisten Bücher dieser thematischen Machart eben so aufgebaut sind. Und eben diese erwähnten, „kulturell wertvollen“ Momente, Zitate und Beschäftigungen mit der ein- und anderen Schriftsteller- und/oder Philosophenpersönlichkeit gehören neben ein paar anderen Höhepunkten in der Tat noch zu den netten Momenten in diesem Buch.
Doch leider besteht dieser Roman am Ende jedoch, vor allem aus zwei Dingen:
Mutlosigkeit und gestalterischem Desinteresse
...aber wirklich vollkommen lieblos umgesetzt
Der Held des Romans ist 46 Jahre alt, er ist ein weißer, überpriviligierter Mann, der als Beamter im Landwirtschaftsministerium arbeitet, also beim „Feind“, er fährt einen Mercedes SUV, er hat keinerlei Geldsorgen, er hat eine Freundin (Nämlich die besagte Japanerin) und auch sonst ist eines seiner größten Alltagsprobleme, dass es immer weniger Hotels in Frankreich gibt, in denen man auf den Zimmern noch ungestört rauchen kann. Nebenbei, und das ist dann auch das große Problem und Auslöser der gesamten Romanhandlung: Der Held ist ebenfalls familiär bedingt mit einer massiven Schwermütigkeit belegt. Denn auch schon seine Eltern sind nicht auf natürliche Weise aus dem Leben geschieden. Deren Selbstmord ist im übrigen eine der wenigen Szenen, welche sich bei mir eingebrannt haben bei diesem Buch.
Obwohl dem Helden es also an rein gar nichts mangelt, empfindet er sein Leben jedoch als vollkommen sinnentleert und nicht mehr weiter verfolgbar – Drücken wir es mal so aus – Er hasst seine japanische Freundin, die in der Tat unausstehlich ist, er hasst seine Arbeit, welche nicht nur unglaublich langweilig ist, sondern auch immer mehr von ihm hinterfragt wird und auch sonst gibt ihm die Welt nichts mehr, was sie noch sonderlich lebenswert machen würde. Die Gesellschaft, die Politik, die EU, die Globalisierung vor allem, der Niedergang der guten alten Dinge, der guten alten Zeit, als Männer noch echte Männer waren beispielsweise, als noch gutgelaunte Landwirte REGIONAL die Bevölkerung mit guten Landwirtschaftsprodukten beliefert haben, die Milch NICHT ganz aus Spanien angekarrt wurde, derweil die inländischen Milchbauern kaum noch über die Ruden kommen... Ezetterra Pepe... All das und noch viel mehr, zerren am Lebenswillen des Helden.
Gleichzeitig ist es nicht sonderlich schwer, in diesem Themenaufbau den typischen Baukasten des Rechtspopulismus zu erkennen. Hat man alles schon tausendmal gesehen und tausendmal gehört oder gelesen. Im Fernsehen, im Radio, im Internet und nicht nur bei den Rechten, sondern auch bei Privatsendern und den öffentlich Rechtlichen. Dass Globalisierung und Gesellschaftsumbrüche, der Kapitalismus und die Digitalisierung nicht nur positive Folgen haben, das ist bekannt und auch richtig, diese zu benennen und zu kritisieren, wie auch deren verantwortliche Akteuere.
Aber sollte man in solchen Fällen nicht vergessen, vor allem bei so einem Autor wie Houellebecq, eventuell bestimmte Ziele dahinterstecken, politische Ziele - Denn speziell rechte Akteure die lesen solche Dinge sehr gerne, hauen dann wahlweise auf den Tisch, die Sofalehne oder aufs eigene Knie und rufen „Jawoll! SO ISSES! ENDLICH SAGT DAS MAL EINER!“ und fühlen sich bestätigt - ZIELGRUPPENORIENTIERUNG nennt sich der ganze Zauber – Und der gute Michel hat die Bedürfnisse seiner Klientel sehr sehr gut angepasst, damit sie garantiert auch das bekommen, was sie glücklich macht – Jedoch entschärft genug, damit auch der Rest der Bevölkerung, die vielleicht nicht unbedingt die größte „Heimatlandverbundenheit“ zutage tragen, angesprochen werden.
Nun gibt es aber ja, in dieser globalisierten Welt im Roman, in der der Held immer weniger klarkommt, in der immer weniger Menschen hinterherkommen, leiden und deshalb depressiv werden, immerhin ein Hilfsmittel, damit sie wieder funktionieren, zumindest bruttosozialproduktionstechnisch:
CAPTORIX
Es macht zwar impotent, aber glücklich!
