Dienstag, 12. Oktober 2021

 

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Cayman liest> Banana Yoshimoto> "Moshi Moshi"> Roman 

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Erster Akt im Restaurant, das es nicht mehr gibt

 

Man kann die Intensität des Lichtes nicht „hell“ nennen, aber auch nicht „dunkel“, nicht „schummrig“ und auch nicht „gedimmt“, für jene exakt optimale Beleuchtung in diesem Restaurant, gibt es keine passende Bezeichnung, sie ist einfach optimal...

An der Decke verbergen kunstvoll mit asiatischen Motiven, von Drachen, über Riesenwelse, Vögel, bishin zu idyllischen Gebirgen verzierte Glasplatten die Lampen, halten so jene Lichtstimmung, welche diesen Ort gerade so gemütlich macht...

Die ins Dunkelrote ausfallenden Holzmöbel mit ihren noch etwas dunkelroteren Stoffbezügen scheinen allen Lärm, alle Geräusche, alles was beim Genuss des Essens stören könnte, einfach zu schlucken, wie ein schwarzes Loch und geben stattdessen pure Wohnlichkeit zurück...

Weiter hinten, da gibt es natürlich auch die besonders mauschelige Ecke, mit den beiden Lampen an der Wand, die zwar leuchten und auch Licht abwerfen, aber davon kommt gefühlt nichts auf den Sitzplätzen an. Somit der optimale Ort, um sich bis in alle Ewigkeit zu verstecken oder aber eine typisch-klischeehafte Szene in einem Agenten- Gangster- oder Detektivfilm zu drehen...

Mittig des Raumes, da steht ein großes, sauberes Aquarium, mit Steinen, in der Mitte lose aufgehäuft, bewohnt von eben jenen Welsen in etwas kleiner, welcher auch oben in Glas zu bestaunen sind. Das Aquarium wirkt zwischen all den dunkelroten Möbeln wie ein großer, rechteckiger Edelstein, dessen heller Scheint alle Blicke auf sich zieht...

Dezent, nicht leise, sondern betont dezent, läuft aus einer nichtdefinierbaren Richtung, vielleicht auch aus dem ganzen Raum auf einmal, wer weiß, asiatische Popmusik, weder zu wild, noch zu langsam, sondern scheinbar auf einfach jede Stimmung, jedes Gericht, jede Situation perfekt passend ausgewählt. Denn sie lenkt nicht ab, ist aber merklich da und wenn man will, dann kann man sich ihr hingeben...

Einer der Küchenhelfer, Peter heißt er, ein stabil-gebauter, fröhlicher Kerl, steht am Tresen und raucht, sagt, dass genau das ihm nun massive Probleme macht, er demnächst wohl ins Krankenhaus muss, wegen einer Wucherung in der Lunge. Soll aber wohl behebbar sein, sagten die Ärzte ihm, er sollte, müsste aufhören mit den Glimmstengeln, aber naja...

Die Chefin, eine absolut liebenswerte, zierliche Frau, irgendwo in den späten 30ern, scheint aus dem Werbespot eines Dienstleistungsunternehmens entsprungen, sie atmet Service, sie denkt an nichts als Service, sie ist der Service, außer Service und Atmen ist sie auf nichts anderes programmiert, gibt sie jedem Gast das Gefühl, zur Familie zu gehören, kein Wunsch, keine Frage, die sich nicht irgendwie umsetzen lässt, notfalls fragt sie ihre alte, kleine, sehr kleine Mutter, die sich hinten in der Küche mit grellen, kurzen, lauten Befehlen ihre eigene kleine Küchendiktatur, welche alle anderen strikt und ohne jedes Hinterfragen gehorchen, aufgebaut hat...

Hier sitzt Cayman an seinem Stammplatz, er hat bereits bestellt, die Vorspeise, drei kleine Frühlingsrollen mit Frühlingsgemüse und Hühnerfleisch, mit süßsauerscharfer Soße sind bereits auf dem Weg, das Getränk ebenfalls...

Der Sänger, welcher jetzt gerade seine Zeilen vorträgt, er klingt, als wäre er verliebt, so kann man immerhin seine Stimme deuten, da man jedoch nicht einmal weiß, in welcher Sprache aus dem asiatischen Raum er singt, kann man also über die Lösung des Rätsels ewig grübeln...

 

Der Kameramann, welcher Cayman seitlich-schräg gegenübersteht und alles aufzeichnet, blickt sich ebenfalls immer wieder um und gibt beeindruckt zu: „Joa, also hier kann man es wirklich aushalten!“.

Dann aber, fragt er sofort: „Ja und warum existiert dieser echt nette Ort dann nicht mehr? Was war das „BÖSE ENDE“, von dem du mir erzählt hast?“.

Cayman faltet die Hände auf dem Tisch und sagt: „Darüber sprechen wir im zweiten Akt, wenn die Buchkritik vorbei ist, jetzt aber, da habe ich erst mal Hunger...“ .

Misstrauisch fragt der Kameramann: „Ja aber die Leute sehr lange einfach hinhalten, bis das große Geheimnis aufgelöst wird, ist das nicht ein bisschen sehr billig? Selbst für uns? Schämst du dich nicht zumindest ein bisschen für diese dumme Einleitung?“.

Cayman antwortet knochentrocken: „Nein, in diesem Roman passiert ja auch nichts anderes! Und jetzt Maulpaul und los mit der Kritik!“.


Der Kameramann zuckt mit den Schultern: „Tja also dann... Film ab!“.

 

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Cayman liest:

Banana Yoshimoto

"Moshi Moshi"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber erst mal wird lecker gegessen...“

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Stellt keinen Anspruch, gibt auch nicht viel wieder

 



Wer nach seichter Unterhaltung sucht, welche nichts einfordert und nicht mehr, als Zeitvertreib wiedergibt, ja der greift nicht selten zu diesen typischen, oftmals bereits optisch sehr gut erkennbaren „Urlaubsromanen“. Meistens liegen sie gesondert, gerne so, wie Schokoriegel und anderer Süßkram in der „Quengelzone“ im Supermarkt, gerne entweder mit idyllischen Landschaftsmotiven oder bunten Zeichentrickgrafiken auf den Covern, stets griffbereit und zu allem bereit, außer tiefgründige Dinge an ihre Leser zu übermitteln. Aber genau dafür kauft man diese Dinger ja. Es ist sehr klar erkennbar, wofür dieses Genre steht und was einen erwartet.


Das nun kritisierte Buch ist leider so ein Fall, bei dem das nicht so ist.


Denn das Cover, vor allem von diesem Verlag, wirkt in keinster Weise so und auch die Rückseite mit ihrer Zusammenfassung und dem Lob irgendeiner Angelika Atziger von der „20er-Die Tiroler Straßenzeitung“, stellt es als einen dieser „Junger Mensch zieht hinaus ins Leben und findet an einem Ort voller Kunst, Kultur zu sich selber und das Buch erklärt uns, wie das alles passiert ist“-Romane dar. Was den Eindruck erweckt, dass hier also doch ein bisschen mehr Inhalt vorhanden ist, als „nur“ kurzweilige Urlaubsunterhaltung, die weder viel abverlangt, noch viel mehr als Zeitvertreib zurückgibt. Nein, hier wird einem wesentlich mehr, vor allem viel mehr literarische Tiefe versprochen.

Und da Banana Yoshimoto an sich ein Name zu sein scheint, welcher bei nicht wenigen mit ziemlich guter, mal sehr düsterer, melancholischer, aber auch menschlicher, gefühlsstarker Literatur in Verbindung gebracht wird, kann man ja wohl die Hoffnung haben, dass man von ihr mehr vorgesetzt bekommt, als reine, nichtssagende „Urlaubsliteratur“.

Doch in diesem Fall leider zu 95% weit gefehlt, denn am Ende da hat man ganz genau das, nämlich Urlaubsliteratur, die zwar unterhalten will, aber auch nicht zu viel, die niemandem etwas abverlangt, aber dann auch wieder nicht zu seicht ist, die irgendwas mit Gefühl hat, sehr viel sogar, die einen recht großen, zwar irgendwie negativen oder zumindest spannenden, aber auch nicht zu negativen oder spannenden Plotpunkt hat, dazu dann noch mehrere kleine... Ach und es wird lecker gegessen, man sitzt dann gerne in schicken Lokalen, Restaurants und genießt genau beschriebene Gerichte, bei denen einen das Wasser im Munde zergeht, ebenfalls trinkt man schicke, leckere, hippe Getränke oder im Gegenteil, Althergebrachtes und dann passiert dazwischen so die Handlung, welche die Geschichte dann irgendwie immer millimeterweise voranbringt.


Ja, solch ein Roman ist das hier im Grunde.