Nun wäre eben dieses Medikament EINE SUPER GRUNDLAGE für die spannendsten Dinge, welche in diesem Roman passieren KÖNNTEN!
Doch Houellebecq verballert diese große Chance, die auf der Hand liegt, aber mal so richtig! Denn CAPTORIX wird überhaupt das erste mal in diesem Roman erst AUF SEITE 89 ERWÄHNT.
Danach vergisst Houellebecq seine dramaturgische Wunderwaffe gleich wieder... Erst lange Zeit später, bei Seite 149 fällt es dem Autor scheinbar wieder ein... „Huch! Da war ja was!“ und Captorix darf mal wieder kurz erwähnt werden.
Danach kommt das Zeugs noch ab und an mal nebenbei vor, aber wirklich etwas spannendes, macht Houellebecq nie damit. Und außer dem Helden scheint auch sonst niemand dieses „Revolutionäre neue Antidepressivum“ zu nehmen, jedenfalls hat es eigentlich keinerlei Grund, warum es überhaupt im Roman existiert. Captorix könnte auch einfach irgendein echtes Medikament sein und der Held von sich aus impotent geworden sein, es würde keinen Unterschied machen. Vermutlich war von Houellebecq mal geplant, dass Captorix eine wichtige Rolle im Roman spielt, aber dann passte das ganze nicht mit seiner Zielgruppenorientierung zusammen oder der Lektor oder der Verlag haben gemeckert und dann wurde das alte Konzept über den Haufen geworfen. ODER aber, Houellebecq hielt das ganze anfangs für DIE ROMANIDEE! Aber dann merkte er schnell, dass das alles so nichts werden wird und hat es deshalb verworfen. Captorix wirkt in all dem ganzen Geschehen, so extrem selten und unrelevant, wie es am Ende vorkommt, vollkommen deplatziert und wie ein einst für etwas Großes eingeplantes Asset, welches aber dann der schnöden Realität der zielgruppengerechten Anpassung geopfert wurde.
Oder um es kurz auszudrücken: Hier wurde eine gigantische Chance leichtfertig vertan.
Und nachdem wir also „Die schonungslose Abrechnung mit der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft“ schon tausendmal gesehen und gelesen haben und das „Revolutionären Antidepressivum“ im Nichts versandet.
Bleiben ja also immerhin noch Houellebecqs Ausführungen über DIE LIEBE („ernsthaft und voller Emotion“), sowie das Vorhaben des Helden, sich aus allem, was er hat, was ihn ausmacht und umgibt, zu verabschieden und sein Leben zu beenden, als spannende Storybauteile.
Und nun ja, sagen wir mal so... Der Held redet sehr viel über die Frauen an seine Seite, sehr sehr viel. Das meiste davon ist nett, immer mal wieder auch in der Tat lebensweise oder immerhin klug, sehr gerne, immer mal wieder sehr pervers und ansonsten aber durchgehend belanglos, wie der Großteil des Buches und der Ausführungen des Helden über so ziemlich alles. Man kann sich zugegebenermaßen in den Erinnerungen des Helden über seine Lebensbegleiterinnen verlieren, und hier und da sind deren Vergangenheit und Ansichten auch durchaus interessant... Doch letzten Endes zerläuft auch hier alles zu einer nicht enden wollenden, konturlosen Masse.
„Das ist in den Büchern von Haruki Murakami aber auch!“ - Würden manche jetzt sagen. Und sie hätten Recht, auch Murakami verwendet diese Standardbausteine: Männer und Frauen, perverse Sexpraktiken, möglichst ausführliche Beschreibungen dieser und sehr viel metaphorische, an sich aber nichtssagende Schwurbelpassagen, in denen jeder Mensch für sich seine ganz eigenen Ansichten und Deutungen hineinlegen und sich somit dann fühlen kann, als hätten SIE oder ER oder PERSON als einziges die wahren Absichten und Gedanken des Autors herausgefunden. Jedoch mit dem Unterschied, dass Murakami immerhin so halbwegs in der Lage ist, das ganze Drumherum, also die Rahmenhandlung spannend oder zumindest abwechslungsreich zu gestalten. Was hier, in SEROTONIN leider nicht der Fall ist.
Denn der Held, er reist umher, trifft irgendwelche Leute, meistens alte Lieben, alte Bekannte und deren Mitmenschen, stellt fest, dass die moderne Welt sich immer weiter von den Menschen entfremdet oder umgekehrt oder beides auf einmal, jammert über diverse Gebrechen und stellt noch mehr fest, dass die moderne Welt immer fremder und schneller und unerträglicher für ihre Bewohner wird und dass das alles an sich ja wirklich sehr sehr schlimm ist, aber was will man denn schon machen?
So ist HOMO FABER vom MAX FRISCH auch aufgebaut und bis heute liebstes Folterinstrument vieler Deutschlehrer in ganz Deutschland, sowie bestes Argument dafür, als Schüler danach nie wieder ein Buch in die Hand zu nehmen, WEIL LESEN UND LITERATUR ABSOLUT SCHEIßE SIND!
Warum also als werter Herr Houellebecq nicht daran anknüpfen und mit dem selben Baukastenprinzip einfach eine politisch etwas kritischere Variante zusammenklatschen?.
Doch halt! Ein bisschen mehr Action wird einem in „SEROTONIN“ dann doch geboten.
Denn immerhin... Moment, ich muss kurz in meine Notizen gucken... AB SEITE 247 geht endlich mal richtig die Action ab!
Denn der ehemalige Studienfreund, also der Typ, der als Landwirt ums Überleben kämpft und einige andere ebenfalls wütende Landwirte haben die Schnauzen voll und vollführen ihren Aufstand, mit einer gewalttätigen Demo. Bei der sogar EIN RAKETENWERFER ZUM EINSATZ KOMMT! Aber auch nur, damit einer der Landwirte damit eines seiner eigenen, auf der Straße geparkten Fahrzeuge in die Luft jagen kann...
WATT?!
Also ich weiß ja, dass Franzosen gerne Fahrzeuge anzünden, das ist ja nichts neues... ABER EIN RAKETENWERFER?! - Also wenn schon, dann aber so überzogen, dass es komplett ins satirische Übergeht. Dachte sich Michel Houellebecq wohl, als ihm diese Passage aus dem Oberstübchen entsprang.
Weil das aber noch nicht reicht, setzt der psychisch kaputte Studienfreund dann noch einen drauf und pustet sich die Rübe weg. Das alles wird natürlich vor laufenden, sensationsgeilen Kameras vollführt, der Held ist sehr geschockt über all das, jedoch haben die Medien und die Öffentlichkeit das alles aber schon bald vergessen, die grausamen Bilder werden mehr oder weniger beschlagnahmt und die böse Globalisierung, wie auch der Held an sich, machen da weiter, wo sie zuletzt gestört wurden.
Sprich, der Roman geht in den belanglosen Dröhmelmodus zurück und denkt nicht einmal mehr daran, sich von dort wieder zu erheben.
Das passiert dann bis kurz vor Ende – Und erst die letzten beiden Seiten BZW. das Ende an sich entschädigen zumindest einigermaßen für all die erlittene Langeweile.
„SEROTONIN“ zu lesen wurde sehr schnell und blieb es auch – Zu harter Fleißarbeit und irgendwann dann – Beinahe unerträglich öde – Öder als es die Schullektüre von HOMO FABER jemals gewesen ist – Zumindest in meiner Erinnerung.
FAZIT
Die beste Einschlafhilfe, die ich jemals in Buchform hatte
Also
JA: Ich war sehr gespannt auf dieses Buch von Michel Houellebecq, es
war immerhin mein erstes von ihm und Rückseite, wie auch Klappentext
versprechen ja nicht gerade wenig. Dass dies vermutlich zu einem
nicht ungeringen Teil werbetechnische Übertreibung sein wird...
Geschenkt! Doch bei Houellebecq, einem Typen, dessen Tagwerk es ist,
zu provozieren, ist das, was DIESER Roman immerhin am Ende geworden
ist, der reinste Hohn.
Mutloser, ideenloser und seelenloser als dieses Buch, war noch kein anderes Literaturwerk jemals in meinen Händen. Es dann doch durchzulesen war sehr sehr zähe Arbeit, da konnten dann auch die sehr perversen Bezeichnungen, Beschreibungen und Schilderungen des Helden im sexuellen Bereich nichts mehr daran ändern.
Immer mal wieder, da flammte dann aber doch mein Interesse auf, wenn auf einmal der „wahre Houellebecq“, der „Rechte Triggermeister“ durchflammte und mal auf den Ökos herumhackte, mal über Frauen herzog, mal schwulenfeindlich war, mal ausländerfeindliche Bemerkungen machte oder einfach der dann zugegeben halt doch sehr kluge Literat war, den man halt irgendwo dann doch erwartet. Aber leider blieb der gute Michel nie lange in diesem Buch auf der Bühne, sondern zog den dunkelgrauen Vorhang der exzessiven Langeweile sehr schnell wieder zu und lies stattdessen seinen uninteressanten, jöseligen Helden weiter seine nicht enden wollenden Monologe und Rückblenden halten. Wer also von Michel Houellebecq nicht getriggert, sondern eingeschläfert werden möchte, sollte zugreifen.