Aber leider dann auch irgendwie wieder nicht, denn Frau Yoshimoto ist bekannt dafür, dass sie ihren Figuren gerne einen düsteren Schatten auferlegt, mit welchem sie dann zu kämpfen haben. Und während ihre Figuren beispielsweise in der Kurzgeschichtensammlung „Erinnerungen aus der Sackgasse“ meistens oder halt immer daran scheitern, sich von ihnen zu befreien oder mehr oder weniger damit leben und irgendwie zurechtkommen, wollte sie hier ganz offenbar eher ins Positive gehen, wusste aber nicht so recht, wie sie dies dann anstellen soll und kommt, je weiter die Handlung voranschreitet, immer mehr ins stottern, verläuft sich irgendwann voll und ganz in der eigentlichen Nebenhandlung und verliert den Hauptplot beinahe gleich ganz aus dem Blick...


Nur um diesen dann vollkommen überstürzt, wie mit dem Gummihammer in den noch übriggebliebenen Platz geprügelt, irgendwie doch noch passieren zu lassen und Korinthenkacker wie mich, damit mehr als unzufrieden und entrüstet (geradezu) zurückzulassen.

Die gute Frau Yoshimoto wollte irgendwie vieles auf einmal und hat sich verzettelt. Was sie dann irgendwann bemerkte (Ich kann mir ihren Gesichtsausdruck regelrecht vorstellen, wie sie dann dasaß, feststellte, dass sie ihren eigenen Hauptplotpunkt, die Grundmotivation der Hauptfigur, ja den Existenzgrund der gesamten Story einfach mal komplett aus den Augen verloren hat und nun alles auf einmal irgendwie in den letzten zwanzig Seiten unterbringen muss... OH OH!).


Und ICH dann am Ende dasaß und dachte „In was für einen Haufen Scheiße hat sich dieser bis dahin eigentlich ganz nette und doch recht gut durchdachte Roman denn auf einmal verwandelt?! Was zum Teufel?!“.

Lesen wir hier also die Kritik an einem Buch, das leider auf der einen Seite einfach nicht mehr ist, als Poolrandliteratur für den Nachmittag auf der Sonnenliege, wo es aber doch eigentlich Ambitionen hat, mehr als das zu sein... Aber dann einfach mal über seine eigenen Füße stolpert, weil es einfach viel zu lange damit beschäftigt ist, sich mit leckerem Essen, Nebenhandlung und dem Herumhängen in irgendwelchen Bars, Restaurants und bei Nebenfiguren die Zeit zu vertreiben. Nur um dann panisch, mit falschherum angezogenem Hemd, zwei unterschiedlichen Socken und der falschen Krawatte überstürzt, halt doch noch Last-Minute zum Storyabschlusszug zu hechten... Und dem Roman dann noch, weil in wirklich allerletzter Sekunde in den startenden Zug gesprungen, der Aktenkoffer halb in der sich schließenden Tür stecken bleibt.


Klingt alles komisch, ist aber so – Und schade ist es obendrein.









Das Leben ist Veränderung

 

 

Der Hauptplotpunkt, das kann man sagen, ist in dieser Story um eine junge Frau, welche „angeblich“ ihren Platz im Leben sucht, noch nicht so recht weiß, was sie eigentlich wirklich will und gerade erst von Daheim ausgezogen ist, der offenbare Selbstmord ihres Vaters. Dieser nahm sich mit einer der Familie unbekannten Frau zusammen in ihrem Auto das Leben und niemand kann verstehen warum er dies getan hat.

Das einst heile Familienleben der Heldin, die von ihrer Mutter „Yotchan“ genannt wird, liegt in Scherben, denn der Vater hat nicht einmal einen Abschiedsbrief oder auch nur einen einzigen Hinweis hinterlassen, WARUM er sich das Leben genommen hat und vor allem, wer diese fremde Frau ist, mit der er am Rande eines Waldes sein Leben beendete. Die geheimnisvolle Frau, das erfahren wir irgendwann, soll bereits mehrfach versucht haben, sich mit einem Mann an ihrer Seite das Leben auszuhauchen, nur geklappt hat es bis Dato nie.

Nun leiden Yotchan und ihre Mutter, eine sehr straff organisierte und schicke Hausfrau also gleich doppelt. Vor allem deshalb, weil sie unter Schuldgefühlen leiden, und sie natürlich denken „Hätten wir doch etwas gewusst“ und „Warum hat er nicht mit uns darüber gesprochen, dass er Probleme hat“ und „Ist das vielleicht sogar unsere Schuld? Haben wir etwas falsch gemacht?“, ist die Pein umso größer.

Unsere Heldin aber, die will irgendwann wieder leben, das Elternhaus ist für sie seit dem wie eine dunkle Gruft, zudem scheint es so, alsdass der verstorbene Vater als Gespenst durchs Haus wandert und die Heldin auch immer mal wieder in ihren Träumen heimsucht. Der Mutter ergeht es da nicht besser...