Das so sehr in den Mittelpunkt gerückte Medikament CAPTORIX ist nur eine ausgesprochen blasse Randerscheinung und wird für rein gar nichts eigentlich verwendet. Was wirklich sehr sehr schade ist, denn in den fähigen Händen eines so dermaßen wuterfüllten Rechtspopu-Autors wie Houellebecq, HÄTTE daraus DAS HAUPTELEMENT in diesem Roman werden können. Aber vermutlich wäre es dann zu sehr in Richtung „Satire“ gegangen und das hätte dann Arbeit gemacht oder irgendwie so.
Dieses Buch war und ist die beste Einschlafhilfe, die ich jemals in Händen gehalten habe und vielleicht auch halten werde, sollte nicht so irgendjemand mit seinem Buch wiederum diesen Zustand noch unterbieten.
Wenn dann endlich mal „Action“ oder immerhin etwas relevantes passiert, dann ist es eigentlich immer entweder viel zu überzogen oder wenig später auch schon wieder vorbei und es geht weiter mit den nächsten 10, 20, 30, 40, 50 Seiten Belanglosigkeit und pervertiertem Sexgedönse, das wohl auch nur drinne ist, weil die Zielgruppe dies sinngemäß so erwartet hat.
Dieses Buch ist wahrlich eine Enttäuschung für mich.
Im Sinne der reinen Unterhaltung, egal ob jetzt im in positiver oder in negativer Form, war „Munin oder das Chaos im Kopf“ von Monika Maron um Welten spannender und interessanter, wenn auch handwerklich sehr schlampig ausgeführt und in seinen rechtspopulistischen Botschaften, welche es einem vermitteln wollte, sehr plump und stellenweise sogar richtig peinlich - „Rechtspopucringe“ also.
Bei SEROTONIN ist es nun also genau andersherum: Handwerklich ist es an sich absolut perfekt, geradezu durchnormiert, exakt nach EU-Normierungsstandards, aber dafür so unterhaltsam und interessant, wie einer frisch gestrichenen Wand beim Trocknen in Echtzeit zuzusehen.
Qualitativ kann man Houellebecq zwar keine Vorwürfe machen, das nun wirklich nicht, gestalterisch und dramaturgisch aber schon – Denn das Buch besteht aus Mut- und Ideenlosigkeit, vertanen Chancen, ignorierten Möglichkeiten und Lustlosigkeit in Sachen Storytelling.
Denn so sehr wie Autor und seine Romanfigur auch auf die EU, die globalisierte, durchnormierte Welt und das Beamtentum schimpfen, so sehr fahren sie genau in eben dieser seelenlosen Schiene.
Wo wir final noch einmal zu Frau Encke kommen, welche auf der Rückseite des Buches ihrem geliebten Starautor ja attestiert, dass: „Die Sprache, das darf man nicht vergessen, ist das eigentliche Ereignis bei Michel Houellebecq“ - Wie sie darauf kommt, welche vielleicht illegalen Substanzen man schlucken muss, um dies denken zu können, ich wüsste es gerne. Denn der Held, er drückt sich den gesamten Roman über sehr gewählt, sehr emotionslos, geradezu DIN-Normiert aus. Es sei denn, er redet über weibliche Geschlechtsteile oder Sex. Was dann irgendwie auch nicht wirklich zusammenpasst, wenn ein Kerl, der eben noch wie ein eingeschläferter Finanzbeamter redet, dann auf einmal, aus dem Nichts mit den übelsten Sexausdrücken und -Bildern um sich wirft.
Wie die werte Frau Encke also darauf kommt... Tjoa... Ich weiß es nicht.
Aber vermutlich muss man nur verblendet BZW „verliebt“ genug in eine bestimmte Person sein oder einfach in deren Ideologie so dermaßen aufgehen, dass man über solche Probleme einfach mal hinwegsehen oder sie sogar gleich vollkommen anders auslegen kann, als sie tatsächlich sind.
Hoffen wir einfach mal, dass „VERNICHTUNG“ auf irgend eine Art besser ist, wobei ja alle Zeichen eher auf dem Gegenteil liegen. Jedoch ist selbst Houellebecq selber dieses mal immerhin ehrlich und wirbt geradezu damit, dass sein neustes Werk eher „leicht“ daherkommt.