Und das ist der wirklich spannende, durchaus gänsehaut-erzeugende Teil des Romans, denn diese Passagen, vor allem diese Albträume der Heldin sind wirklich gut geschrieben und haben zum Teil fast „Silent Hill“-mäßige Vibes. Auch die vielen unbeantworteten, quälenden Fragen und der Umgang der beiden Figuren mit dieser Trauer, der Wut und den Selbstzweifeln ziehen einen in seinen Bann.


Da in endloser Trauer zu versinken jedoch keine Option ist, beschließt die Heldin, so schwer es ihr auch fällt, von Zuhause auszuziehen, neue Leute kennenzulernen und nach und nach wieder Fuß zu fassen. Ihr neuer Wohnort wird das auch in Echt existierende Künstler-Restaurant-Lifestyle-Viertel namens „SHIMOKITAZAWA“ - ein Stadtviertel in Tokyo. Dort gibt es neben viel Kunst, Kultur, lecker Essen, lecker Trinken, Szenebars und Musik auch viele Alteingesessene, welche Althergebrachtes verkaufen, in kleinen, historischen Geschäftchen und so diesem Viertel seine „Seele“ geben. An diesem Ort findet Yotchan eine kleine Wohnung und einen Job bei einer Bekannten, welche ein ebenfalls kleines, nettes Restaurant betreibt. Alles ist irgendwie wunderschön, fragil, stets der Veränderung unterworfen, hochinteressant, kulturell-wertvoll und die Heldin verliebt sich in ihr Viertel... Endlich kann sie frei sein, durchatmen, ihr Leben leben, endlich mal unbefangen eventuelle Lebenspartner treffen, Sex haben und einfach schauen, was so auf sie zukommt. Im Hinterkopf die Idee, eines Tages, wenn sie sich gut genug auskennt, selber ein Restaurant zu eröffnen.

Doch dann steht auf einmal die Mutter vor der Tür... Mit gepackten Koffern... Und will bei ihrer Tochter einziehen... Denn sie hält es Zuhause nicht mehr aus, weil dort eben der Vater umherspukt... Und weil sie ebenfalls, auf ihre nicht mehr ganz so jungen Tage, noch einmal neu anfangen möchte...


SCHEIßE.


Unsere Heldin ist nicht begeistert, aber die Mutter ist nicht mehr davon abzubringen und so haben wir Problem Nummer eins mit dem sich Yotchan herumschlagen muss. Das zweite kommt dazu, als klar wird, dass das Gebäude, inwelchem ihre Bekannte ihr Restaurant betreibt, baufällig ist und abgerissen werden muss, um dort ein neues zu errichten. Die Bekannte will dies als Chance nutzen, einen lange gehegten Traum wahrzumachen: Für mindestens ein halbes Jahr nach Frankreich gehen und dort entweder in Restaurants arbeiten oder aber, wenn dies machbar ist, selber eines eröffnen und dann vielleicht gleich ganz dableiben.

Unsere Heldin hat also auf einmal jede Menge Baustellen an den Hacken und der Roman somit jede Menge Material für eine spannende Handlung. Auch die Figuren, insbesondere Heldin und Mutter bieten mehr und mehr ihr Seelenleben dar und würde sich der Roman dann nicht immer weiter in sein bereits kritisiertes „Essen, Trinken, Extra-Kaugummi kauen“ verlieren und diese beiden Handlungsstränge immer weiter vertrödeln, es wäre wirklich eines dieser Bücher, in denen man sich spannungsbezogen wahrlich verlieren würde.










Viele gutschmeckende Gerichte, ein bisschen Grusel und sehr viele Tränchen
 


 


Während die Mutter sich mehr und mehr von der zugeknöpften Hausfrau in eine moderne, aufgeschlossene Dame in der fortgeschrittenen Mitte ihres Lebens verwandelt, die das Leben von ganz neu auf lieben und genießen lernt, verzweifelt die Heldin anfangs genau daran, denn alles was bis dahin noch vom alten Leben übrig war, geht nun ebenfalls flöten. Die Mutter treibt sie zusätzlich noch damit in den Wahnsinn, dass sie wirklich alle alten Verhaltenszüge ablegt, auf einmal mit Männern flirtet und sich immer mehr vom Vater distanziert. Für die Heldin fast schon so etwas wie Verrat.

Dann wäre da noch ein junger Mann, welcher eine Art Club betreibt, Konzerte organisiert und den Vater recht gut kannte, wie auch entfernt die seltsame Frau mit der er schließlich Selbstmord beging. Die Suche nach der Antwort wer diese Frau denn eigentlich war, bleibt immerhin so halb das gesamte Buch über eine Sandspur auf dem Boden, welcher man gerne folgt, wie auch dem Neuanfang der Mutter und ihre Beweggründe dafür.

Ab dann allerdings, da verliert sich der Rest vom Roman aber darin, dass die Heldin, die Erzählerin eigentlich gefühlt entweder die ganze Zeit im Restaurant arbeitet und uns davon erzählt, wie stressig dies ist, wie beschäftigt sie immer ist, aber wie toll dies aber auch ist und, dass sie alleine oder mit ihren direkten Mitmenschen lecker isst, lecker trinkt, man über eigentlich belangloses Zeugs oder Kram über den Vater spricht, welchen man bereits wusste... Und...


Pffffhhh...


Joa...


Und zwei mal kommt so eine fremde Frau vorbei, welche etwas mehr, aber auch nicht viel über die geheimnisvolle Frau mit der der Vater sich gemeinsam umgebracht hat weiß.

Die meiste Zeit wird aber lecker gegessen und hier kann man immerhin loben, dass alle Gerichte und Getränke am unteren Seitenrand noch einmal genauer beschrieben werden, auch auf ihre Bedeutung hin. Hier wirkt der Roman dann jedoch immer ein bisschen wie die Auszüge aus dem Reisebericht einer Reisebloggerin, welche Geld dafür bekommen hat, die Restaurants des besagten Viertels so kleinstgenau und positiv wie nur möglich zu beschreiben. Aber es soll ja Leute geben, die auch sowas stehen und Hunger hat man danach außerdem garantiert. (Hat die Autorin vielleicht GELD dafür bekommen, ihren Roman genauso aufzuziehen? Ist das der Grund dafür? Hmmm...).

Nur bringt all das aber die Handlung des Buches nicht bis kaum voran, ist es im Vergleich zu der düsteren, dramatischen Geschichte von Mutter und Tochter fast schon fehl am Platze, weil es einfach zu oft und zu viel vorkommt. An den Rest der Handlung habe ich nicht einmal mehr Erinnerungen, weil da ja mal gar nichts hängen geblieben ist. Und auf meinen Notizzetteln habe ich davon auch nichts notiert, weil da halt nichts war, was aufschreibenswert sein könnte.

Als dann also feststeht, dass das Restaurant in dem die Heldin arbeitet abgerissen werden muss und die Betreiberin nach Frankreich will, ja da verändert sich erneut einfach ALLES im Leben von Yotchan, neben der immer noch im Raum stehenden Frage, warum der Vater sich mit dieser fremden Frau tötete. Dahinein spannt Banana Yoshimoto dann noch die Liebesbeziehung der Heldin zu jenem jungen Mann, welchen sie kennenlernt, aber bereits weiß, dass das nichts wird mit dem „ewigen Zusammensein“. Somit hat unsere Heldin also Gefühlschaos pur.

Und dies lebt sie im Laufe des Buches immer inflationärer passierend auf, in dem sie ständig anfängt zu heulen.

Was anfangs ja noch vollkommen verständlich ist, passiert gegen Ende irgendwann dann jedoch so oft, dass ich nur noch die Augen im Kopf verdreht habe. Vor allem weil am Anfang des Buches passiert es nie und gegen Ende auf jeder fünften Seite. Und das nicht mal bei emotional nachvollziehbaren Momenten.


Tja und dann... ZACK!


Fiel der Autorin vermutlich ein, dass da ja noch die eigentliche Haupthandlung rund um den toten Vater und all die quälenden Fragen war. Na so ein Mist aber auch! Jetzt musste sie irgendwie noch ganz schnell den Hauptplot in die Story quetschen! Fuck! Fuck! Fuck!!!.

Yotchan hat einen besten Freund, der aber anfangs gar nicht, in der Storymitte son bisschen vorkommt und auf einmal! Kurz vor Schluss, der wichtigste Mensch in ihrem Leben wird. Und ebenfalls AUF EINMAL, da rückt dieser mit dem düsteren Geheimnis heraus, welches den Vater erstens dazu veranlasste sich umzubringen und zweitens nichts seiner Familie zu erzählen und auch, was diese fremde Frau damit zu tun hat.

Ja ganz genau: Der tragende Plot in diesem Roman kommt plötzlich, quasi „Durch die Decke gebrochen“, ohne Vorwarnung oder Ankündigung. Und schon knapp zwei Seiten später, hat sich das Thema dann auch schon wieder erledigt.


Storytelling Pure!