Und hoffentlich kommt kein Deutschlehrer jemals auf die Idee, SEROTONIN seinen Schülern als Lektüre vorzulegen.
Immerhin aber, da existiert DIESER EINE SATZ in diesem Buch, welcher nicht nur sehr interessant ist, sondern auf eine unfreiwillige Art und Weise auch sehr weit seiner Zeit voraus war:
Denn auf Seite 90, da finden wir folgendes, sehr unterhaltsames Zitat:
„Ein Reptil empfindet keinerlei Bindung für andere Reptilien; Echsen vertrauen anderen Echsen nicht.“
Aber erzähl das mal dem Wendler, den Proud Boys oder Donald Trump oder all den anderen Kaputten da draußen.
Ich habe fertig.
----------------------------------------------------
Michel Houellebecq
„Serotonin“
Taschenbuch
Dumont
Ersterscheinung 2011
Preis: 12,00€
PERSÖNLICHE NOTE: 5++
------------------------------------------------------
Letzter, noch viiiiiel langweiligerer Akt
Der wie im Koma schlafende Cayman sitzt inzwischen halbwegs aufrecht auf dem modernistischen Sofa im Praxisraum von Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann, während der Kameramann die Trage fertig vorbereitet...
Dann heben sie Cayman, der von alldem nach mehr als zwanzig gelesenen Seiten von SEROTONIN nichts mehr mitbekommt in seinem Tiefschlaf, auf die Trage, fixieren ihn, halbwegs sicher mit Panzertape fest und schaffen ihn nach draußen und in den Laderaum des Ford Transits vom Kameramann...
Während Cayman, mit dem Buch in Händen selig und zufrieden schläft und vor sich hinsabbert, weil sich vor lauter unerträglicher Langeweile sämtliche Gesichtsmuskeln vollkommen entspannt haben, kratzt sich der Kameramann am Kopf und fragt: „Ja also... Das ist ja fast schon beunruhigend effektiv. Was ist denn, wenn der nun gar nicht mehr aufwacht?“
Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann aber beruhigt: „Neinnein mein Lieber... Der kommt schon wieder zu sich. Denn ein Houellebecq-Storytellingkoma dauert in der Regel nie länger als ein paar Stunden. Danach aber, sind die damit Behandelten aber noch tagelang ausgesprochen untriggerbar und gleichgültig, weil diese unverhältnismäßig hohe Langeweile die Gehirnwindungen so dermaßen betäubt“
Der Kameramann blickt zu Cayman und staunt: „Ein Meilenstein der psychologischen Behandlung also!“
Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann schüttelt belustigt den Kopf: „Wohl eher das Werk eines Autors, der auf Heißluftniveau hantiert. Große Klappe, hochgehyped aber nichts dahinter, wenn es dann darauf ankommt“
Darauf schließt der Kameramann bedächtig die beiden Hecktüren und nickt: „Dann fahre ich das komatöse Nervenbündel also jetzt nach Hause, lege ihn platzsparend irgendwo ab und jedes mal, wenn er wieder mal von egal was getriggert wurde, gebe ich ihm einfach dieses Buch zum lesen... Alles klar“
Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann hebt daraufhin mahnend den Zeigefinger: „Aber jedoch bitte NIEMALS auf die Idee kommen, aus dem Buch vorzulesen! Denn der letzte Patient von mir, der das getan hat, der leidet noch heute unter exzessiver Gleichgültigkeit und völligem Desinteresse an einfach allem“
Der Kameramann blickt kurz nachdenklich ins Leere und sagt dann: „Na also das ist ja...“
Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann sagt: „..wirklich vollkommen uninteressant. Ich weiß“
Daraufhin sagt der Kameramann: „Ja in der Tat. Aber jetzt müssen wir diesen Beitrag hier aber noch irgendwie einigermaßen sauber zum Ende bringen... Und mir fällt grad nichts passendes ein.“
Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann lächelt und antwortet: „Na dann improvisieren wir eben“
Kurz denkt der Kameramann nach und sagt dann: „Tja also... Wie wäre es mit diesem hier: Zwei Clowns essen einen Kannibalen, sagt der eine zu dem anderen... Also ich weiß echt nicht, was du hast! Der schmeckt doch gar nicht komisch!“.
Frau Dr. Kirschbaum-Steinemann blickt den Kameramann an, nickt und sagt zufrieden: „Na also! Das reicht doch vollkommen aus“
Der Kameramann antwortet: „Ja, in der Tat. Und das ist nun wirklich bedauerlich“
DENKEN SIE MAL DARÜBER NACH.
ENDE
Keine Kommentare :
Kommentar veröffentlichen