Ich habe diesen „ existenziellen Plotpunkt“, also den vermutlich wichtigsten Moment im Leben der Heldin, der wichtigste Punkt im Roman erst doch tatsächlich überlesen, denn er kommt so derartig „nebenbei“ um die Ecke, dass man es kaum mitbekommt.

Und auch die Heldin, welche den gesamten Roman zuvor an sich immer nur diese eine Frage hatte, warum ihr Papa sich mit einer fremden Frau das Leben genommen hat, ständig heulen muss, weil Papa tot, weil altes Leben futsch, weil Schuldgefühle... ezetterra pepe...

NIMMT DIESE INFORMATION AUF NACH DEM MOTTO: „Ach echt? Oh! Na das ja ein Ding! Naja, dann lass uns mal wieder gehen! Wollen wir noch zusammen ins Aquarium oder gleich zu dir?“.


WATT?!?!?!??!?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!?!




Ich habe diesen Abschnitt gleich noch mal gelesen, weil ich es nicht glauben wollte, wie sehr hier der Hauptplotpunkt in den Straßengraben gefahren wurde!

Aber ja, so wird das ganze dann quasi abgehakt.

„Ach soooo... Höhö! Papa [SPOILER] also [SPOILER] und hat deshalb mit der Frau zusammen Selbstmord begangen, weil [SPOILER] und [SPOILER]! Tja, also in dem Fall, wenn dem so war, ja dann ist das wohl so!“


Darauf setzt die Story dann noch die Kirsche, in dem mit dem Vorschlaghammer eine wilde Liebesbeziehung zwischen dem angeblich allerbesten Freund der Heldin, der zuvor nur zweimal oder dreimal vorkam und auch nur am Telefon, hineinballert. Welche aber ja auch gleich wieder enden muss, weil das Buch ja keine zehn Seiten später auch schon zu Ende ist.


Womit sich meine Frage also berechtigt wie ich finde: „IN WAS FÜR EINEN HAUFEN SCHEIßE HAT SICH DAS BUCH AUF EINMAL VERWANDELT?!“


Aber immerhin, kann man sagen, darf man sagen, sollte man sagen! Das Buch schafft es dann dennoch in der allerletzten Szene, welche wirklich toll, nachdenklich und schön, lebensweise und herzerwärmend ist, die Story auf eine nette, eine schöne Art und Weise zu Ende zu führen.


Leider ändert das aber nichts am Gesamtpaket und seinen Macken.







FAZIT

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(Leider nur) Ein typischer „Sonnenschirmroman“




Den recht großen, tiefgreifenden Anspruch welchen der Roman vorgibt, kann er leider nicht erfüllen, obwohl alles dafür da ist, was nötig wäre. Nur hätte man den Fokus viel weniger auf dieses ausufernde, nichtssagende „Lecker Essen, Lecker Trinken, Extra kauen“-Getue legen und sich viel mehr auf das Wesentliche konzentrieren müssen. Nämlich die Heldin, deren Seelenleben, die Mutter, welche eine ebenfalls sehr wichtige Figur ist und alles, was mit dem Selbstmord des Vaters und der Rolle jener geheimnisvollen Frau, welche sich mit ihm zusammen ebenfalls das Leben nahm. Sowie das Viertel, in dem die Heldin lebt und vor allem deren Bewohner und weniger all die tollen Gerichte und Getränke. Denn die Menschen in dem Viertel, ja die kommen immer nur ganz am Rande vor. Was meine Vermutung noch weiter verstärkt, dass dieser Roman beinahe schon eine überbordende Werbebroschüre und weniger ein gut gemachter Roman ist.

Denn dort, also in diesem Stadtviertel, wäre es vielleicht beispielsweise wesentlich interessanter gewesen, dieses auch tatsächlich weitergehend zu erforschen, die Menschen, die individuellen Persönlichkeiten kennenzulernen. Anstatt immer nur den Hauptfiguren dabei zuzugucken, wie sie lecker Essen schnabulieren und die Autorin dieses ausufernd lobend (meistens) beschreibt. Ich habe diese Stellen dann irgendwann einfach nur noch überblättert, es sei denn, es interessierte mich vielleicht mal ganz kurz, was sich hinter den Namen der Gerichte eigentlich verbirgt.

Auch mit der Liebesbeziehung der Heldin zu dem jungen Mann, in welchen sie sich erst verguckt und der Frage, welche sie ebenfalls die gesamte Zeit beschäftigt: „Was will ich mit meinem Leben eigentlich anfangen?“ hätte man sich viel intensiver beschäftigen können/sollen/müssen.

So halbwegs klappt das ja gelegentlich. Zum Beispiel, als das Restaurant in dem sie jobbt dicht macht und die Betreiberin nach Frankreich will, da entscheidet sie sich, ihr zu folgen und macht sich ein paar mal Gedanken darüber. Auch die im Rückblick erzählte Geschichte der Familie, den Vater, die Schattenseiten der Musikszene kommen an sich sehr gut zur Geltung und sind interessant. Vor allem aber die „Albtraumsequenzen“ der Heldin, welche sehr gut und sehr atmosphärisch beschrieben sind, können bestens unterhalten.


Doch dann macht die Autorin damit aber kaum noch etwas, die Handlung tritt gefühlt komplett auf der Stelle und versinkt in Belanglosigkeit.


Bis es ihr kurz vor Ende selber auffällt und sie noch ganz ganz schnell auflösen MUSS, wieso und warum der Vater sich gekillt hat UND dann noch, warum auch immer, eine sehr hölzern zusammenfabulierte Liebesbeziehung der Heldin zu ihrem besten Freund hineinzwingen muss.

Womit die Geschichte dann also viel zu schnell und viel zu überstürzt zu Ende gebracht wird und man sich verwundert die Äuglein reibt, weil ausgerechnet der HAUPTPLOTPUNKT, der Grund des Selbstmordes des Vaters mal eben „SO NEBENBEI“ erwähnt wird und die Heldin, welche die ganze Zeit lang an sich nichts anderes in Erfahrung bringen wollte, nimmt es auf, als wenn man ihr gesagt hätte, dass es morgen regnet.


„Ach so... Naja... Danke dass du es mir gesagt hast! Dann lass uns jetzt mal zu dir! Oder doch lieber zu mir?“.


Hier merkt man einfach nur allzu deutlich, dass die Story eine ganze Ecke unter ihren Möglichkeiten bleibt, und alles nur, weil es der Autorin viel wichtigster war zu zeigen und zu beschreiben, wie unglaublich lecker das Essen und liebenswert dieses Viertel doch ist, ohne dessen wahre Seele, wie ich finde, wirklich zu ergreifen.

Letzten Endes haben wir hier also Unterhaltungsliteratur, welche man einfach wunderbar am Pool oder auf dem Balkon lesen kann, nur halbaufmerksam, weil wenn man etwas verpasst, dann isses nicht so schlimm, man wird der Handlung trotzdem immer irgendwie schon noch folgen können. Und wenn man die Auflösung, warum Dad sich umgebracht hat nicht mitbekommt, ist das auch nicht sonderlich schlimm. Selbst ICH, der konzentriert und analysierend gelesen hat, ist dieses auf einmal zu „Nebendetail“ degradierten Storybauteil erstmal komplett durch die Lappen gegangen. Erst beim wiederholten male Nachlesen fand ich die Stelle überhaupt.

Wer also so einen „Hirnaus-Roman“ mit Herz, mit Gefühl, mit lecker Essen und ein bisschen Spannung sucht, welcher dann mehr und mehr in BELANGLOSIGKEIT versinkt, aber dennoch ein versöhnliches Ende aufbieten kann...




...hier habt ihr ihn!









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Banana Yoshimoto

Moshi Moshi


Taschenbuch

Diogenes


Ersterscheinung 2015

Preis: 12,00€


PERSÖNLICHE NOTE: 4++

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Letzter Akt im Restaurant, das es nicht mehr gibt



Cayman betrachtet inzwischen die drei kleinen Frühlingsrollen, welche er sich bestellt hat. Sie sehen aus, wie aus der Werbebroschüre und schon der erste Bissen ist ein Hochgenuss, auch ohne die beigestellte Soße...

Draußen hat es zu regnen begonnen, die Regentropfen an den Scheiben geben die Lichter von draußen nur noch als mächenhaftes Bokeh an den Betrachter weiter, was die kuschelige Atmosphäre hier im Restaurant natürlich nur noch weiter verstärkt...

Schon die gesamte Zeit blickt Cayman immer wieder auf diesen einen Tesafilmstreifen, mit welchem das Fenstergummi am unteren Ende der Scheibe ein bisschen sehr schief aber effektiv festgeklebt worden ist. Nicht sonderlich gut verdeckt von einem roten Porzellandrachen und einer Ochidee mit breitem, weißen Topf...

Also ja, ein bisschen ist der Laden hier schon irgendwie in die Jahre gekommen, jedoch macht dies auch den Charme aus, denn nichts wirkt wirklich kaputt oder schmuddelig oder veraltet, eher fühlt man sich sofort so, dass man nicht Angst haben muss, dass das Personal einen verärgert anblickt, nur weil man sich beim Betreten mal nicht ausreichend die Schuhe abgetreten hat, weil der schneeweiße, fabrikneue Teppich sonst Flecken bekommt...

Und weil das Restaurant in den beiden oberen Stockwerken Wohnungen hat, welche vermietet werden und das Treppenhaus quasi ein kleines Stück weit ins Restaurant führt und man also den sehr entspannten Bewohnern, welche dies ja ausgiebig kennen mal eben „Hallo“ sagen kann, ist es fast so, als wäre man schon ewig hier, vielleicht sogar einer der Mieter selber...

Also ja, in diesem doch sehr an einen sehr gemütlichen, familiären Umfeld, lassen sich die Frühlingsrollen und das ist ja erst nur die Vorspeise, wirklich sehr gut genießen...


Da fragt der Kameramann: „Also jetzt sach mal... Warum genau existiert das Restaurant eigentlich nicht mehr?“.

Cayman, der sich seine Cola in das danebengestellte Glas einschenkt, blickt den Kameramann klug an: „Ach naja, also das ist schnell erzählt! Die Typen hier hatten was mit der Drogenmafia zu tun, also so wie vermutlich jedes dritte Geschäft und Restaurant hier in der Stadt! Und eines Tages, da komme ich vom Einkaufen und hier vor dem Restaurant parken drei Polizeiautos, eins vom Zoll, sowie ein gepanzerter VW Bulli in dem mehrere ganzkörpergepanzerte Spezialeinsatzkräfte gesessen haben, welche die Tür aufgebrochen und den Laden dann gestürmt und zerlegt haben! Danach sind sie gleich weiter und haben dann noch einen Friseur, eine Bäckerei, zwei Secondhand-Shops und gleich beide Nahrungsergänzungsmittel-Bodybuildershops, welche es hier gab ebenfalls ausgehoben! Was dem Bürgermeister dann aber zu viel wurde und er jede weitere polizeiliche Maßnahme verbieten lies. Dem Bürgermeister sagt man übrigens auch Verbindungen in das Drogendealermillieu nach, bis heute! Danach aber, meine ich, hat das Restaurant hier noch mal aufgemacht, wenn auch nur ganz kurz! Dann gingen sie trotzdem pleite! Auch weil sie gerade am renovieren waren und das dann ebenfalls ins stocken kam! Hat ihnen halt alles zusammen das Genick gebrochen! So ist das Leben! Nothing lasts forever!“.


Sodann beißt Cayman in das laut-knuspernde Frühlingsröllchen und macht laut „Mmmmmmhhhh!“.


Der Kameramann schaut sich entsetzt um...


Nach oben, nach unten, an die Decke, unter den Tisch, aus dem Fenster, hinter sich...


Cayman isst einfach in Seelenruhe weiter...


Dann lehnt sich der Kameramann zu Cayman und fragt: „Drogenmafia? Polizeirazzia?! Gepanzerte Autos mit Polizisten mit Körperschutz-Panzeranzügen?! Der Bürgermeister der Stadt arbeitet mit der Drogenmafia zusammen?! In was für einem kranken Scheißloch sitzen wir hier bitte?! Wie bist du damals hier hergekommen?! Warum bist du nicht schon vorher aus dieser Stadt hier weggezogen?! Was zur Hölle?!“.

Cayman aber, der bleibt ganz gelassen und nimmt einen Schluck von seiner kalten Cola...

Die Welse im Aquarium schlafen auf dem Boden, unter, neben, auf dem Steinhaufen in der Mitte, nur ein kleinerer schwimmt aufgebracht oben am Wasserrand immer im Kreis, wovon sich die Großen aber nicht beeindrucken lassen...

 

Der Kameramann schaut Cayman weiterhin vollkommen fassungslos an und fragt: „DROGENMAFIA?!“.

 

Cayman nickt, während er sich der nächsten Frühlingsrolle mit frischem Gemüse und zartem Hühnerfleisch zuwendet...

Der Kameramann massiert sich die Stirn und kneift die Augen zusammen: „Oh maaaan!“.

Und Cayman ergänzt: „Alles was entsteht und existiert, es trägt den Kern seiner Zerstörung, seines Endes bereits in sich!“.

Der Kameramann schüttelt mit dem Kopf und sagt trocken: „Ich glaube ich bestelle mir das süß-saure Hühnchen mit Reis! Und dazu nen Grappa, wenn sie haben!“.


Cayman lächelt: „Schönsaufen ist das eine... SCHÖNESSEN geht aber auch! Und man hat hinterher keinen Kater!“.






Denken Sie mal darüber nach...














ENDE

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